Alarmstimmung bei den Bayern

FC Bayern - RSC Anderlecht am Dienstag

Schon vor dem ersten Auftritt in der Champions League gegen den RSC Anderlecht am Dienstag brodelt es beim FC Bayern. Boss Karl-Heinz Rummenigge droht nach dem 0:2 in Hoffenheim den Spielern gar öffentlich.

Stürmerstar Robert Lewandowski stichelt gegen die Vereinsspitze, Rummenigge schießt zurück, und Uli Hoeneß sieht sich in der ungewohnten Schlichterrolle gefordert: Bei Bayern München herrscht Alarmstufe Rot, dabei hat der "heiße Herbst" noch gar nicht richtig begonnen. Vor dem Auftakt der Champions League am Dienstag (20.45 Uhr/Sky) gegen den RSC Anderlecht hat sich an der Isar eine bedrohliche Gemengelage zusammengebraut.

Rummenigge droht "Stress" an

Das 0:2 in Hoffenheim und Lewandowskis unverhohlene Kritik an der Transferpolitik des Rekordmeisters haben die stolzen Alphatiere in der Chefetage aufgerüttelt. "Wer öffentlich den Trainer, den Verein oder die Mitspieler kritisiert, kriegt ab sofort Stress mit mir", sagte Vorstandsboss Rummenigge in der Bild-Zeitung - eine Aussage, die einer Abmahnung für Lewandowski sowie Weltmeister Thomas Müller gleichkommt. Er wisse schon, drohte Rummenigge, "wie man Spieler zur Räson bringt".

Präsident Hoeneß empfand Lewandowskis vom Verein nicht autorisiertes Interview im Spiegel zwar als "nicht so schlimm", konnte sich einen Seitenhieb aber nicht verkneifen: "Es ist immer gut, wenn sich Spieler Gedanken machen, aber es ist noch wichtiger, wenn sie sich um ihre Leistung kümmern, dann werden wir auch Erfolg haben." Anders als am Samstag. Die "sehr, sehr schwache" Vorstellung in Hoffenheim habe ihn "wahnsinnig geärgert", sagte Hoeneß, doch "da sehe ich noch keine Alarmglocken, aber dass wir besser Fußballspielen müssen, ist klar".

Wiederholungstäter Lewandowski

Doch das, so Lewandowskis Argumentation, reiche in Zeiten des Transferirrsinns nicht mehr. Der ehrgeizige Angreifer sieht seinen Traum vom Gewinn der Champions League gefährdeter denn je. Sein FC Bayern, unterstellte er, sei international derzeit nicht mehr konkurrenzfähig. Dass er überdies recht unverhohlen über die neue Macht der Spieler sprach, brachte Rummenigge endgültig auf die Palme.

Lewandowski habe sich wohl "von den Paris-Transfers irritieren lassen", sagte Rummenigge: "Er ist bei uns als Fußballer angestellt - und verdient dafür sein Geld. Ich bedauere seine Aussagen." Zumal der 29-Jährige schon in der Vor-Saison "unzutreffende Vorwürfe gegen die Mitspieler erhoben" habe, wonach er nicht genügend unterstützt worden sei.

Rüffel auch für Thomas Müller

Ähnlich kritisch sieht der Klubchef die Äußerung Müllers, der sich über mangelnde Wertschätzung von Trainer Carlo Ancelotti beklagt hatte. Er sei zwar ein Freund der Meinungsfreiheit, sagte Rummenigge, "aber bei uns wird derzeit zu schlau dahergeredet. Es darf nicht vereinsschädigend sein". Müllers Aussage sei "nicht okay" gewesen.

Hoeneß dagegen betonte: "Jeder kann seinem Ärger Luft machen. Wir dürfen nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen - auch intern. Ich fand alles im Rahmen. Wir müssen wieder lockerer werden." Dennoch sieht Hoeneß den FC Bayern gefordert, wieder klarzumachen, "wer das Sagen hat" - nämlich der Klub, nicht die Spieler oder deren Berater.

Triumph ohne "Wahnsinnstransfers"?

Allerdings: Mit Lewandowski hat nun einer der prominentesten Angestellten in kurzen Hosen starke Zweifel daran geäußert, dass die Münchner Klubpolitik noch zeitgemäß ist. Es sei sein "Ehrgeiz und Traum", hatte Hoeneß erst kürzlich gesagt, "ohne Wahnsinnstransfers Champions-League-Sieger zu werden". Ja er hoffe sogar darauf, den Zeitraum zwischen den Triumphen in der Königsklasse zu verkürzen.

Seit dem letzten Erfolg in Wembley 2013 sind aber auch schon wieder vier Jahre vergangen, im ersten Jahr unter Ancelotti kamen die Bayern nur noch ins Viertelfinale. Rummenigge zählt die Bayern dennoch zum engsten Favoritenkreis auf das Finale am 26. Mai 2018 in Kiew. "Wir sind gut aufgestellt", betonte er trotzig im kicker, er halte die Mannschaft für "sehr wettbewerbsfähig in Europa".

Alaba und Vidal fehlen

Für Anderlecht mit dem ehemaligen Nürnberger Trainer Rene Weiler, das in der belgischen Liga nach Stotterstart nur Zehnter ist, sollte es reichen - obwohl David Alaba (verletzt) und Arturo Vidal (gesperrt) fehlen. "Wir müssen das spielen, was wir können, dann werden wir gewinnen", sagte Hoeneß.

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