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Hamburg-Triathlon: Am Mythos schnuppern

Sport - Hamburg-Triathlon: Am Mythos schnuppern

Für Jan Frodeno war der 10. Oktober 2015 ein ganz besonderer Tag: Der 34-Jährige schrieb mit seinem Sieg des Ironmans auf Hawaii Geschichte.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.12.2016, 06:44

Am Wochenende werden sich in Hamburg wieder über zehntausend Menschen beim Schwimmen, Radfahren und Laufen quälen - nur, um das Ziel zu erreichen. Warum tun sie das, obwohl doch der Alltag meist schon Stress und  Druck genug bietet?

Endlich bietet die Sportstadt Hamburg wieder Bilder, die  die Enttäuschungen der letzten Monate überstrahlen können. Nach Olympia-Aus und Abmeldung der Handball- und Eishockey- und Volleyball-Bundesligisten trumpft die Hansestadt mit zweien ihrer verbliebenen Highlights auf. Während  das Tennisturnier am Rothenbaum selbst schon in der Zweitklassigkeit gelandet ist, bezeichnet sich der Hamburg-Triathlon mit breiter Brust als: „The World Biggest Triathlon“.

Einmal im Leben

„Der Hamburg-Triathlon hat mittlerweile Kult-Status erreicht, den die meisten Triathleten mindestens einmal im Leben miterleben wollen“, sagt der Sportwissenschaftler Heiko Ziemainz  im Gespräch mit zdfsport.de.   Besonders die Atmosphäre beim Schwimmen in der Binnenalster ist einmalig.“

Damit hat Ziemainz, der selbst schon an der Alster gestartet ist, einen Grund dafür genannt, warum auch dieses Jahr neben den Profisportlern wieder zehntausen Breitensportler in die sonst nicht für Badefreuden bekannte Alster springen, sich anschließend auf dem Fahrrad abstrampeln, um sich danach mit vorletzter Kraft die Laufschuhe zu schnüren. Ganz ist damit die Karriere dieses Sports vom Life-Style-Event einer Leistungselite zum Volkssport allerdings noch nicht erklärt.

Moderne Gladiatoren

Als die Triathlon-Welle vor dreißig Jahren aus den USA herüberschwappte, verfingen zunächst die mythischen Bilder aus Hawaii, wo beim Ironman sagenumwobene Leistungen vollbracht wurden. Die modernen Gladiatoren passten perfekt in den aufkommenden Fitness-Kult und  den Trend zum Individual- und Extremsport. „Leistung muss sich wieder lohnen“, lautete das Motto der Zeit, das Beruf und Freizeit vereinte.

Wer einen Ironman im Portfolio hatte, bewies der Welt nicht nur, dass er ein guter Sportler war, sondern auch, dass er im Job  Grenzen überwinden konnte. Neben Profisportlern übten zunächst paradoxerweise oft gerade Menschen diesen zeitaufwendigen Sport  aus, die auch im Beruf stark eingebunden waren.

Ego-Marketing am Arbeitsplatz

„Die nehmen den Sport in ihre Vita auf und dokumentieren nach außen: ich habe eine so hohe Effizienz in meiner Tagesgestaltung, dass ich mich neben meiner hohen Arbeitsbelastung noch auf einen Triathlon vorbereiten kann“,  sagte der Sportwissenschaftler Daniel Illmer in einem Interview mit dem ZDF.  Egomarketing nennt er diesen Effekt.

Mittlerweile gibt es auch für die breite Masse der Sportbegeisterten zahlreiche Möglichkeiten, am Ironman-Mythos zu partizipieren. Dazu hat vor allem die Einführung der Kurz-Disziplinen beigetragen. „Bei den Jedermann-Wettbewerben handelt es sich um überschaubare Distanzen,  die auch jemand, der ein bisschen sportiv ist, bewältigen kann“, sagt Heiko Ziemainz. „Dabei spielt sicher die Neugierde eine Rolle, ob man das  überhaupt schaffen kann. Da werden die Grenzen des kleinen Mannes ausgelotet.“

Ganzkörper-Workout freut Krankenkassen

Selbstbestätigung  und die hohe Anerkennung  durch das Umfeld sind auch im Breiten-Triathlon wichtige Antriebskräfte.  Wenn diese nicht in Überforderung  und übertrieben Ehrgeiz münden, profitiert auch die Gesundheit davon.  „Die Abwechslung im Training ist ein wichtiger Faktor für die Attraktivität des Triathlon-Sports“, sagt Heiko Ziemainz.

„Sportmedizinisch gesehen handelt es sich fast um ein Ganzkörper-Workout, in dem einseitige Belastungen vermieden werden. Das haben auch die Krankenkassen als Wert entdeckt und treten als Sponsoren auf.“ Die Kombination von Heldengeschichte und Volksfest ist auch für andere Sponsoren attraktiv. Allein der Veranstaltungskalender der Deutschen Triathlon-Union umfasst im zweiten Halbjahr 2016 über 200 Veranstaltungen.

Vom Couching zum Jogging

Diese werden überragt vom Hamburg-Triathlon – an dem sich alle treffen: die Spitzensportler wie die Leistungsfetischisten. Aber vor allem die Breitensportler, von denen sich etliche schon vor Monaten angemeldet haben,  „um vom Couching zum Jogging zu kommen“, wie Heiko Ziemainz sagt.  Wenn es nach Hamburg Sportsenator Andy Grote geht, wird demnächst auch das Original – der Ironman -  an die Alster kommen. „Wir wollen die Ausdauer-Sportstadt  werden“,  sagt Grote.

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