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Auf den Spuren von Otto Rehhagel

Michael Skibbe mit Griechenland im Play-off zur Fußball-WM 2018

Der frühere Bundesligatrainer Michael Skibbe steht mit Griechenland vor dem Sprung zur WM nach Russland. Am Donnerstag steigt in Zagreb das Playoff-Hinspiel gegen Kroatien – und der deutsche Coach setzt dabei auf altbewährte hellenische Tugenden.

Michael Skibbe im Interview
Michael Skibbe Quelle: imago

Seit zwei Jahren wird Michael Skibbe täglich mit dem ausgeprägten Hang griechischer Fußballer zur Abwehrarbeit konfrontiert, erstaunt ist er darüber trotzdem immer noch. „Bei Südländern würde man das nicht vermuten. Doch bei den Griechen gab es schon immer eine überwiegende Anzahl guter Defensivspieler. Richtung Offensive wird es dann insgesamt weniger“, erklärt der 52-Jährige im Gespräch mit zdfsport.de.

Lachnummer des Kontinents

Seinen Job als Nationaltrainer der Hellenen genießt der gebürtige Gelsenkirchener gerade in vollen Zügen. Am Morgen schwamm er noch bei sich zu Hause im Athener Nobelvorort Glyfada im Meer. Nun steht er im nahe gelegenen Trainingszentrum des Fußballverbandes in Agios Kosmas – von wo aus er mit seinem Team am Mittwoch Richtung Zagreb aufbrach.

Am Donnerstag steigt dort das WM-Playoff-Hinspiel bei den offensivstarken Kroaten. Am Sonntag fällt beim zweiten Duell in Piräus die Entscheidung, ob Skibbe („Ich halte uns schon für den Außenseiter“) es mit den Griechen zur Endrunde nach Russland schafft. Zwei Jahre, nachdem der Sensations-Europameister von 2004 zur Lachnummer des Kontinents verkommen war.

Munter ins Himmelfahrtskommando

In der Qualifikation zur EM in Frankreich scheiterten die Griechen krachend als Gruppenletzte, verschlissen dabei drei Trainer und leisteten sich unter anderem zwei peinliche Niederlagen gegen die Färöer. Der Trainerjob am Fuße der Akropolis glich einem Himmelfahrtskommando, der auserwählte Wiederbeleber sah die Sache aber positiv.

„Dass Griechenland zu dem Zeitpunkt so weit unten war wie man weiter unten nicht sein kann, hat die Aufgabe eher vereinfacht. Es konnte ja nur aufwärts gehen“, sagt Skibbe munter, dann blickt er auf die beiden Partien gegen Kroatien.

Zunächst auswärts – sehr gut

„Bei unserer Art Fußball zu spielen – möglichst gut und geschickt verteidigen, mit schnellen Gegenangriffen –, ist es natürlich gut, zunächst auswärts zu spielen“, betont der Mann, der 2002 in einer Trainer-Doppelspitze mit Rudi Völler mit der DFB-Auswahl im WM-Finale gegen Brasilien stand.

Als dasselbe Duo zwei Jahre später in der EM-Vorrunde ausschied, feierte Griechenland mit dem 1:0-Finalsieg über Gastgeber Portugal den größten Erfolg in seiner Historie. Mit einem eisernen Abwehrriegel als Basis coachte sich Otto Rehhagel damals zum Fußball-König von Griechenland – entsprechend tauschte sich Skibbe zwei, drei Monate nach seiner Amtsübernahme mit dem Landsmann über dessen Erfahrungen aus.

Dankbarer Verband

„Am Rande eines Spiels in Leverkusen sagte mir Otto Rehhagel, wie er den Verband vorgefunden, welche Dinge er umgestellt hat. Das habe ich in meine Überlegungen einfließen lassen“, erzählt der jetzige Griechen-Trainer, der seit Oktober 2015 fast die halbe Nationalmannschaft austauschte und parallel dazu die tiefen Gräben zwischen den Spielern aus Athen und Saloniki nach und nach zuschüttete.

Aus Dankbarkeit über die geglückte Restauration des nationalen Fußballs signalisierte der Verband bereits, die Zusammenarbeit auch bei einem Aus in den WM-Playoffs weiterführen zu wollen. Michael Skibbe kann sich eine Fortsetzung ebenfalls gut vorstellen – geht aber erst mal die Herausforderung Kroatien an und sagt: „In zwei Duellen startet man auf jeden Fall mit einer Fifty-fifty-Chance. Und ich würde es nicht als absolute Megasensation bezeichnen, wenn wir es zur WM schaffen.“

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