Sie sind hier:

Löws Leitplanken

Sport - Löws Leitplanken

Die Nationalmannschaft ist vor dem Länderspiel gegen England (Samstag live im ZDF) um Normalität bemüht. Neben der Sicherheitsfrage drückt auch die erneute Schweinsteiger-Verletzung auf die Stimmung.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 23.03.2017, 19:36

Einige Unwägbarkeiten und eine gewisse Unwucht kennzeichnen den Kader von Joachim Löw vor dem Freundschaftsspiel gegen England in Berlin (Samstag ab 20.15 Uhr/live ZDF). Doch der Bundestrainer verfolgt seinen Weg unbeirrt.

Warum eigentlich immer nur Schwarz-Weiß Töne? Bei seinem Outfit hat sich Bundestrainer Joachim Löw dieser Tage in Berlin mal zu einer modischen Neuerung hinreißen lassen: Auf dem Trainingsplatz im Amateurstadion von Hertha BSC trug der Bundestrainer eine knallgrüne Trainingsjacke, bei der Pressekonferenz in einer Mercedes-Benz-Niederlassung der Hauptstadt ein neongrünes Shirt.

Ein farbenfrohes Outfit könnte das richtige Signal in diesen düsteren Tagen sein, in denen die Schreckensnachrichten aus Brüssel allseits Beklemmung auslösen. Doch selten ist Löw darüber so entschlossen hinweggegangen wie im Rahmen seines öffentlichen Auftritts beim Medienworkshop am Berliner Salzufer. „Die Ereignisse sind schrecklich, machen nachdenklich, und uns kommen die Bilder aus Paris wieder ins Gedächtnis.“ Aber: „Wir lassen uns davon nicht beeindrucken.“

Gegner bewusst gewählt

Der 56-Jährige möchte den sportlichen Fokus beim ersten Treff der Nationalmannschaft im EM-Jahr bei den seit langem vereinbarten Testspielen gegen England (Samstag - Anstoß: 20:45 Uhr/ab 20:15 Uhr live ZDF) und drei Tage später gegen Italien nicht wieder durch äußere Einflüsse verlieren – im vergangenen November war das Freundschaftsspiel gegen Frankreich im Stade de France wegen der Terroranschläge zum Muster ohne Wert verkommen, die Partie gegen die Niederlande in Hannover wurde wegen Terrorgefahr ganz abgesagt.

Nun habe man die Spielorte Berlin und München, die Gegner England und Italien ganz „bewusst“ ausgewählt, wie Teammanager Oliver Bierhoff verdeutlichte. Es braucht einen großen Rahmen und namhafte Gegner, um den Nationalspielern auch in einem Freundschaftsspiel Beine zu machen. Löw führte zudem den Konkurrenzkampf an, der jetzt herrsche.

Der Problemfall Schweinsteiger

Trotzdem kann der Bundestrainer nicht leugnen, dass seinen Kader noch einige Unwägbarkeiten und eine gewisse Unwucht kennzeichnen. Bestes Beispiel: der verletzungsbedingte Ausfall von Bastian Schweinsteiger, der den Doppelpack wegen einer erneuten Innenbandverletzung versäumt. Der  31-Jährige steht exemplarisch für ein Problem, das die EM prägen könnte: Löw kann seinen Kapitän  nicht komplett fallen lassen, aber auch nicht  das gesamte Turnier auf ihn setzen.

Mutmaßlich läuft es auf Teilzeiteinsätze hinaus, aber ob der Profi von Manchester United  wirklich noch einmal zum echten Anführer taugt, erscheint zweifelhaft. Immerhin: Im zentralen Mittelfeld sind mit Ilkay Gündogan, Sami Khedira und Toni Kroos genügend Alternativen vorhanden. Auch das offensive Mittelfeld gibt mit Mesut Özil, Thomas Müller oder Marco Reus viel Qualität her. Doch es bleiben Baustellen an zentraler Stelle.

Viel Lob für Götze

Da ist zum einen die Position des Stürmers im von Löw bevorzugten 4-2-3-1-System. Zwar zählt Mario Gomez (Besiktas Istanbul) einerseits zu den 25 Akteuren des bewusst großen Aufgebots, andererseits war Löw noch nie voll umfänglich überzeugt von diesem Angreifer.

Jonathan Tah
Jonathan Tah Quelle: imago

Anders als bei Mario Götze, dem der DFB-Coach ungeachtet dessen Reservistendaseins beim FC Bayern förmlich den roten Teppich ausrollte. „Ich werde auf jeden Fall bei der EM auf ihn zählen. Es lohnt sich immer, Mario zu unterstützen. Denn er kann Dinge, die andere nicht können.“

Tah bekommt seine Chance

Löws Leitplanken stehen fest: Götze gehört zu denjenigen, die eine besonderes Leistung abrufen können, wenn er ihnen etwas flüstert – so wie bei der Einwechslung im WM-Finale 2014. Auf anderen Position müssen sich Lösungen erst noch herausbilden. Eingedenk der Verletzungen von Jerome Boateng und Benedikt Höwedes wird interessant sein, wie sich der um Marcus Sorg erweiterte Trainerstab bei der Besetzung der Innenverteidiger entscheidet.

Mats Hummels wird gegen England wohl gesetzt sein, an seiner Seite könnte Antonio Rüdiger zum Einsatz kommen, der bei AS Rom viel dazu gelernt habe, wie Löw erklärte. Und er hält große Stücke auf Neuling Jonathan Tah, „den ich in einem Spiel von Anfang an sehen möchte.“ Voraussichtlich in der zweiten Partie gegen Italien. Beim ersten Gegner England sieht der Bundestrainer übrigens Parallelen zu seiner Mannschaft vor der WM 2010, „sie sind im Wandel wie wir damals.“

Vorläufiger Kader am 17. Mai

Nichtsdestotrotz war aus dem Unterton klar herauszuhören, dass die deutsche Elf längst ein gutes Stück weiter ist – sonst wäre sie vier Jahre später nicht Weltmeister geworden. Doch derlei Meriten zählen bekanntlich nicht mehr; Löw will die nächsten Wochen genau darauf achten, „wie die Form und der Zustand der Spieler ist.“ Noch hat er nicht entschieden, ob er mit der Benennung eines vorläufigen Kaders am 17. Mai ein vergrößertes Aufgebot beruft.

Fest steht: Am 31. Mai muss die Liste mit den 23 Auserkorenen bei der UEFA eingereicht werden. Bis dahin sind es nur noch rund zwei Monate. Bierhoff: „Daher ist wichtig, jetzt den Countdown einzuleiten, nachdem wir aus Paris und Hannover mit einem unguten Gefühl auseinandergegangen sind.“ Auch wenn das rein gar nichts mit Fußball zu tun hatte.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet