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Die Hillsize macht den Unterschied

Sport - Die Hillsize macht den Unterschied

Der ehemalige Weltcup-Springer Martin Koch mit der subjektiven Kamerasprung von der Skiflug-Schanze am Kulm im österreichischen Tauplitz.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 13.01.2017, 17:57

Severin Freund ist nicht nur ein veritabler Skispringer, sondern auch ein exzellenter Skiflieger. Was aber ist der Unterschied zwischen Skispringen und Skifliegen? In erster Linie die Größe der Schanze.

Als Skiflugschanzen gelten Schanzen, die eine sogenannte Hillsize von 185 Metern haben. Die Hillsize (HS) ist ein Maß für die Schanzengröße. Sie wurde im Jahr 2004 offiziell als Maß zur Größenbestimmung einer Anlage eingeführt. Beim Skispringen bezeichnet die HS die kürzeste Verbindung zwischen der Kante des Schanzentisches und jenem Punkt am Aufsprunghang, der noch ein Gefälle von 32 Grad aufweist. Bei kleineren Schanzen ist die Hillsize dementsprechend kleiner.

ZDF-Experte Toni Innauer nennt neben dem Hauptunterschied in der Schanzengröße auch die damit einhergehenden Faktoren wie die "höhere Anlaufgeschwindigkeit" und "die exponentiell (also nicht linear) zur Anlaufgeschwindigkeit steigenden und im Flug zu verwaltenden Luftkräfte".

Fünf Skiflugschanzen

Derzeit gibt es fünf Skiflugschanzen - allesamt in Europa. Die Größte befindet sich in Vikersund/Norwegen (Vikersundbakken), auf der auch der Weltrekord erreicht wurde. Anders Fannemel sprang am 15. Februar 2015 als erster Mensch über 250 Meter (251,5 Meter). Peter Prevc, der derzeit beste Springer im Feld, war am Tag zuvor nach exakt 250 Metern gelandet. Weitere Skiflugschanzen stehen in Harrachov/Tschechien (Čerťák-Skiflugschanze), Planica/Slowenien (Letalnica bratov Gorišek), Oberstdorf/Deutschland (Heini-Klopfer-Skiflugschanze) und eben Bad Mitterndorf/Tauplitz/Österreich (Kulm).

Eine größere Schanze hat natürlich auch eine ausgedehntere Flugphase zur Folge. Das heißt, die Springer oder eben Flieger sind länger in der Luft unterwegs. Ein Flug dauert ungefähr sieben bis acht Sekunden, in denen es vor allem auf die Aerodynamik ankommt. Der Athlet muss sich demnach "breit machen", um auf dem Luftpolster die größtmögliche Weite zu erreichen. "Der Nervenkitzel nimmt beim Skifliegen auch für den Betrachter zu. Mir kommen Skiflieger immer vor wie Seiltänzer, nur viel schneller - und ohne Seil natürlich", erklärt ZDF-Reporter Stefan Bier.

Geringer Unterschied bei der Berechnung

Bei der Berechnung der Punktezahl unterscheiden sich Skispringen und Skifliegen nur geringfügig. Entscheidend hierbei ist der Konstruktionspunkt oder auch K-Punkt, der die Stelle bezeichnet, an dem das Gefälle des Aufsprunghangs flacher wird. Seine Weite wird von der Grundkante des Schanzentisches entlang des Hangs gemessen. Bei Skiflugschanzen ist der K-Punkt zwischen 145 und 185 Metern angesiedelt. Der K-Punkt wird als Ausgangspunkt für die Berechnung der Weitenpunkte in der Sprungwertung herangezogen.

Mit einem Sprung auf den K-Punkt erhält ein Springer 120 Weitenpunkte (bei Skisprungschanzen: 60 Weitenpunkte). Jeder weitere Meter bringt dem Athleten zusätzlich 1,2 Punkte (beim Skispringen mindestens 1,8 Punkte). Springt er kürzer, werden ihm diese Punkte abgezogen.

Spektakulär, aber gefährlich

Ein Unterschied darf an dieser Stelle nicht verschwiegen werden: Für die Zuschauer sind die Flüge auf einer Schanze wie in Tauplitz natürlich extrem spektakulär, für die Athleten selbst bergen die "Monsterschanzen" auch eine höhere Verletzungsgefahr in sich. Die FIS muss daher eine ausdrückliche Genehmigung erteilen, dass die Skiflugschanze benutzt werden darf. Zudem dürfen nur Über-18-Jährige als Probeflieger eingesetzt werden.

Die drohende Gefahr bestätigt auch Toni Innauer: "Die längere Flugphase hat zur Folge, dass es extremere Unterschiede zwischen guten und missglückten Sprüngen gibt. Die Korrekturmöglichkeiten des Sportlers sind aufgrund der riesigen Luftkräfte bei Fehlern nicht mehr ausreichend, um einen Sturz zu verhindern (das funktioniert bei Normal/Großschanzen durchaus noch).“

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