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TBV Lemgo: Das Ziel heißt Schadensbegrenzung

Sport - TBV Lemgo: Das Ziel heißt Schadensbegrenzung

Die deutschen Handball-Männer haben Polen im Spiel um Platz 3 mit 31:25 besiegt. Deutschland hatte zwar Startschwierigkeiten, zeigte im Verlauf des Spiels jedoch seine Klasse.

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.12.2016, 23:59

Die Zeiten, in denen der TBV Lemgo als "TBV Deutschland" Furore machte, scheinen eine Ewigkeit zurückzuliegen. Für die Ostwestfalen, die am Sonntag beim THW Kiel antreten (SPORTreportage, 17.10 Uhr), geht es in dieser Saison allein um den Klassenerhalt.

Sie waren das Herz der deutschen Abwehr bei den Olympischen Spielen. Und natürlich wurde mancher Fan des TBV Lemgo mit dem Blick auf das Duo Hendrik Pekeler und Finn Lemke, das sich da im Trikot des Deutschen Handballbundes in Rio zu einer Bronzemedaille kämpfte, sentimental. Diese Abwehrmauer (Pekeler ist 2,03 Meter groß, Lemke 2,10 Meter) hatte sich zwischen 2012 und 2015 im Mittelblock des TBV Lemgo eingespielt.

Weg aus Lemgo

Aber das ist vorbei. Inzwischen spielt Pekeler bei den Rhein-Neckar Löwen und Lemke in Magdeburg. Genauso vorbei sind jene Zeiten, als die Ostwestfalen unter dem Rubrum "TBV Deutschland" im Welthandball Furore machten. Als sie mit Markus Baur, Daniel Stephan, Christian Schwarzer, Volker Zerbe, Christian Ramota und Florian Kehrmann den Kern der Generation stellten, die zwischen 2002 und 2004 vier Mal in Folge das Endspiel großer Turniere erreichte, zuletzt das Finale des olympischen Turniers in Athen 2004.

Von der Meistermannschaft der Saison 2002/03 sind nur noch Torwart Jörg Zereike und Kehrmann dabei. Zereike ist einer der Geschäftsführer des TBV, Kehrmann coacht das Team seit Dezember 2014. Und die Tatsache, dass Kehrmann seither die Ostwestfalen zwei Mal vor dem Abstieg retten musste, erzählt die Geschichte des sportlichen Absturzes der Traditionsmannschaft, die seit 1983 in der Bundesliga spielt.

Chancenlos?

Wenn der TBV am Sonntag zum Rekordmeister nach Kiel reist, gilt der Klub als chancenlos - obwohl der THW Kiel sich in diesem Sommer stark verjüngt hat und am Dienstag überraschend bei der HSG Wetzlar verlor. Für den Meister der Jahre 1997 und 2003 geht es dennoch nur darum, sich vor den 10.250 Fans in der Sparkassenarena nicht abschlachten zu lassen. Das Stichwort heißt: Schadensbegrenzung.

Nicht wenige Fans betrachteten die Personalie des Filip Jicha als entscheidende Zäsur für den sportlichen Niedergang des TBV. Der tschechische Rückraumstar wechselte im Sommer 2007 aus Lemgo zum frischgebackenen Champions League-Sieger nach Kiel, die Ablösesumme betrag damals rund 400.000 Euro. Aber die Wahrheit ist wohl etwas komplizierter.

Teure Stars

In der Realität konnte Lemgo bei dem Kommerzialisierungsschub, den der WM-Titel 2007 auslöste, nicht mithalten. Die Idee, den Nahrungsmittelhersteller Heristo die Mehrheit des Klubs übernehmen und Stars wie Holger Glandorf oder Michael Kraus zu absurden Preisen verpflichten zu lassen, scheiterte krachend. Am Ende stand der Klub vor der Insolvenz und musste ganz kleine Brötchen backen.

Aus dieser Not machten die Klubverantwortlichen um Geschäftsführer Christian Sprdlik eine Tugend. Sie setzten auf die Jugend. Auf diese Weise entwickelte der damalige Coach Niels Pfannenschmidt das Duo Pekeler/Lemke.

Nur ein großes Talent

Aber dieses Geschäftsmodell ist heute, da auch andere Klubs junge deutsche Talente jagen, nicht mehr möglich. Das einzige große deutsche Talent beim TBV Lemgo ist derzeit Tim Suton. Der 20jährige Mittelmann, der schon in der Serie 2014/15 in der Lipperlandhalle spielte, kam vom Absteiger TuS Lübbecke.

So setzt der Klub auf ausländische Profis: auf den 2,07 Meter großen russischen Halblinken Azat Valiullin, der aus Eisenach kam. Oder auf den Rumänen Ionut Ramba und den Schweden Jonathan Stenbäcken.

"Ich möchte jede Saison besser werden", hat Trainer Kehrmann am Ende der letzten Serie gesagt. "Wenn man, wie ich, in Lemgo schon mal um die Europapokale mitgespielt hat, gibt es natürlich auch die Vision, die Mannschaft wieder in die Regionen nahe eines Europacup-Platzes zu führen." Aber in dieser Saison geht es, das wissen auch die Fans, nur gegen den Abstieg.

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