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Vom Underdog zum Mitfavoriten

Goalballer Mannschaft des Jahres bei Para-Sportler-Wahl 2019

von Susanne Rohlfing

Nur mit viel Glück waren die deutschen Goalballer 2016 bei den Paralympics in Rio dabei. Inzwischen sind sie Vize-Weltmeister, Europameister und nun auch Deutschlands Para-Sport-Team des Jahres 2019. Für Tokio sind sie ein klarer Medaillenkandidat.

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23.11.2019
23.11.2019

Reno Tiede hatte einen Plan. Da den deutschen Goalballern die Qualifikation für die Paralympics 2016 in Rio nur sehr knapp und mit ganz viel Glück gelungen war, wollte der Nationalspieler aus Rostock es seinem Team für 2020 leichter machen. Er dachte sich, dass eine EM im eigenen Land ja wohl für den nötigen Kick sorgen würde, um das Tokio-Ticket zu sichern. Also holte der Mann, der seit seiner Jugend, seit seine Sehkraft immer mehr schwand, vom Goalball begeistert ist und der 2014 schon die Goalball-Bundesliga initiiert hat, die EM 2019 in seine Heimatstadt.

Doch dann passierten zwei Dinge, mit denen Tiede nicht gerechnet hatte: Die deutschen Goalballer legten nach den Paralympics 2016 einen derart rasanten Aufstieg in die Weltspitze hin, dass sie bei der WM 2018 Zweite wurden und sich so schon vorzeitig für Tokio qualifizierten. Den Heimvorteil bei der EM in Rostock nutzen sie dann in diesem Jahr dennoch - und wurden Europameister. Die deutsche Goalball-Nationalmannschaft spielte somit sehr viel erfolgreicher, als es der Plan ihres langjährigen Teammitgliedes Thiede vorgesehen hatte. Folgerichtig wurden der 29-Jährige und seine Kollegen am Samstagabend vom Deutschen Behindertensportbund (DBS) zur Parasport-Mannschaft des Jahres gekürt.

Mehr und mehr bekommt der Para Sport auch in den Jahren zwischen den Paralympischen Spielen die Aufmerksamkeit, die ihm zusteht – endlich
Friedhelm Julius Beucher

Die Auszeichnungen für die besten Teams sowie Einzel- und Nachwuchssportler wurden in der Düsseldorfer Rheinterrasse bei einer Gala mit 400 geladenen Gästen vergeben. „Mehr und mehr bekommt der Para Sport auch in den Jahren zwischen den Paralympischen Spielen die Aufmerksamkeit, die ihm zusteht – endlich“, sagte DBs-Präsident Friedhelm Julius Beucher in Düsseldorf. „Ein Millionenpublikum verfolgte jeweils die TV-Beiträge zu den Weltmeisterschaften im Para Ski alpin, Para Ski nordisch, Para Radsport, Para Schwimmen und Para Leichtathletik, ebenso zur Goalball-EM in Rostock und zur Para Eishockey B-WM in Berlin. Das ist eine erfreuliche Wertschätzung.“

Von der No-Name-Truppe zum Favorit

Goalball ist ein Mannschaftsport für Blinde und Sehbehinderte. Ein 1250 Gramm schwerer Hartgummiball mit Glöckchen im Innern muss flach über den Boden ins gegnerische Tor geworfen werden. Die Mannschaften bestehen aus jeweils drei Spielern, diese tragen lichtundurchlässige Brillen, es können also Blinde und Sehende gemeinsam spielen. Das Spielfeld ist neun Meter breit und 18 Meter lang, die Tore gehen über die volle Spielfeldbreite und sind 1,30 Meter hoch. Die Spieler sind Angreifer und Verteidiger zugleich, ein Spiel dauert zwei Mal zwölf Minuten.

"2010 waren wir noch eine komplette Noname-Truppe", erzählt Tiede, der in Mecklenburg-Vorpommern Referent für Leistungssport beim Landessportbund ist. "Wir waren zwar sportlich ambitioniert, aber die Ergebnisse haben das nicht widergespiegelt." Als dem Team damals dann dank günstiger Konstellationen in den Qualifikationsgruppen noch unverhofft ein Ticket für Rio in den Schoß fiel, war die Freude groß. "Aber mit den Medaillenentscheidungen hatte unser Team in Brasilien nichts zu tun", sagt DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher. Danach allerdings seien kontinuierliche Anstrengungen unternommen worden, etwa mit der Teilnahme an vielen Vergleichswettkämpfen, um in die Weltspitze vorzustoßen. Mit Blick auf Tokio sagt Beucher nun: "Wer Europameister und Vizeweltmeister ist, der muss mit der Favoritenrolle klar kommen."

Reno Tiede sieht das ähnlich. "Natürlich muss unser Ziel jetzt sein, in Tokio eine Medaille zu gewinnen", sagt er. "Und wir träumen vom Finale." Das "ganze Spektakel Paralympics, mit 12.000 Zuschauern" habe der Mannschaft in Rio einen enormen Kick gegeben. "Die Mannschaft ist unfassbar gereift", erklärt Thiede. Bei der WM 2017 sei es noch darum gegangen, bloß nicht aus der Ersten Liga abzusteigen. "Dabei haben wir uns in einen Rausch gespielt", sagt Thiede. "Und plötzlich standen wir im Finale." Das deutsche Team wurde Zweiter - es war der Beginn des Aufstiegs in die Weltspitze, der im kommenden Sommer in Tokio möglichst bis auf den Gipfel des paralympischen Sports führen soll.

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