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Stefan Kuntz und die neue Lust am Trainer-Dasein

Sport - Stefan Kuntz und die neue Lust am Trainer-Dasein

Nach 120 Minuten beim Stand von 1:1 ging es ins Elfmeterschießen. Dort hatte Brasilien das bessere Ende für sich. Alle Tore in der Zusammenfassung.

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.12.2016, 23:59

Der zweite Anlauf von Stefan Kuntz als Fußballtrainer findet an exponierter Stelle im U21-Nationalteam statt. Viele hat die Berufung des 53-Jährigen überrascht. DFB-Sportdirektor Hansi Flick hatte Gründe für seine Wahl. Nach dem Erfolg des Nachwuchsteams bei Olympia muss Ex-Stürmer Kuntz im Test heute, 18.15 Uhr, gegen die Slowakei und vier Tage später in Finnland schon erste Ergebnisse liefern.

Ein paar Dinge aus dem Leben von Stefan Kuntz sind in Vergessenheit geraten. Nicht nur, dass er die "Kuntz-Säge" als Torjubel-Variante erfand, 1999 den Bundespräsidenten wählte; die meisten hatten verdrängt, dass sich Kuntz einst bei Borussia Neunkirchen im Saarland, dem Karlsruher SC, Waldhof Mannheim und dem LR Ahlen bis November 2003 als Trainer versuchte. Durchschlagender Erfolg, sagte Kuntz einmal selbstkritisch, sähe anders aus.

Mehr als nur Manager

Trainer zu sein, schien nicht seine Erfüllung. Kuntz wurde lieber Manager in Koblenz, Bochum und schließlich bei dem Verein, für den er die meisten Bundesligaspiele machte und seine größten Erfolge feierte: dem 1. FC Kaiserslautern. Meister, Pokalsieger und Fußballer des Jahres. 1984/85 und 1993/94 glänzte er als Torschützenkönig. Beim FCK war Kuntz sogar mehr als nur Manager. Er war der FCK, der am Boden lag und bei Fans und Geschäftspartnern viel Kredit verspielt hatte.

Kuntz hat sich in der Pfalz aber nicht nur Freunde gemacht. Er verhinderte den drohenden Abstieg in die dritte Liga, verpasste dafür die Rückkehr in Bundesliga. Man warf ihm vor, undurchsichtiger Alleinherrscher zu sein und trennte sich nach acht Jahren mit ihm an der Spitze. Ob Kuntz nun beim FCK gescheitert ist oder dem Klub die Wiedereingliederung in die Fußballgesellschaft ermöglichte, wird unterschiedlich betrachtet. Auf alle Fälle war mit ihm Schluss mit brisanten Interna, die vorher kursierten wie Promi-Klatsch in bunten Magazinen.

Ein Jahr zur Probe?

EM 1996: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft feiert den Titel in London
Stefan Kuntz (2.v.li) mit der Europameister-Mannschaft 1996 Quelle: ap

Auch der Trainer Kuntz muss einige Vorbehalte Beiseite räumen, wenn er den deutschen Nachwuchs zur EM 2017 in Russland führen will. Mancher wird sogar sagen, da arbeitet einer zur Probe, und auf den Einjahresvertrag verweisen, den ihm der DFB vorerst gab.
Kuntz steht für ein gutes Netzwerk in Liga-Verband und Liga und für Erfolge und Erfahrung im Profifußball. Er habe sich seit einiger Zeit mit der Rückkehr auf die Trainerbank beschäftigt, sagte der 25-fache Nationalspieler.

Am Rande der EM in Frankreich machte DFB-Sportdirektor Hansi Flick die Sache dingfest. Vor allem Flick wollte einen erfahrenen Mann (449 Bundesligaspiele) als Nachfolger des erfahrenen Horst Hrubesch. Dass Kuntz zusammen mit Nationalteam-Manager Oliver Bierhoff 1996 Europameister wurde hat sicher nicht geschadet als es um Hrubeschs Nachfolge ging.

Ungeduldig und temperamentvoll

Dass seine Berufung bei vielen Erstaunen auslöste, kann Kuntz vorerst egal sein. Wer die TV-Bilder sah, die ihn bei der Begrüßung und beim näheren Kennenlernen seiner neuen Spieler zeigte, muss den Eindruck gewinnen, bei Kuntz ist neue Lust am Trainerdasein gewachsen. Der Mann, der als ungeduldig und temperamentvoll beschrieben wird, ist ein Motivator, der charismatisch daher kommt und eine Spur kommunikativer wirkt als sein Vorgänger, der väterlich knorrige Hrubesch.

    Stefan Kuntz

    ... geboren am 30.10.1962 in Neunkirchen/Saarland

    • 25 A-Länderspiele, Europameister 1996, WM-Teilnehmer 1994
    • Deutscher Meister 1991 (mit Kaiserslautern), Fußballer des Jahres 1991
    • Stationen als Spieler: 1969 - 1983: Borussia Neunkirchen, 1983 - 1986: VfL Bochum, 1986 - 1989: Bayer Uerdingen, 1989 - 1995: 1. FC Kaiserslautern, 1995/96: Besiktas Istanbul, 1996 - 1998: Arminia Bielefeld, 1998/99: VfL Bochum
    • Stationen als Trainer: 1999 - 2000: Borussia Neunkirchen, 2000 - 2002: Karlsruher SC, 2003: SV Waldhof Mannheim, 2003: LR Ahlen, seit Ende August: DFB - U21
    • Stationen als Manager: 2005 - 2006: TuS Koblenz, 2006 - 2008: VfL Bochum, 2008 - April 2016: 1. FC Kaiserslautern (Vorstandsvorsitzender)

    Bildquelle: imago

Nun muss Kuntz Ergebnisse liefern. Dass der Stellenwert der U-21 heute ein anderer ist als zu seiner aktiven Zeit, hat der Saarländer Kuntz längst mitbekommen. Früher, sagt er, "waren da Talente", die es zu entwickeln galt, heute hat es Kuntz "mit gestandenen Bundesligaprofis" zu tun. Die so, der spöttelnde Kommentar auf DFB-TV, müssten zwar erst googeln, um alles über Kuntz als Kicker zu erfahren, weil die meisten zu dessen Glanzzeiten noch nicht geboren waren, aber es herrsche eine gute Stimmung vor dem Auftaktspiel des Neuen. "Ich würde den Spielern schon gerne das Gefühl ermöglichen, wie es ist, einen Titel zu gewinnen", sagte der Trainer Kuntz.

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