Sie sind hier:

Fußball nicht immun gegen Coronavirus

Kommentar zur Bundesliga

Die Deutsche Fußball-Liga hat kurz vor Beginn des 26. Spieltages die Reißleine gezogen und den Spieltag komplett abgesagt, nachdem es zuvor heftige Kritik am Festhalten der DFL am "Geisterspieltag" gegeben hatte. Last-Minute hat die Vernunft doch noch gegen den Kommerz gesiegt. Ein Kommentar zum Vorgehen der DFL von Oliver Schmidt.

Abgesperrtes Stadion
Abgesperrtes Stadion
Quelle: dpa
Oliver Schmidt
ZDF-Fußball-Reporter Oliver Schmidt
Quelle: ZDF

Ohrenbetäubende Stille. Grauer Beton statt gelber Wand. Ein fan- und freudloser Spieltag. Das alles bleibt uns erspart. Und das ist gut so. Vier Stunden vor Anpfiff des 26. Bundesliga-Spieltags hatte die Deutsche Fußball-Liga (DFL) endlich ein Einsehen: Auch der deutsche Profi-Fußball kann sich nicht weiterhin irgendwie durch die Corona-Krise wurschteln.

Einzelne Klubs, der ein oder andere Funktionär, Spieler wie Bayerns Thiago oder Unions Rafa Gikiewicz und viele Fankurven und -organisationen, zuletzt die Buhfrauen und -männer der Bundesliga, haben die gesundheitspolitische und symbolische Tragweite einer Aussetzung des Profi-Zirkus früher erkannt als die Führungskräfte der DFL. Der deutsche Fußball ist nicht immun gegen das Corona-Virus.

Die Vernunft hat gesiegt

Last-Minute hat die Vernunft doch noch gegen den Kommerz gewonnen. Während weltweit Veranstaltungen abgesagt wurden, die großen europäischen Ligen wie Domino-Steine fielen, hat es der deutsche Profifußball verpasst, früher ein großes, gesellschaftliches Signal der Solidarität auszusenden. Nicht mehr zu spielen, alternativlos.

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat heute eingestanden, dass dieser 26. Spieltag angepfiffen werden sollte, weil eine hohe Zahlung der TV-Rechteinhaber an die Vereine noch ausstehe. Ein Eingeständnis wie eine Bankrotterklärung, einerseits. Andererseits war er wenigstens ehrlich.

Solidarität ist gefragt

Deutsche Profiklubs sind wichtige Arbeitgeber, direkt wie indirekt, bilden einen ausgeprägten Wirtschaftszweig. Viele Klubs der 2. Liga, sicher auch einige Erstligavereine, werden vor großen finanziellen Herausforderungen stehen. Doch DFL und Vorzeigevereine wie etwa Bayern oder Dortmund, von Europapokal-Einnahmen gesegnet, stehen in der Pflicht, Lizenzierungsverfahren anzupassen, sich liga-übergreifend unter die Arme zu greifen. Auch das wäre in diesen schwierigen Zeiten ein Signal der Solidarität.

Fußball soll verbinden. Spieltage sollen Feiertage sein. Große Spiele sind ohne Zuschauer keine großen Spiele. Das haben uns die Bundesliga- und Europapokalduelle in dieser Woche nicht zum ersten Mal offenbart. Insbesondere dieser Sport bietet permanenten Gesprächsstoff, gibt Halt und Heimat. Wenn aber die Gesundheit von Menschen auf dem Spiel steht, haben die Stadiontüren zuzubleiben, muss der Profi-Fußball innehalten.

Wie geht es weiter?

Wie und wann und ob es überhaupt mit der Bundesliga, dem Europapokal, den Länderspielen und der Europameisterschaft weitergehen wird? Auf diese Frage gibt es aktuell keine seriöse Antwort. Die nationalen Verbände, die Chefs der Ligen, UEFA und FIFA müssen Lösungen finden. Lösungen unter dem Gebot der Solidarität, in jeglicher Hinsicht.

Innenansicht leeres Stadion Eintracht Frankfurt

Sport -
DFL unterbricht Saison sofort
 

Die DFL hat sich nun doch entschlossen, die Fußball-Bundesligen sofort zu unterbrechen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.