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Schnell und hitzig: US Open mit Kerber und Zverev

Die US Open in New York sind wie ein schriller, lauter Rummelplatz und eine ganz eigene Herausforderung für die Spieler. Angelique Kerber und Alexander Zverev gehören zu den Favoriten. Beide starten heute Abend ins Turnier.

Angelique Kerber und Alexander Zverev am 26.06.2018
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Quelle: dpa

Der Kontrast könnte für Angelique Kerber kaum größer sein. Vor wenigen Wochen erfüllte sich die 30 Jahre alte Kielerin noch ihren Lebenstraum, auf dem perfekt getrimmten Rasen des beschaulichen, altehrwürdigen All England Clubs von Wimbledon. Jetzt wartet der nächste Grand Slam bei den US Open in New York - und der ist laut, schrill und schmutzig und fühlt sich an wie der Wechsel von einem klassischen Konzert im Park zu einem Heavy-Metal-Festival in einer Fabrikhalle.

Grelles Fast-Food-Tennis

Wer in der schwülen Hitze von Flushing Meadows bestehen will, der muss das grelle, amerikanische Fast-Food-Tennis lieben. Schnell und hitzig. Rückzugsorte gibt es auf der Anlage der Superlative im Stadtteil Queens mit dem größten Tennisstadion der Welt nicht, der lärmende Rummel tobt an jeder Ecke. Die täglichen 40.000 Fans sind es weder gewohnt, noch sind sie willens, still und geduldig irgendwo zu sitzen. Permanent sind die Massen in Bewegung, der Lärmpegel toppt locker jenen im berühmten Bahnhof der Grand Central Station in Manhattan.

Doch diese flirrende Elektrizität, die besonders die Nightsessions im Arthur-Ashe-Stadium umgeben, fasziniert dennoch auf einzigartige Weise. Und wer hier auf den harten, heißen Betonplätzen durchkommt, hat zum Ende einer ohnehin zehrenden Saison obendrauf einen Kraftakt à la Iron Man überstanden. Kerber ist das 2016 schon einmal gelungen, da war sie die "Queen of Queens".

Kerbers Akku wieder voll

Sie hatte ihre eigene Art, ihr persönliches Heavy-Metal-Konzert von Flushing Meadows zu überstehen. "Ich bin so wenig wie möglich auf der Anlage", sagt Kerber, "ich brauche Zeit für mich, will mich nur auf mein Tennis konzentrieren." Vor ihrem Auftaktmatch am Dienstag, 18.30 Uhr (MESZ) , gegen die Russin Margarita Gasparjan hat sie Fotos mit Bilderbuchaussicht von den Hochhäusern New Yorks gepostet.

Seit Kerber zu Saisonbeginn alles wieder auf Null gedreht hat, tut sie wieder mehr, was ihr gut tut. Einfach mal ein bisschen in den Tag leben, statt streng durchgetaktetem Terminplan. Eine kurze Auszeit nach dem Wimbledontriumph, weg vom Tour-Trubel. Und alle Glücksgefühle erst einmal in Ruhe verarbeiten. Jetzt ist der Akku wieder voll, glaubt sie. Beweisen muss Kerber nach drei Grand-Slam-Titeln nichts mehr, aber sie will es.

Schwierige Umstellung

Doch so einfach klappte die Umstellung auf Hartplatz dann doch nicht. Bei den Vorbereitungsturnieren in Montreal und Cincinnati gewann Kerber nur ein Match. "Ich habe damit gerechnet, dass ich ein wenig brauchen würde, um wieder in den normalen Tour-Alltag zu finden", erklärte sie.

Ihre Auslosung ist durchaus knifflig, doch Kerber ist bereit für die großen Momente und scheut sich nicht vor dem Rummel um sie und die vielen Verpflichtungen. Aber sie reduziert alles auf ein Minimum, wie die Geräuschkulisse von Flushing Meadows.

Zverev mit Ivan Lendl an seiner Seite

Um Alexander Zverev, der am Dienstag, 20 Uhr (MESZ) auf Peter Polansky (Polen) trifft, ist der Rummel nun ähnlich groß, aber der 21-Jährige hat die Fragerei längst satt. Wann ihm nun endlich der erste Grand-Slam-Sieg gelänge?

Zverev selbst wäre es lieber gestern als heute, und so entschied er sich nach Wimbledon zu einem wichtigen Schritt: Er engagierte Tennis-Legende Ivan Lendl als zusätzlichen Trainer neben seinem Vater. Lendl ist seit 30 Jahren gut bekannt mit Familie Zverev, erkannte früh Alexanders Talent und bringt die Expertise mit, nicht nur selbst sieben Major-Trophäen gewonnen zu haben, sondern er verhalf auch Andy Murray zu seinen ersten drei Titeln.

Doch warum entschied sich Zverev gegen Boris Becker, der auch seine Dienste anbot? "Ich dachte, Ivans Leben ist gerade etwas leichter", erklärte Zverev. Becker trennt sich gerade mit vielen Nebengeräuschen von seiner Ehefrau und kämpft zudem mit finanziellen Schwierigkeiten. "Ich mag Boris. Ich liebe ihn", fügte Zverev hinzu, "er ist ein klasse Typ. Vielleicht klappt es ja in Zukunft."

15 Deutsche in Flushing Meadows

Doch erst einmal soll Lendl dabei helfen, bei den vier wichtigsten Turnieren der Saison sein ganzes Potenzial abzurufen. Und sich nicht so unter Druck zu setzen, dass er sich selbst damit blockiert. Jeder sieht, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Zverev mit seinem Talent auch die letzte Hürde nehmen wird.

Doch ist die Zeit schon in New York gekommen? Auch Zverev Vorbereitung war durchwachsen, wie Kerber wird er an Position vier gesetzt sein. Zverevs Auslosung sollte ihn ohne große Probleme in die zweite Turnierwoche bringen, doch da wird sich dann zeigen, inwieweit Lendls Input schon fruchten konnte.

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