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Freund vor emotionalem Comeback

Skispringen - Weltcup im finnischen Ruka

Nach fast zwei Jahren Verletzungspause feiert der einstige Überflieger Severin Freund beim Weltcup in Finnland am Wochenende (Samstag und Sonntag live im ZDF) sein Comeback. Seit seinen letzten Wettkampfsprüngen hat sich viel verändert – im deutschen Skispringen genau wie in seinem Leben.

Severin Freund
Severin Freund
Quelle: dpa

Vor fast genau zwei Jahren hat Severin Freund im finnischen Ruka-Kuusamo schon einmal ein Comeback gefeiert. Damals nach einer Hüftoperation. Nach einem völlig unerwarteten zweiten Platz im ersten Springen, stand der Bayer am 26. November 2016 sensationell ganz oben auf dem Podest. Es war sein 22. und bis dato letzter Weltcup-Sieg. Nur ein paar Wochen später setzte sich seine schier endlose Leidenszeit mit zwei Kreuzbandrissen in Serie fort. Andere hätten nach derlei Rückschlägen längst aufgegeben, doch der inzwischen 30 Jahre alte Kämpfer Severin Freund kehrt am Wochenende erneut in den Weltcup-Zirkus der Skispringer zurück. Natürlich in Finnland, auf seinem Lieblingsbakken in der Nähe des Polarkreises.

Freund optimistisch

„Kuusamo ist für mich ein emotionaler Ort, ich mag die Schanze und habe gute und schöne Erinnerungen daran“, sagt Freund. Dass es ähnlich spektakulär wie beim Comeback vor zwei Jahren läuft, glaubt er nicht: „Meine Knieverletzung war sehr langwierig und es ist ein unglaublich langer und auch steiniger Weg, wieder zu alter Stärke zurück zu kommen. Aber ich bin guter Dinge, dass ich mich über die Saison hinweg verbessere und hoffentlich schnell wieder vorne mitspringen kann.“

Das wird keine einfache Aufgabe, denn die Skisprung-Welt hat sich in der Zeit von Freunds Abwesenheit weitergedreht. Richard Freitag und besonders Andreas Wellinger sind zu neuen Führungsfiguren im deutschen Skisprungteam herangewachsen. Der erst 23-jährige Wellinger holte bei der WM 2017 genau wie bei Olympia in diesem Jahr jeweils Gold und zweimal Silber. Trotzdem gehörte er beim Weltcup-Auftakt am vergangenen Wochenende im polnischen Wisla nicht einmal zur deutschen Mannschaft, die Platz zwei im Teamwettbewerb belegte. Das sagt einiges über die enorme Qualität des deutschen Skisprung-Teams, in dem der bisherige Hinterbänkler Stephan Leyhe zudem mit einem zweiten Platz im Einzelwettbewerb glänzte.

Freund muss sich Platz erkämpfen

„Das ist aber genau die richtige Situation für Severin. Die Mannschaft hat sich von ihm emanzipiert und die Erfolgsgeschichte ohne ihn fortgeschrieben. Er hat überhaupt gar keinen Druck. Es wäre viel schlimmer für ihn, wenn es wie früher nur auf ihn ankommen würde“, sagt Bundestrainer Werner Schuster. Nachdem Freund bei seiner Rückkehr ins Mannschaftstraining im Herbst wegen des Rückstands eher ernüchtert gewesen sei, habe er sich inzwischen mit dem ihm eigenen Kampfgeist wieder herangetastet. Schuster: „Wenn es einer nach so einer langen Pause schafft, dann ist es Severin. Es ist ein emotionaler Joker für ihn, dass er in Kuusamo zurückkehrt, auf einer Schanze, auf der er sehr gut springt. Ich halte so ziemlich alles für möglich: Er kann für einen Paukenschlag sorgen oder in der Qualifikation scheitern.“


Nach den Weltcup-Springen in Ruka-Kuusamo und dem russischen Nischni Tagil wird sich entscheiden, wie die Geschichte von Severin Freund weitergeht. Einen Bonus oder einen festen Platz im Weltcup-Team unabhängig von seiner Leistung hat er nicht. „Das würde er auch selbst nicht wollen, weil er ein fairer Sportsmann ist. Severins Bonus war, dass er eine spezielle Vorbereitung mit Trainern hatte, die zeitweise nur für ihn abgestellt waren. Das war mir ein persönliches Bedürfnis, weil auch ich ihm viel zu verdanken habe,“ so der Bundestrainer weiter. Schließlich begründete Severin Freund als Schlussspringer beim deutschen Team-Olympiasieg 2014 eine Erfolgsära, die er selbst als Skiflug-Weltmeister im gleichen Jahr sowie Gesamtweltcupsieger und Weltmeister 2015 entscheidend mitprägte.

Neustart von ganz unten

Nach drei Wintern mit spektakulären Erfolgen folgte eine lange Leidenszeit, in der auch der Kämpfer Freund an seine Grenzen stieß. „Als ich im Februar vor dem Fernseher saß und den Jungs beim Springen zuschaute, wusste ich, dass ich schon ein halbes Jahr an mir gearbeitet habe, aber noch ein weiteres halbes Jahr Reha bis zum ersten Sprung vor mir habe“, gibt Freund einen Einblick in sein Seelenleben. Im Sommer startete er dann wie ein Anfänger auf der 30-Meter-Schanze neu und arbeitete sich langsam hoch. Inzwischen hat er auch auf Großschanzen im Training Landungen im höheren Weitenbereich wieder sicher gestanden und das Kreuzband hat gehalten. Schuster: „Severin traut sich wieder, ganz runterzuspringen.“

Der Chefcoach glaubt an Severin Freund. Spätestens bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld (19. Februar bis 3. März 2019) würde der Champion vergangenerTage gern wieder um die Medaillen mitspringen. Und wenn es mit dem Comeback nicht wie gewünscht klappt? Auch dann wird der Kämpfer Severin Freund seinen Weg gehen. Vor ein paar Wochen hat ihn seine Frau Caren zum Vater einer Tochter gemacht. Bei Facebook zeigte er dazu ein Foto von einer kleinen Babyhand mit dem Hashtag „Was wirklich zählt“.

Freunds größte Erfolge

  • 2011: Nordische Ski-WM Bronze Mannschaft
  • 2012: Skiflug-WM Silber Mannschaft
  • 2013: Nordische Ski-WM Silber Mannschaft und Bronze Mixed-Mannschaft
  • 2014: Olympische Spiele Gold Mannschaft
  • 2014: Skiflug-Weltmeisterschaft Gold Einzel
  • 2014/2015: Sieg im Gesamtweltcup
  • 2015: Nordische Ski-Weltmeisterschaft Gold Großschanze, Gold Mixed-Mannschaft und Silber Normalschanze
  • 2015/2016: 2. Platz bei der Vierschanzentournee (beste Platzierung)
  • 2016: Skiflug-Weltmeisterschaft Silber Mannschaft
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