Der große Bayern-Frust

Der FC Bayern nach dem Viertelfinal-Aus in der Champions League

Philipp Lahm tröstet Mitspieler Joshua Kimmich

Sport | UEFA Champions League - Der große Bayern-Frust

Nach dem Aus in der Königsklasse bleibt dem FC Bayern noch die Aussicht auf das Double. Wirklich Trost können die Münchner darin nicht finden, zumal sie sich beim 2:4 bei Real Madrid benachteiligt fühlen müssen. Und sich Manuel Neuer auch noch verletzte.

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Nachdem alles vorbei und das erhoffte Triple unerreichbar geworden war, konnten die Bayern so schnell keinen Trost finden in den verbliebenen Saisonzielen. Weder im schon so gut wie sicheren fünften Meistertitel in Folge noch im möglichen Double, für das im Pokalhalbfinale am kommenden Mittwoch Borussia Dortmund aus dem Weg geräumt werden muss.

"Mannschaft in Trümmern"

Das größte Ziel, der Titel in der Champions League, hatte sich mit der 2:4-Niederlage nach Verlängerung bei Real Madrid endgültig erledigt, nachdem schon das Hinspiel in München vor einer Woche mit 1:2 verloren worden war. Der Blick nach vorne? In den Stunden nach dem dramatischen Ausscheiden im Estadio Santiago Bernabéu war dieser für die Münchner Belegschaft noch unmöglich.

Fußbruch bei Neuer

Manuel Neuer
Manuel Neuer konnte die Partie zwar zu Ende spielen, die Saison war für den Torwart danach aber beendet. Quelle: dpa

"Die Mannschaft ist gerade im wahrsten Sinne des Wortes in der Kabine in Trümmern", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Nach dem großen Kampf über die Schmerzgrenze hinaus, wie im Falle der eigentlich noch verletzten Innenverteidiger Jérôme Boateng und Mats Hummels. Dass am Ende auch noch eine Verletzung bei Manuel Neuer und sein vorzeitiges Saisonaus bilanziert werden musste, fügte sich ins Bild. Der Torwart zog sich im Spiel eine Fraktur im linken Fuß zu und fällt etwa acht Wochen aus. Neuer war erst vor drei Wochen am linken Fuß operiert worden.

Vor allem aber nagten die weiteren Umstände des Ausscheidens aus der Champions League an den Bayern, und besonders galt dies in Bezug auf den ungarischen Schiedsrichter Viktor Kassai. "Du kannst gewinnen, du kannst verlieren. Aber wenn ein Spiel so entschieden wird, durch Fehlentscheidungen, dann ist das für mich der Wahnsinn", sagte Arjen Robben nach Mitternacht noch immer sehr aufgewühlt. "Frust", fügte er bei der Frage nach dem noch möglichen Double an, bestimme nun sein Gefühlsleben.

Frust als Bayern-Gemütslage

Robben stand damit stellvertretend für den gesamten FC Bayern, der zwar mit Stolz darauf zurückblicken blicken konnte, durch den aufgeholten Rückstand nach 90 Minuten dem kleinen Fußballwunder nahe gekommen zu sein. Der aber auch mit gleich drei Szenen haderte, in denen er sich benachteiligt fühlen musste. Da half es wenig, dass Kassai mindestens einmal auch aus Sicht Reals daneben gelegen hatte. "Ich muss sagen, ich habe zum ersten Mal so etwas wie wahnsinnige Wut in mir, Wut, weil wir beschissen worden sind. Wir sind beschissen worden, im wahrsten Sinne des Wortes", polterte Rummenigge.

Am Ende dieses dramatischen Viertelfinals war der große Kampf des FC Bayern nicht belohnt worden, obwohl das Drehbuch des Spiels zunächst durchaus auf ein kleines Wunder ausgerichtet gewesen zu sein schien. Der nach seiner Schulterprellung zurückgekehrte Robert Lewandowski hatte den deutschen Meister per Foulelfmeter in Führung gebracht (53.), ehe Cristiano Ronaldo zwar per Kopf ausglich (76.), Sergio Ramos den Ball kurz darauf aber unglücklich zum zweiten Münchner Tor ins eigene Tor lenkte (77.).

"Entscheidende Schiedsrichter-Fehler"

Doch in Überzahl in der Verlängerung traf erneut Ronaldo (105.). Dass der Portugiese im Abseits gestanden hatte, machte seinen Treffer besonders schmerzhaft für die Bayern. Das galt ebenso für jene Abseitsposition, die seinem 100. Champions-League-Tor zum 3:2 (109.) vorangegangen war. Den 4:2-Endstand erzielte der eingewechselte Marco Asensio (112.).

Allerdings war dem zweiten Münchner Tor ebenfalls eine Abseitsposition des eingewechselten Thomas Müller vorangegangen. Und Arturo Vidals gelb-rote Karte wegen eines wiederholten Foulspiels (84.) wäre eigentlich schon früher möglich gewesen. Als der rauflustige Chilene sie nach seiner Grätsche gegen Asensio sah, hatte er sich allerdings ziemlich einwandfrei verhalten und den Ball gespielt. "Das war von den Schiedsrichtern eine Serie von Fehlern, die auf diesem Niveau nicht passieren dürfen. Es darf nicht sein, dass so entscheidende Fehler ein Spiel entscheiden", kritisierte Bayerns Trainer Carlo Ancelotti.

Wieder an einem spanischen Team gescheitert

Xabi Alonso, Philipp Lahm
Xabi Alonso und Philipp Lahm absolvierten ihre letzte Königsklassen-Partie. Quelle: dpa

Zum vierten Mal hintereinander sind die Münchner vorzeitig von einem großen spanischen Team ausgebremst worden. Unter Pep Guardiola in den vergangenen drei Jahren von Real, dem FC Barcelona und Atlético Madrid jeweils im Halbfinale. Nun endete der Traum vom Triple mit Ancelotti schon eine Runde früher.

Die Bayern nahmen bei allem Stolz auf die gezeigte Leistung nur Ungemach mit in die Heimat: Das erste Halbfinale ohne sie nach zuletzt fünf Teilnahmen in Serie. Ebenso das angekratzte Image von Ancelotti, von dem es immer hieß, er habe nach drei Titeln in der Champions League das Patent auf große Erfolge. Und außerdem der frühzeitige Abtritt von der ganz großen Fußballbühne von Kapitän Philipp Lahm und Xabi Alonso, die beide am Saisonende ihre Karrieren beenden werden. Das noch in Aussicht stehende Double war auch für die beiden Routiniers zunächst einmal kein Trost.

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