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Super League - in Amerika längst Big Business

Eine elitäre Liga mit begrenztem Zugang und bislang kaum vorstellbaren Einnahmen - was sich in Europa einige Fußball-Topklubs ausgedacht haben, ist in den USA längst ein Erfolgsmodell. Vor allem in der NFL - der reichsten Liga der Welt.

NFL Super Bowl 2018
Die NFL ist das Paradebeispiel für eine “money making machine”
Quelle: dpa

Europa ist der Schmelztiegel der Fußballstars mit den ganz großen Namen. Wenn es jedoch um Football, Basketball, Baseball oder Eishockey geht, sind die Besten der Welt in Amerikas Arenen zu Hause. Und hier sind Ligen, wie die auf dem alten Kontinent angedachte Super League im Fußball, schon seit Jahrzehnten Business as usual. Mehr noch: Sie sind Big Business. 

Millionäre und Milliardäre unter sich

Die Eigner suchen sich selbst aus, wen sie hineinbitten.
David Lapchick

Denn die Big Four, National Football League (NFL), Major League Baseball (MLB), National Basketball Association (NBA) und die National Hockey League (NHL) sind eben solche illustren und geschlossenen Wettbewerbe, wie sie einige europäische Fußballklubs anstreben. Millionäre und Milliardäre unter sich, ein elitärer Zirkel, Abstieg gibt es nicht. Und der Zugang ist streng limitiert. Nur wer mit reichlich Geld wedelt, wird eventuell aufgenommen. “Die Eigner suchen sich selbst aus, wen sie hineinbitten”, sagt David Lapchick, Gründer und Direktor des Instituts für Vielfalt und Ethik im Sport. 

Das jüngste Beispiel sind die Vegas Golden Knights, die 2017 ihren Spielbetrieb in der NHL aufnahmen. Eine von Milliardär Bill Foley angeführte Investorengruppe hatte zuvor eine so genannte Expansions-Gebühr von 500 Millionen Dollar gezahlt. Es mag komisch klingen, ausgerechnet in der Wüste von Nevada einen Eishockey-Klub anzusiedeln. Doch die finanziellen Verlockungen in der Glücksspiel-Metropole waren für die anderen NHL-Teameigner einfach zu lukrativ, um das Angebot abzulehnen. Der Sportmarkt Las Vegas wächst weiter. Ab 2020 werden dort auch die Oakland Raiders aus der NFL beheimatet sein. 

Green Bay Packers - ein Verein des Volkes 

In den vier großen Ligen gibt es insgesamt 123 sogenannte Franchises. Sie gehören vor allem erfolgreichen Unternehmern. Einzige Ausnahme sind die Green Bay Packers. Das NFL-Team ist im Besitz des Volkes, genauer gesagt von 361169 Anteilseignern. Sie alle teilen sich die derzeitigen 5.009.562 Aktien, die die 100 Jahre alte Franchise im Laufe seiner Existenz fünfmal ausgegeben hat - unter anderem, um einen Bankrott abzuwenden oder Stadionrenovierungen zu finanzieren.

Die NFL ist das Paradebeispiel für eine “money making machine”, wie sie es in den USA nennen - eine Gelddruck-Maschine. Obwohl die Saison nur von Anfang September bis zum Super Bowl am ersten Februar-Sonntag dauert, wurden in der vergangenen Saison 13,2 Milliarden Dollar eingenommen. Somit ist die NFL die reichste Liga der Welt. Allein die TV-Verträge brachten 7,5 Milliarden Dollar ein.  

Fans zahlen pro Spiel mehrfach an die Besitzer

Hinzu kommen Millionen-Deals mit ligaweiten Sponsoren, sowie Einnahmen durch Lizenzen und den Verkauf von Merchandise-Produkten. Zusammengerechnet hatte dadurch jeder der 32 NFL-Vereine in der vergangenen Saison bereits 255 Millionen Dollar auf dem Konto, ohne auch nur eine Eintrittskarte, einen Hot Dog oder ein Bier verkauft zu haben. Viele Eigner besitzen nicht nur die Franchise, sondern auch das Stadion, die Lizenzen der Verkaufsstände für Essen und Trinken, die Parkplätze, diverse Läden auf dem Klubgelände und die Trainingsstätten. Der Fan zahlt also beim Besuch eines NFL-Spiels gleich mehrmals an den Besitzer. 

Die jährlich vom Wirtschaftsmagazin "Forbes" publizierte Liste der weltweit 50 wertvollsten Vereine wird 2018 von den Dallas Cowboys (4,8 Mrd. Dollar) angeführt. Von den NFL-Teams sind bis auf die Buffalo Bills, Cincinnati Bengals und Detroit Lions alle auf dieser Liste vertreten. Bayern München ist einer von sieben Fußball-Vereinen und wird auf Platz zwölf geführt (3,063 Mrd. Dollar). 

Der durchschnittliche Wert eines NFL-Teams beträgt 2,5 Mrd. Dollar. Schlusslicht sind die Buffalo Bills mit immerhin noch 1,6 Mrd. Dollar. Trotz dieser enormen Summen ist der Besitz einer Franchise äußerst lukrativ. Denn eine Gewinnsteigerung ist garantiert. Shad Khan kaufte 2012 die Jacksonville Jaguars für 700 Millionen Dollar. Obwohl der Verein aus Nord-Florida seitdem nur 32 seiner 104 Spiele gewann, ist er heute 2,075 Mrd. Dollar wert, was einer Steigerung von 169,5 Prozent entspricht. Ziel der NFL ist es laut Commissioner Roger Goodell, die jährlichen Einnahmen bis 2027 auf auf 25 Mrd. Dollar zu steigern. Die Liga scheint auf einem guten Weg dahin zu sein. 

American Football - die Sportart Nummer 1

Denn American Football ist mit Abstand die beliebteste Sportart in den USA. Und obwohl die TV-Einschaltquoten in der vergangenen Saison durch die Proteste einiger Profis beim Abspielen der Nationalhymne um acht Prozent zurückgingen, befanden sich unter den 50 meist gesehenen Fernseh-Übertragungen 37 NFL-Spiele. Spitzenreiter war - einmal mehr - der Super Bowl mit durchschnittlich 117,5 Millionen Zuschauern. 

Diese Beliebtheit nutzen die Eigner gerne als Druckmittel aus. Wenn das Stadion in die Jahre kommt, drohen sie schon mal der jeweiligen Stadt mit einem Umzug, sollte sie sich nicht an den Kosten eines Neubaus beteiligen. So wurden aus den St. Louis Rams 2016 die Los Angeles Rams und aus den San Diego Chargers im Vorjahr die Los Angeles Chargers. Seit 1997 gab es 21 Stadion-Neubauten und drei umfangreiche Renovierungen. Kosten für die Steuerzahler: 6,7 Mrd. Dollar. Im US-Bundesstaat Georgia beispielsweise werden die Einwohner für 700 Mio. Dollar des 1,6 Mrd. Dollar teuren Mercedes Benz Stadium aufkommen. Der neue Football-Tempel steht am 3. Februar 2019 im weltweiten Mittelpunkt. Dann wird dort der 53. Super Bowl ausgetragen.

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