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Angelique Kerber: Neustart nach dem Seuchenjahr

Australian Open in Melbourne

Nach ihrem furiosen Lauf 2016 folgte für Angelique Kerber im vergangenen Jahr der Absturz. Nun stellt die fast 30-Jährige alles auf Anfang. Mit neuem Trainer und neuer Lust auf Tennis will sie bei den Australian Open neu durchstarten.

Angelique Kerber beim Training in Melbourne
Angelique Kerber beim Training in Melbourne
Quelle: dpa

Am Ende flossen die Tränen bei Angelique Kerber, wie so oft im vergangenen Jahr. Es war Ende Oktober, als Kerber im chinesischen Zhuhai vom Platz schlich. Sie hatte gegen die junge Australierin Ashley Barty auch ihre zweite Partie bei der inoffiziellen B-WM im Frauentennis glatt verloren. Es war ihre 25. Niederlage 2017 und das letzte Match dieser so verkorksten Saison. "Endlich ist es vorbei", schluchzte Kerber.

Nur noch weg

Sie wollte nur noch weg, nach Hause, alles hinter sich lassen. Was für ein Kontrast war das nach der wunderbaren Saison 2016, als Kerber die Australian und die US Open gewann, sich die olympische Silbermedaille holte, es in insgesamt acht Endspiele schaffte und so als erste Deutsche nach Steffi Graf die Nummer eins der Welt wurde.

Ein Jahr später hatte sich dieser Traum-Lauf in einen Albtraum verwandelt: Kerber beendete die vergangene Saison ohne Titel und auf Platz 22 der Weltrangliste.

Mit Fissette auf dem Weg zu alter Stärke

Fünf Wochen lang fasste Kerber keinen Tennisschläger an. "Ich brauchte einfach diese Auszeit", erzählte sie nun, "ich wollte erst wieder anfangen, wenn ich mental und körperlich wirklich bereit war, wieder richtig anzugreifen."

Die in wenigen Tagen 30 Jahre alte Norddeutsche verbrachte viel Zeit mit der Familie und Freunden, ging in sich. Dann entschied sie, die Reset-Taste zu drücken. Kerber trennte sich schweren Herzens von ihrem Trainer Torben Beltz, der sie seit ihrer Jugend begleitete, und verpflichtete den Belgier Wim Fissette.

Schnelle Entscheidung

"Ich brauchte nicht lange zu überlegen, als der Anruf kam", erklärte Fissette, "für mich ist das eine Herausforderung, ich will unbedingt einen Grand-Slam-Titel gewinnen."

Mit Sabine Lisicki war der Belgier 2013 nur knapp daran gescheitert, als Lisicki im Wimbledonfinale Marion Bartoli unterlag. Fissette arbeitete unter anderem mit den Topspielerinnen Johanna Konta, Simona Halep und auch Viktoria Azarenka vor deren Babypause.

Absturz-Analyse

"Aber bevor ich Angie zusagte, mussten wir noch klären, was 2017 eigentlich mit ihr passiert ist", sagte Fissette. Sie setzten sich zusammen, analysierten, wie es zu Kerbers Absturz gekommen war. "Für mich klang dabei heraus, dass Angie im letzten Jahr mental nicht bereit und in der Lage war, noch härter zu arbeiten, um sich aus der Krise herauszukämpfen."

Kerber tendiert dazu, schnell negativ zu sich selbst zu werden, sobald es nicht läuft. Umso schwerer fällt es ihr dann, sich aus einem Tief zu befreien. Doch in der vierwöchigen Saisonvorbereitung im Winter redeten beide viel miteinander und Kerber vertrieb ihre bösen Dämonen von 2017.

Fitness verbessert

"Angie hat in der Vorbereitung jeden Tag hart gearbeitet, aber immer mit einem Lächeln auf den Lippen", sagte Fissette. Kerber verbesserte wieder ihre Fitness, die der Grundstein für ihr defensiv-starkes Spiel ist, und die ihr zu den beiden Grand-Slam-Titeln verhalf.

Fissettes Plan ist, "Angies Spiel weniger ausrechenbar zu machen. Denn jeder weiß inzwischen, wie sie spielt". Sie soll mutiger in die Offensive gehen, und sich nicht nur auf ihre Verteidigungsqualitäten verlassen. Auch an Kerbers Aufschlag, ihre langjährige Achillesferse, hat Fissette mit ihr gearbeitet.

Turniersieg in Sydney, Mitfavoritin in Melbourne

Und der Erfolg stellte sich bereits schneller als erwartet ein. Beim Hopman Cup in Perth, der inoffiziellen Mixed-WM, blieb Kerber in ihren vier Einzelpartien ungeschlagen und holte sich danach auch noch den Titel beim WTA-Turnier in Sydney. Im Endspiel stand ihr erneut Ashley Barty gegenüber - diesmal gewann sie souverän mit 6:4 und 6:4.

Das Strahlen bei Kerber ist zurück. "Es war so schön, endlich wieder eine Trophäe im Arm zu halten", freute sie sich, "ich bin erleichtert, dass das Jahr so gut begonnen hat. Ich wusste ja nicht, was mich erwartet nach der letzten Saison."

Mitfavoritin

In Melbourne zählt sie nun plötzlich wieder zu den Titelfavoritinnen, obwohl ihr das selbst viel zu schnell geht. Sie will sich erst einmal nur auf ihr erstes Match am Dienstag gegen Anna-Lena Friedsam konzentrieren. Doch ohne Serena Williams ist das Feld bei den Frauen relativ offen, fünf Spielerinnen können nach den Australian Open die Nummer eins werden.

Kerbers Vorteil gegenüber vielen ihrer Konkurrentinnen ist: Sie weiß, wie man Grand-Slam-Titel gewinnt. Und wichtiger noch: Sie weiß, wie man in Melbourne gewinnt. Und sie hat ein neues Team um sich herum, mit neuen Stimmen und neuen Anreizen. "Ich habe meinen Spaß auf dem Platz wiedergefunden", sagt Kerber, "und das Ziel ist, gut bei den Grand Slams zu spielen. Ich habe mich so auf 2018 gefreut, damit ich 2017 endlich abhaken kann - ich schaue nur noch nach vorne und nicht mehr zurück."

Angelique Kerber ...

Angelique Kerber
Angelique Kerber
Quelle: ZDF
  • Geboren am 18.01.1988 in Bremen
  • Wohnort: Puszczykowo (Polen)
  • Trainer: Wim Fissette
  • Rechtshänderin (spielt aber mit links)
  • Tennis-Idol: Steffi Graf
  • Beste Platzierung in der Weltrangliste: Rang 1 (2016)
  • Titel: 11
  • Größte Erfolge: Australian-Open-Sieg (2016), US-Open-Sieg (2016), Finale Wimbledon (2016); Halbfinale US Open (2011&2016) und Wimbledon (2012), dreimal für die WTA-Finals qualifiziert (2012, 2013, 2015), Fed-Cup-Finalistin mit dem dt. Team (2014)
  • Lieblingsmusik: Taylor Swift, Helene Fischer
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  • Website angelique-kerber.de
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