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Warnschuss an den Weltverband

Kommentar zum CAS-Urteil gegen Sun Yang

Der chinesische Schwimmer Sun Yang ist vom Internationalen Sportgerichtshof CAS für acht Jahre gesperrt worden. Ein Kommentar von Thomas Wark.

Sun Yang
Seine Karriere ist nach dem Urteil praktisch beendet: Sun Yang
Quelle: Denise Balibouse / reuters

Das Urteil hat zwei Adressaten. An erster Stelle steht natürlich der 28-jährige Profi-Schwimmer, für den der CAS quasi ein Berufsverbot verhängt hat. Acht Jahre: Dieses Strafmaß wird als das "Hammer-Urteil" in die Sportgeschichte eingehen und es wird aller Voraussicht nach das Ende der Karriere des Olympiasiegers und Weltmeisters bedeuten.

Genugtuung für die Ehrlichen

Es wird eine Genugtuung für die Ehrlichen sein, die Sun Yang zuletzt bei den Weltmeisterschaften in Gwangju/Südkorea sogar verhöhnt hatte. Den Australier Mack Horton und den Briten Duncan Scott traf der Spott des Chinesen, nachdem seine Gegner bei den Siegerehrungen auf Distanz gingen und eine Gratulation verweigerten.

Dabei konnte sich Sun Yang stets der Rückendeckung der Funktionäre sicher sein und so wunderte es keinen Beobachter der WM in Gwangju, dass Horton und Scott vom Weltschwimmverband FINA für ihr Verhalten verwarnt wurden, während der Chinese seine Titel über 200 und 400 Meter Freistil feiern durfte. Eine Farce, die es mir schwer machte, das Geschehen in gebotener Neutralität vom Reporterplatz aus zu schildern.

Als ich Sun Yang im vergangenen November bei seiner Anhörung vor dem CAS wiedersah, wurden meine Eindrücke bestätigt: Ein überheblicher Typ, eskortiert von seiner Mutter und ein paar Anwälten, die mit einem perfiden Lügengebilde versuchten, das System Sun Yang, das ihren Schützling zu einem Sportmillionär gemacht hatte, vor dem Absaufen zu retten.

Skandalöse Reaktion

Das unerwartet harte Urteil des CAS aber trifft nicht nur Sun Yang selbst. Es ist ein nicht zu überhörender Warnschuss an den Weltverband, der mehr im trüben Sumpf als im klaren Wasser zu wirken scheint. Schon 2014, nachdem Sun Yang das erste Mal mit dem Dopingmittel Trimetazidin erwischt wurde, verhängte die FINA nur eine dreimonatige Sperre. Lächerlich kurz und rückwirkend terminiert, damit der Chinese bei den Asienspielen schon wieder mitmischen konnte.

Geradezu skandalös aber fiel die Reaktion des Dopingpanels der FINA auf den aktuellen Fall der zerstörten Blutprobe aus. Als der Schwimmweltverband am 3. Januar des vergangenen Jahres Sun Yang freisprach, traten die WADA und nach ihr der CAS auf den Plan. Acht Jahre also: Diese Höchststrafe wird dem Schwimmsport möglicherweise etwas von seiner verlorengegangenen Glaubwürdigkeit zurückgeben, für den Weltverband aber ist es eine klare Ansage, dass er mit seinem System aus Betrug und Mauscheleien nicht weitermachen kann.

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