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Angelique Kerber - ab jetzt die Gejagte

Angelique Kerber bei den US Open 2016

Sport - Angelique Kerber - ab jetzt die Gejagte

Mit einem Zweisatz-Sieg über Caroline Wozniaki ist Angelique Kerber ins Finale der US Open eingezogen. Weil Serena Williams ihr Halbfinale verlor, wird Kerber die neue Nummer 1 der Weltrangliste.

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Angelique Kerber ist die neue Nummer eins der Tenniswelt - und steht im Finale der US Open. Mit 28 Jahren ist die Kielerin ganz oben angekommen. Doch auch wenn die Final-Gegnerin nicht Serena Williams heißt, wird sie am Samstag (22 Uhr/MESZ) hart für ihre zweite Grand-Slam-Trophäe kämpfen müssen.

Als Angelique Kerber im Schein der Flutlichter das Arthur-Ashe-Stadium betrat, da hatte sie schon eine schwere Hürde genommen. Denn Serena Williams, ihre große Widersacherin, war kurz zuvor in ihrer Halbfinalpartie der US Open überraschend an der Tschechin Karolina Pliskova mit 2:6 und 6:7 gescheitert.

Die erste seit Steffi Graf

Das bedeutete für Kerber: Ab Montag wird sie als neue Nummer eins der Frauenweltrangliste geführt. Davon träumte Kerber schon seit sie ein Kind war. Nun hatte sie es mit 28 Jahren geschafft, als erste Deutsche seit Steffi Graf.

Aber Kerber wollte die Gedanken daran wegdrücken. Beim Aufwärmen für ihr Duell mit Caroline Wozniacki hatte sie die letzten Ballwechsel von Williams' Match verfolgt. Und "bis zum Schluss nicht geglaubt, dass Serena wirklich verliert", erzählt Kerber später.

Zusätzlicher Druck

Doch die große Titelfavoritin und seit 186 Wochen dominierende Regentin der Frauentour verlor. Mit schwacher Leistung und schmerzendem Knie. "Das war in dem Moment alles zuviel für mich", gab Kerber zu, "ich wollte mich nur noch auf mein Match konzentrieren." Und das aus gutem Grund, denn nun stand die Kielerin noch mehr unter Druck: "Ich wollte auf keinen Fall mit einer Niederlage die Nummer eins werden."

Es gelang ihr, Kerber gewann sogar sehr souverän mit 6:4 und 6:3 gegen die Dänin. Und nun ließ sie die Freude endlich heraus und teilte sie mit den 22.000 Fans im Stadion. "Es ist ein unglaubliches Gefühl, endlich ist der Tag da", sprudelte es aus Kerber heraus: "Und es klingt toll, die Nummer eins zu sein. Es ist eine Riesenehre, dass ich jetzt Steffi nachfolge. Ich denke, sie ist stolz auf mich."

Drittes Finale in dieser Saison

Und mehr noch durfte Kerber selbst stolz auf den Einzug in ihr drittes Grand-Slam-Finale in dieser Saison sein. Sie hatte es allen bewiesen, dass ihr Triumph in Melbourne kein Zufall gewesen ist. 53 Siege hat Kerber nun 2016 auf dem Konto, weit mehr als jede andere.

Serena Williams gratuliert Karolina Pliskova
Serena Williams gratuliert Karolina Pliskova (r.)

Sie hatte sich den Erfolg hart erarbeitet, war an den Rückschlägen der letzten Jahre als Spielerin und Mensch gewachsen, und ist jetzt mit 28 Jahren ganz oben angekommen. "Ich brauche sicherlich noch etwas, um das alles zu verarbeiten", sagte Kerber, "aber mir bedeutet das alles sehr viel. Ich habe es schwarz auf weiß, dass ich die Beste bin - das kann mir keiner mehr wegnehmen."

Favoritenschreck Pliskova

Doch ab sofort ist Kerber die Gejagte. Dieses Gefühl kennt Wozniacki noch gut, als sie selbst 2010 und 2011 die Weltrangliste anführte. Der Dänin haftet jedoch der Makel an, ohne Grand-Slam-Titel keine würdige Spitzenreiterin gewesen zu sein. Kerber dagegen erfüllt die Norm.

"Angie wird die Herausforderung sicher genießen", glaubt Wozniacki, "jetzt hat sie die Zielscheibe auf dem Rücken und jeder will sie schlagen." Allen voran Karolina Pliskova, und die Chancen stehen für die Überraschungsfinalistin auch gar nicht schlecht. Die 24 Jahre alte Tschechin hatte innerhalb der vergangenen Wochen alle drei aktuellen Grand-Slam-Siegerinnen geschlagen: Garbine Muguruza, Williams - und nun kommt Kerber.

Müde nach Rio

Mit dem Sieg im Finale von Cincinnati wäre die Kielerin schon vor zwei Wochen die Nummer eins geworden, aber Pliskova bezwang sie. "Mir steckten die harten Matches von Rio in den Knochen", sagte Kerber, "ich war richtig müde."

Die hochgewachsene Tschechin, die mit Julia Görges auch erfolgreich Doppel spielt, verfügt über einen der besten Aufschläge bei den Frauen. Mit Williams hatte sie nun gar die allerbeste Aufschlägerin abserviert. Das direkte Duell zwischen Williams und Kerber um die Nummer eins war nun ausgeblieben. Dennoch wird das Finale für die Deutsche eine harte Aufgabe, zudem muss sie erstmals auch mit der Favoritenrolle klarkommen.

Revanche für Cincinnati

"Ich denke, wir können beide dieses Finale gewinnen", glaubt indes Pliskova, die (Noch-)Nummer elf der Welt, "ich werde jedenfalls alles dafür tun. Man kommt schließlich nicht oft in ein Grand-Slam-Finale. Für mich ist das eine große Sache." Kerber möchte unbedingt die Revanche, aber mehr noch ihren neuen Status untermauern: als beste Tennisspielerin der Welt.

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