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Warten auf den deutschen Tag

Vierschanzentournee - Quali in Bischofshofen

Nach dem Absturz im Wirbelwind von Innsbruck hat das deutsche Team alle Chancen auf einen Podestplatz in der Gesamtwertung der 65. Vierschanzentournee verspielt. Der kranke Weltmeister Severin Freund blickt jetzt schon Richtung WM, der Rest des Teams will sich beim Finale mit einem Topresultat verabschieden.

Werner Schuster, Bundestrainer Skispringen
Werner Schuster, Bundestrainer Skispringen Quelle: dpa

„Warm einpacken, Füße hochlegen und auskurieren“ heißt daheim die Devise für den kranken Weltmeister Severin Freund. Die fünf verbliebenen deutschen Flieger reisten nach der Enttäuschung von Innsbruck mit jeder Menge Frust zum Finale der 65. Vierschanzentournee, wo es am Freitag (16:45 Uhr/live im ZDF) in Bischofshofen um Schadensbegrenzung geht.

"Brauchen einen deutschen Tag"

„Im Gesamtresultat gehören wir zu den Geschlagenen, wir sind einfach zu weit vom Podest weg. Jetzt müssen wir die Moral hochhalten. Wir hatten bei der Tournee schon Österreicher-, Polen- und Norweger-Tage, jetzt müssen wir daran arbeiten, dass wir bald einen deutschen Tag haben“, kommentierte Bundestrainer Werner Schuster.

Markus Eisenbichler ist als Sechster mit einem Rückstand von 41,3 Punkten auf Spitzenreiter Daniel-Andre Tande (Norwegen) bester Deutscher in der Gesamtwertung. Das heißt: Auch 15 Jahre nach dem historischen Grand-Slam-Triumph von Sven Hannawald wird es wieder keinen deutschen Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee geben.

Tande ist jetzt Favorit

Alles spricht für einen Triumph des Norwegers Daniel-Andre Tande, der nach seinen Siegen beim Neujahrsspringen von Garmisch-Partenkirchen und in Innsbruck „einfach das Momentum auf seiner Seite hat“ (Schuster). Zwar liegt Kamil Stoch nur 1,7 Punkte oder umgerechnet einen Meter zurück, aber der polnische Olympiasieger ist nach seinem Sturz im Probedurchgang von Innsbruck an der Schulter lädiert.

Im letzten Jahr war an gleicher Stelle Severin Freund im Probe-Durchgang gestürzt. Als Folge musste er sich an der Hüfte operieren lassen und suchte in diesem Winter bei der Tournee nach seiner Form. Der grippale Infekt, der ihn jetzt zu einer Wettkampfpause zwingt, könnte langfristig sogar eine Chance für den Weltmeister werden.

Ziel ist jetzt die WM

Für ihn – wie für den Rest des deutschen Teams – geht es ab jetzt nur noch um eine perfekte Vorbereitung auf die Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Lahti (22. Februar bis 5. März). „Durch die Erkrankung ist eine Trainingsphase vorgegeben. Das ist die absolut richtige Entscheidung, weil er nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Man sieht, dass er auch eine Phase mit Krafttraining und Trainingssprüngen braucht, um wieder voll konkurrenzfähig zu sein“, sagt ZDF-Experte Toni Innauer.

Wie lange die Pause von Severin Freund dauern wird, ist laut Chefcoach Schuster noch „völlig offen: Wir haben die Reißleine gezogen, weil sich sein Zustand verschlechtert hat. Er soll sich regenerieren, danach arbeiten und Trainingstage einlegen.“ Schließlich ist das selbsterklärte Ziel von Freund, dass er bei der WM auf seiner Lieblingsschanze in Lahti in einer Form sein möchte, „mit der ich die Chance auf eine erfolgreiche Titelverteidigung habe.“

Innsbruck war "höhere Gewalt"

Als sein Vertreter in der Führungsposition im deutschen Team hat sich bei dieser Tournee Markus Eisenbichler profiliert. Dass er in Innsbruck wegen extrem schlechter Windbedingungen auf Platz 31 abstürzte, bezeichnet Innauer als „höhere Gewalt“. Bei der dritten Tournee-Station habe nicht die Tagesverfassung, sondern nur der Wind den Ausschlag gegeben.

„Der Bergisel von Innsbruck hat wieder mal Schicksal gespielt. Markus Eisenbichler hat sich bei dieser Tournee super geschlagen, ist für Freund in die Bresche gesprungen und hat die Tournee aus deutscher Sicht spannend gemacht“, lobt Innauer. Bei seinem sechsten Platz in Oberstdorf und Rang vier in Garmisch-Partenkirchen war Eisenbichler jeweils nur hauchdünn am Podest vorbeigesprungen.

Leyhe und Wellinger noch steigerungsfähig

Bundestrainer Schuster unterstreicht deshalb, dass Eisenbichler „die beste Tournee in der besten Saison seiner Karriere“ springe: „Man muss da jetzt geduldig bleiben. Er wird definitiv noch zuschlagen.“ Auch beim Tournee-Achten Stephan Leyhe und Andreas Wellinger steige die Qualität der Sprünge, auch wenn sich das bisher noch nicht in Resultaten ausdrücke.

„Andere Teams brechen zusammen, wenn ihnen die Nummer 1 wegfällt. Wir springen jetzt ohne Severin und wollen uns in Bischofshofen trotzdem mit einem Topresultat von der Tournee verabschieden“, fordert Schuster. Das wäre dann die perfekte Einstimmung auf deutsche Tage bei der WM.

Die besten DSV-Gesamtplatzierungen bei den letzten 10 Tourneen
2016/2017 ???
2015/2016 Severin Freund (2)
2014/2015 Richard Freitag (6)
2013/2014 Andreas Wellinger (10)
2012/2013 Michael Neumayer (6)
2011/2012 Severin Freund (7)
2010/2011 Michael Uhrmann (11)
2009/2010 Pascal Bodmer (7)
2008/2009 Martin Schmitt (4)
2007/2008 Michael Neumayer (3)

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