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Sjöström holt auch Gold über 100 Meter Schmetterling

Sport - Sjöström holt auch Gold über 100 Meter Schmetterling

Das 100m Schmetterling-Finale der Frauen bei der Schwimm-Europameisterschaft in London. Reporter Thomas Wark, Experte Christian Keller, Interview Markus Harm.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.05.2017, 08:00

Sarah Sjöström ist zu ihrem vierten Titel in dieser EM-Woche geschwommen. Die Doppel-Weltrekordlerin aus Schweden verpasste bei ihrem Sieg über 100 Meter Schmetterling  in 55,89 Sekunden ihre Jahresweltbestzeit um lediglich zwei Zehntelsekunden.

Sjöström setzte sich in 55,89 Sekunden vor Jeanette Ottesen aus Dänemark (56,83) und der Italienerin Ilaria Bianchi (57,52) durch.

Nicht nachgeben!

24,43 Sekunden die Luft anhalten. Das klingt zunächst einmal machbar. Kommen dann aber mehr als 20 Schmetterlingzüge, Wasserwiderstand und Anspannung hinzu – dann scheint diese Aufgabe auf einmal weit schwieriger. Auch eine Profi wie Sarah Sjöström hat bei dieser Aufgabe stets einmal Luft geholt. Bis zu jenem Samstag im Juli 2014 im südschwedischen Städtchen Boras, wo sie bei einem Freibad-Schwimmfest den aus der Ära der Hightech-Anzüge stammenden Weltrekord ihrer Teamkollegin Therese Alshammar über 50 Meter Schmetterling um mehr als eine halbe Sekunde unterbot.

„Damals habe ich mir zum ersten Mal gedacht: Es lief doch ganz gut im Vorlauf, es fühlt sich gut an hier, und wenn ich schon mit einmal atmen so schnell bin, dann versuche ich es einfach mal ohne“, sagte die 22-Jährige einige Monate nach dem Rennen.

64 Hundertstel – eine Steigerung, die auf einer Sprintstrecke ähnlich unmöglich scheint, wie dabei nicht zu atmen. Doch genau das kann eben auch den Unterschied machen. Wer Sjöströms Titelrennen aus London sieht, kann das deutlich erkennen. Die Konkurrenz erwischt bessere Starts, taucht teils länger und damit weit vor Sjöström auf, die sich nun Zug um Zug an die Spitze schmettert. Als dann kurz vor dem Ziel die Frauen neben ihr dem Drang nach Sauerstoff nachgeben, hält Sjöström den Kopf unten und drückt sich nach ganz vorn.

Erster WM-Titel mit 15

Der Weltrekord im Freibad, er war nur eines der Fabelstücke, die der blonden Athletin in ihrer Karriere gelungen sind. Sjöström schmetterte bereits mit 15 Jahren zu ihrem ersten WM-Titel, schon damals mit Weltrekord. Anschließend sammelte das schwedische Wunderkind über 100 Meter Schmetterling so ziemlich jeden Titel ein, den sie kriegen konnte, bevor ihr eine medaillenlose WM 2011 einen, wie sie sagt, nötigen Dämpfer verpasste.

Nach krankheitsbedingtem Trainingsausfall und ebenfalls enttäuschenden Spielen von London war es an der Zeit für Veränderungen. Sjöström zog zuhause aus, schloss sich nach Jahren der Einzelarbeit einer Trainingsgruppe in Stockholm an: „Dieses Messen mit unseren Besten bringt mich dazu, im Training schneller zu schwimmen und damit auch im Wettkampf.“

Nur noch Rekorde und Siege

Damals, als Sarah Sjöström als Teenager zu ihrem ersten Weltrekord schwamm, habe sie nicht geplant, Rekorde zu brechen oder Medaillen zu gewinnen. Das sei eben einfach so passiert. Heute, sagt sie, sei das anders: „Heute will ich nur noch Rekorde brechen und gewinnen.“

Für einen ganz besonderen Rekord verzichtete Sjöström bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr gar auf einen möglichen Gewinn der 200 Meter Freistil, jener Strecke auf der sie als Startschwimmerin der Staffel schneller kraulte als US-Star Katie Ledecky in ihrem Weltmeisterrennen. Denn: Mehr als diesen Sieg wollte Sjöström diesen Rekord, den sie als 15-Jährige gebrochen und den sich die US-Amerikanerin Dana Vollmer bei Olympia geschnappt hatte, zurück. Das Ergebnis dieser Entschlossenheit: Weltrekorde im Halbfinale sowie im Endlauf. Gold über die halbe Distanz, zweimal Silber und einmal Bronze gab es obendrauf.

Einschwimmen für Rio

Auf europäischer Ebene kürte sich Sarah Sjöström schon bei der EM in Berlin mit drei Gold- und vier Silbermedaillen zur erfolgreichsten Athletin. Zwei Jahre später verwies sie nun in London bereits Olympiasiegerin Ranomi Kromowidjojo über 100 Meter Freistil auf Platz zwei, kraulte mit der schwedischen Freistil-Staffel zu Bronze und verteidigte atemlos ihren Titel über 50 Meter Schmetterling. Gold über die doppelte Distanz ist am Freitagabend noch dazukommen - beste Aussichten für die Spiele in Rio de Janeiro.

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