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Bracht glaubt fest an seine Chance

Sport - Bracht glaubt fest an seine Chance

Jan Frodeno stellte heute in der Triathlon-Lang-Distanz einen neuen Weltrekord auf. Er schaffte die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einen Marathon in nur 7 Stunden und 36 Minuten.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.07.2017, 19:00

Mit 41 Jahren gehört Timo Bracht noch immer zur Weltspitze im Triathlon – der Weltmeistertitel fehlt dem Odenwälder aber noch. Klappt es diesmal? Am Samstag (18:25 Uhr MESZ) startet Bracht wieder bei der Ironman-WM in Hawaii – als ältester Profi und zum ersten Mal wieder nach drei Jahren. Seine Kritik an der Entwicklung seiner Sportart verteidigt er.

Warum es nie zum WM-Titel gereicht hat? "Weil andere schneller waren", witzelt Timo Bracht - und ist im Reinen mit sich, weil er viele "sehr gute Rennen" auf Hawaii gezeigt habe. Brachts Bilanz in Kona, dem Schauplatz des wohl härtesten Ironman-Wettkampfs der Welt, kann sich in der Tat sehen lassen. Ein fünfter Platz 2011, drei sechste Plätze (2009, 2010, 2012), ein achter (2004) und ein neunter Platz bei seinem bisher letzten Hawaii-Start zeugen von der Konstanz, die Bracht seit Jahren als eine der prägenden Figuren der Triathlonszene ausmacht - auch ohne den prestigeträchtigsten aller Erfolge.

"Wäre zu schön, um wahr zu sein"

"Anders als bei deutschen Rennen in Frankfurt oder Roth hat mir in Hawaii bisher der Über-Tag gefehlt, an dem alles passt. Manchmal denke ich, es wäre zu schön, um wahr zu sein, wenn das auch noch klappen würde", sagt der Triathlon-Europameister von 2012, der auch zwei Ironman-EM-Titel (Frankfurt 2007 und 2009) in seiner Vita vorweist.

Dass der Zahn der Zeit die Aussichten auf einen "Über-Tag" schmälert, glaubt der Nordbadener nicht: "Die Chance ist gering, so wie viele Chancen im Leben. Aber man muss an diese Chance glauben. Ich bin froh, mich immer noch mit den Besten der Welt messen zu können. Die Wertschätzung der eigenen Leistung steigt, je länger du dabei bist."

Weitblick statt Schubladen

Überhaupt, die Frage nach dem Alter. Der studierte Sportwissenschaftler, der seit Anfang 2015 auch als Leiter seines eigenen "Team Sport for Good" wirkt, gibt wenig darauf, wenn ihn die Deutsche Presse-Agentur als "Oldie" bezeichnet. "In Deutschland sucht man gern nach Begriffen und Schubladen für Menschen, aber ich fühle mich wie mit 31, bin schnell, beweglich und gesund", meint Bracht - und beweist Weitblick. "Die Bezeichnung ist ein gesellschaftliches Problem, dazu trägt der Sport mit immer jüngeren Fußball- und Handballnationalteams bei. Ich finde das total kontraproduktiv. Bei dem demographischen Wandel in unserer Gesellschaft sollte es darum gehen, ältere Menschen zum Sport zu bringen."

Er trainiere "immer noch sehr viel und hart", betont Bracht, vielleicht sogar besser als früher. "Körperschulung, Beweglichkeits- und Krafttraining wird unheimlich wichtig. Das begleitet den Alterungsprozess positiv und kehrt ihn sogar um", findet der Routinier, dem der Sport auch den Unterschied zwischen "können", "müssen" und "wollen" gelehrt habe: "Ich muss hier nicht, aber ich will. Wenn du in Mallorca zum 75. Mal aus dem Flieger steigst, ist es wie das Murmeltier, das täglich grüßt. Umso mehr ist es eine Herausforderung, sich seine Neugier zu bewahren, auch in anderen Lebensbereichen."

Neugier als Antrieb

Diese Neugier ist es auch, die Timo Bracht zum 14. Mal in seiner Laufbahn nach Hawaii führt. "Zu sehen, ob ich die Herausforderung noch schaffe. Wie ich reagiere, wenn ich in eine schwierige Situation komme. Wie es sich anfühlen wird, über die Ziellinie zu laufen. Diese Neugierde, nicht zu wissen, wie es läuft, das zu erleben. Das ist es, was mich antreibt. Solange ich diese Neugierde habe, solange kann ich mich auch antreiben, dieses Unmögliche zu leisten", schildert Bracht - sagt aber auch: "Ich werde bald alle Antworten auf die Fragen meines Sports haben."

2017 will Bracht noch einmal "voll angreifen". In "ein, zwei Jahren" soll dann die Zeit nach dem Profisport folgen. Am Samstag will der Nordbadener aber erst einmal "wieder unter die besten Zehn der Welt zu kommen beim härtesten Ein-Tages-Ausdauersportevent der Welt, als ältester Profistarter".

Polarisierende Aussagen

Mit seinem Weitblick polarisiert Bracht bisweilen – etwa, wenn er sich zur Dominanz des deutschen Top-Favoriten und Titelverteidigers Jan Frodeno (35) äußert. "Er ist eine Kategorie wie Usain Bolt über 100 Meter – da steht der Sieger auch vor dem Start fest", erklärte Bracht kürzlich in der "Frankfurter Rundschau".

Zu diesen Aussagen steht der Odenwälder. "Mit der Ankündigung eines Weltrekords, den er dann pulverisiert hat, mit der Ankündigung, in Hawaii unter acht Stunden gewinnen zu wollen und Weltmeistertiteln in allen Distanzen innerhalb von zwei Jahren hat Jan Frodeno das auch forciert. Das gab es noch nie und entsprechend muss man das betiteln", stellt Bracht klar - betont jedoch, dass "ich seine Leistung und ihn als Mensch schätze, weil auch er über den Sport Dinge bewegen will. Diese Leistungen kann ich nicht kleinreden, sie sind außergewöhnlich. Ich kann nur sagen: Hut ab".

Kritik an der Deutschen Triathlon-Union

Auch zum Thema Sportförderung hat Bracht eine klare Meinung. "Wir haben sieben, acht deutsche Top-Athleten hier, die unabhängig vom Verband sind und sich selbst finanzieren müssen, anders als bei den Olympischen Spielen, wo wir keinen deutschen Mann am Start haben. Hier muss sich die Deutsche Triathlon-Union fragen, was sich in den letzten fünf Jahren getan hat", bemängelt er. Mit einer Top-Platzierung in Hawaii kann der 41-Jährige der DTU das nächste Argument für ein Umdenken liefern.

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