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Model gegen Magier

Vierschanzentournee- Finale in Bischofshofen

Beim heutigen Finalspringen (16.45 Uhr/live im ZDF) werden der Norweger Daniel-Andre Tande oder der Pole Kamil Stoch als Gesamtsieger der Tournee Geschichte schreiben. Nur Stefan Kraft könnte ihnen noch die Suppe versalzen.

Kamil Stoch, Daniel-Andre Tande, Stefan Kraft (v.l.n.r.)
Kamil Stoch, Daniel-Andre Tande, Stefan Kraft (v.l.n.r.) Quelle: reuters

Es wird spannend. Am Tag vor dem großen Finale der 65. Vierschanzentournee zeigte der bislang so cool wirkende große Favorit Daniel-Andre Tande (Norwegen) Nerven. In der Qualifikation reichte es nur zu einem enttäuschenden 39. Platz. Sein nach einem Sturz in Innsbruck angeschlagener Konkurrent Kamil Stoch (Polen) verzichtete nach einem Super-Trainingsflug auf 141 Meter dagegen auf die Ausscheidung.

Schuster hofft auf versöhnliches Finale

Es spricht alles für ein dramatisches Finale um den Triumph beim Skisprung-Grand-Slam, denn Tande nimmt nur einen Vorsprung von 1,7 Punkten oder umgerechnet etwa einen Meter auf Stoch mit in das letzte Tournee-Springen auf den Riesenbakken von Bischofshofen.

„Das wird ein gigantisches Duell. Tande ist technisch ausgereift, hat ein gutes Fluggefühl und glaubt nach seinen beiden Tournee-Tagessiegen in Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck an sich. Stoch aber ist in phantastischer Form und auch deshalb brandgefährlich, weil er als Olympiasieger und Weltmeister genau weiß, wie man große Dinge gewinnt“, sagt Bundestrainer Werner Schuster. Er hofft aus deutscher Sicht auf ein versöhnliches Ende einer mittelmäßigen Tournee, in der der letztjährige Tournee-Zweite und Weltmeister Severin Freund nach schwachen Leistungen bei den beiden Springen in Deutschland wegen eines grippalen Infekts vorzeitig aussteigen musste.

Tande und Stoch klare Favoriten

Der derzeitige Gesamt-Sechste Markus Eisenbichler schrieb mit den Plätzen sechs (Oberstdorf) und vier (Garmisch-Partenkirchen) bisher die beste Geschichte aus deutscher Sicht. Die Hoffnung auf einen deutschen Podestplatz als versöhnliches Ende nährte Andreas Wellinger, der sich am Donnerstag mit 144,5 Metern den Sieg in der Qualifikation sicherte. "Cool, das ist der erste Schanzenrekord meiner Karriere", sagte Wellinger. Weiter als er ist in der Geschichte der Tournee seit 1953 noch nie jemand geflogen.

Die wichtigsten K.o.-Duelle in Bischofshofen
Andreas Wellinger (Ruhpolding/1.) Markus Eisenbichler (Siegsdorf/50.*)
Stephan Leyhe (Willingen/3.) Ryoyu Kobayashi (Japan/48.)
Karl Geiger (Oberstdorf/7.) Wladimir Zografski (Bulgarien/44.)
Richard Freitag (Aue/31.) Stefan Kraft (Österreich/20.)
Daniel Andre Tande (Norwegen/39.) Domen Prevc (Slowenien/12.)
Kamil Stoch (Polen/49.*) Manuel Fettner (Österreich/2.)
*nicht in der Qualifikation gesprungen, aber gesetzt


Im Kampf um den Gesamtsieg spielen die deutschen Adler jedoch keine Rolle. Dort geht es nur um das Duell Tande gegen Stoch, oder Model gegen Magier. Selbst der Österreicher Stefan Kraft als bisher Gesamt-Dritter hat nur noch Außenseiterchancen. Dass der Pole Stoch überhaupt in Bischofshofen starten kann, grenzt an ein Wunder. Er war im Probe-Durchgang für das dritte Tournee-Springen in Innsbruck schwer auf seine Schulter gestürzt. „Natürlich tut es weh. Aber es ist nichts gebrochen und ich habe nur ein Hämatom“ erklärte der Pole: „Ich weiß, in welcher Form ich bin und will meine Chance nutzen.“

Stoch glaubt an seine Chance

Schließlich hat bislang nur Adam Malysz im Jahr 2001 die Vierschanzentournee für das skisprungverrückte Polen gewinnen können. Malysz ist jetzt eine wichtige Figur im polnischen Verband und hatte entscheidenden Anteil daran, dass im vergangenen Jahr der bisherige deutsche Co-Trainer Stefan Horngacher abgeworben wurde. Der neue Chefcoach Horngacher gilt in Polen inzwischen als „Skisprung-Gott“, weil er neben Stoch auch das gesamte polnische Team in die Weltspitze geführt hat.

„Wir haben jetzt einen sehr guten Teamspirit, jeder Sportler glaubt an sich. Stefan Horngacher hat mit mir auch etwas an meiner Anfahrtsposition und im Training geändert – vor allem aber sind es psychologische Dinge, die er anders macht“, nennt Ex-Weltmeister und -Gesamtweltcupsieger Stoch sein Erfolgsgeheimnis. Der „Magier“ hat Schmerzen, aber trotzdem ist der erfahrene 29-Jährige davon überzeugt, dass er sich gegen Model und Muttersöhnchen Tande durchsetzen wird.

Muttersöhnchen Tande

Der 22 Jahre junge Tande, der sich schon als Model mit freiem Oberkörper ablichten ließ, hat seinen größten Fan auch in Bischofshofen dabei: Mama Trude. Die hübsche dunkelhaarige Frau mit den lustigen Zöpfen, jubelte nach seinen beiden Tagessiegen bei der Tournee wie entfesselt. Sie hat in diesen Tagen verraten, dass Daniel-Andre immer noch daheim wohnt, gern Gitarre spielt und ein guter Junge ist, der auch im Haushalt hilft. Vor allem ist er momentan der beste Skispringer der Welt: Er geht als Gesamtweltcup-Spitzenreiter, Nummer 1 der Preisgeldliste und Spitzenreiter der Tournee-Gesamtwertung ins große Finale.

Das ist umso verwunderlicher, weil sich Daniel-Andre Tande vor jedem Sprung überwinden muss: Er leidet nämlich an Höhenangst. „Die überfällt mich immer, wenn ich oben auf der Schanze sitze und runterschaue, wo ich hinspringen werde“, erzählt er. Er fixiert dann nach eigenen Aussagen immer einen Punkt in der Ferne und fliegt einfach los.

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