Von "Koan Neuer!" zum Kapitän

FC Bayern - FC Arsenal, Mittwoch ab 20.25 Uhr im ZDF

Manuel Neuer gilt beim FC Bayern als erster Kandidat für die Nachfolge des am Saisonende aufhörenden Philipp Lahm. Das liegt an Trainer Carlo Ancelotti und dessen Minimalismus.

Bayern-Torwart Manuel Neuer gibt Anweisungen
Bayern-Torwart Manuel Neuer gibt Anweisungen Quelle: Imago

Es war ein Moment voller Symbolkraft, der von Manuel Neuers Bedeutung für den FC Bayern ebenso erzählte wie von seiner voraussichtlichen Rolle in der Zukunft. Am Samstag im Ligaspiel beim FC Ingolstadt ereignete sich dieser Moment bei der Auswechselung von Kapitän Philipp Lahm, in dessen erster Partie nach seiner Rücktrittsankündigung zum Saisonende.

Gutes Omen?

Lahm eilte zu Neuer und überreichte seinem Stellvertreter die Binde des Spielführers. Die Szene wirkte wie ein Ausblick auf die kommende Saison. Neuer hat Lahm ja schon als Kapitän der DFB-Elf beerbt. Nun könnte in München aus "Koan Neuer!" Kapitän Neuer werden.

2011: Bayern-Fans wollen "koan Neuer"
2011: Bayern-Fans wollen "koan Neuer" Quelle: dpa

Nebenbei wäre das auch eine schöne Pointe nach seinem viel diskutierten Wechsel vom FC Schalke. Als der Torwart 2011 überlief, war er vom Bayern-Anhang massiv angefeindet worden. Mittlerweile wird er auch von den Fans als absoluter Leistungsträger geschätzt.

Neuer, 30 Jahre alt und seit nun bald sechs Jahren in München, halten sie in München für den idealen Außenminister, weil er wie Lahm und sonst keiner in der Mannschaft auch in der Öffentlichkeitsarbeit so zuverlässig agiert wie auf dem Platz. Vielleicht sogar noch etwas zuverlässiger als Lahm, der sich bei aller professionellen Verbindlichkeit im Laufe seiner bald endenden Karriere zwischendurch auch vereinspolitische Aussagen erlaubt hat, die der Klub so nicht hören wollte.

Musterprofi

Neuer ist mit Grundsatzkritiken an der Strategie der Bayern öffentlich noch nicht aufgefallen. Er lebt vielmehr den absolut loyalen Musterprofi vor. "Wir werden in beiden Partien zu 100 Prozent Leistung abliefern müssen, sonst kommen wir nicht weiter", hat er beispielsweise über die Spiele gegen Arsenal jetzt und am 7. März in London gesagt; nicht sonderlich originell, aber dafür wie ein Satz aus dem Handbuch für Führungsspieler.

Das passte auch gut zur Forderung des Vorstandschefs. "Idealerweise gewinnen wir zu Null und schaffen uns ein kleines Polster für London", gab Karl-Heinz Rummenigge in Auftrag, trotz der Ausfälle von Franck Ribéry und Jérôme Boateng sowie Xabi Alonsos Kniebeschwerden, die ihn in der Vorbereitung zu einer Pause zwangen.

Ancelottis Minimalismus

Auf Torwart Neuer dürfte es auch wegen des Minimalismus‘ von Trainer Carlo Ancelotti besonders ankommen. Dieser hat dem FC Bayern zuletzt zwar zehn Siege in elf Spielen eingebracht, aber sechs davon mit nur einem Tor Unterschied und wiederum vier davon durch Treffer in den letzten Minuten. Gegen Arsenal haben die Münchner zudem zu Hause nur eine der fünf bisherigen Begegnungen ohne Gegentor überstanden, aber auch je einmal verloren und unentschieden gespielt.

Um sich der Versetzung ins Viertelfinale zu nähern, wäre es also sehr förderlich, wenn Neuer an sein jüngstes Jubiläum anknüpfen könnte. In Ingolstadt stand bei ihm zum 100. Mal (im 181. Bundesligaspiel) die Null.

Es ist eine beachtliche Entwicklung, die Neuer nach seinem sehr unangenehmen Einstieg in München genommen hat.

Sieger im Online-Vote

Mittlerweile sehen sie ihn nicht nur im Verein als Lahms ersten Nachfolgekandidat, auch die Fans sprechen sich für ihn aus. In einem Online-Voting der Münchner „tz“ zum künftigen Spielführer gaben gerade 44 Prozent der mehr als 11.000 Teilnehmer Neuer ihre Stimme. Dieser lag damit klar vor Thomas Müller (21 Prozent), Boateng (20) und Hummels (10).

Der Oberbayer und ehemalige Münchner Jugendspieler Müller ist zwar eine der zunehmend schwindenden Identifikationsfiguren wie Lahm oder einst Bastian Schweinsteiger, aber fürs Kapitänsamt manchen womöglich etwas zu launig, derzeit auch sportlich.

Konkurrent Boateng?

Wie beim DFB hat sich Boateng auch in München für den Job in Stellung gebracht, ihm wurde von Rummenigge zuletzt allerdings empfohlen, "back to earth" zu kommen.

Und Hummels ist erst seit dem Sommer in München und in der Hierarchie wohl noch nicht weit genug aufgestiegen. Die Suche nach einer Identifikationsfigur könnte bei Neuer enden.

Ohne Gegentor gegen Arsenal würde er seine Beliebtheit als Leistungsträger und Führungsspieler schon mal weiter steigern.

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