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Skandalnudel Benfica in der Klemme

Bayerns Gegner in der Champions League

Benfica Lissabon empfängt den FC Bayern München in unruhigen Zeiten. Der Klub soll die portugiesische Justiz ausspioniert haben und wird außerdem durch abgefangene Emails schwer belastet. Die Staatsanwaltschaft fordert einen Ausschluss vom Ligabetrieb. Anstoß der Champions-League-Partie ist am Mittwoch um 21 Uhr.

Fahne von Benfica Lissabon
Fahne von Benfica Lissabon
Quelle: reuters

Der Dienstagabend hatte etwas von einem Showdown. Im Estádio da Luz gab Benficas Trainer Rui Vitória seine letzten Einschätzungen zum Spiel gegen Bayern München. Unter den Fans gingen angstvolle Blicke jedoch auch auf einen anonymen Enthüllungsblog - der für dieselbe Stunde neue Veröffentlichungen aus abgefangenen Benfica-Emails angekündigt hatte: Was würde jetzt schon wieder ans Tageslicht kommen?

Zukunft steht auf dem Spiel

Benfica, Rekordmeister und beliebtester Verein Portugals, zweimaliger Europapokalsieger der Landesmeister, zehnfacher Europacupfinalist - dieses stolze Benfica wird derzeit gleich von mehreren Skandalen destabilisiert. Und wenn man die Einlassungen einer Staatsanwaltschaft so ernst nimmt, wie ihnen das wohl gebührt - dann steht sogar die Zukunft des Klubs auf dem Spiel.

Im besonders akuten "Fall E-Maulwurf" fordern die Ermittler einen Ausschluss vom Wettbewerb zwischen sechs Monaten und drei Jahren. Benfica soll die Justizbehörden ausspioniert haben. Zudem soll der Klub zwei Beamte bestochen haben, um an interne Informationen über laufende Verfahren und persönliche Daten von Konkurrenten oder Schiedsrichtern zu kommen.

Der Hausjurist muss gehen

Vereinsjustitiar Paulo Gonçalves, angeklagt in 79 Fällen, hat am Wochenende schon den Hut genommen. Doch auch Benfica als Institution wird in 30 Fällen beschuldigt, unter anderem der Korruption und der Verletzung von Justizgeheimnissen. Präsident Luís Filipe Vieira, seit 15 Jahren im Amt, soll das Vorgehen gekannt und gebilligt haben.

Aufreger Nummer 2: gehackte Mail-Korrespondenz, die Benficas Netzwerk der Einflussnahme im portugiesischen Fußball (und sogar darüber hinaus) offenzulegen und damit jahrelange Verschwörungstheorien zu bestätigen scheint. Entsprechend der Klubfarbe wird Benfica von Gegnern als "roter Krake" bezeichnet - so auch der Titel eines Buchs, das der Kommunikationsdirektor und ein Vereinsjournalist des Dauerrivalen FC Porto geschrieben haben.

Vieira, der "Premierminister"?

Als Beweis publizierten sie etwa eine Mail eines Ex-Schiedsrichters, in dem der "Premierminister" - vermeintlich Vieira - dafür gelobt wird, "durch viel Arbeit" das Pfeifengremium unter seine Kontrolle gebracht zu haben: "Benfica bestimmt, und die anderen haben nichts zu melden".

Luis Felipe Viera
Luis Felipe Viera
Quelle: Imago

Und schließlich: Gegen Vieira wird wie gegen Vizepräsident Fernando Tavares in einem anderen Fall auch persönlich ermittelt: In der "Operação Lex" wurden sowohl ihre Privathäuser, als auch der Vereinssitz untersucht. Es geht um den Verdacht auf Korruption, Geldwäsche und Steuerbetrug durch einflussreiche Figuren aus Justiz, Business und Fußball.

Alles in allem ist Benfica derzeit Gegenstand von fünf justizrelevanten Verfahren. Zu viel für etliche Beobachter, um daran zu glauben, was Vieira zuletzt im "Maulwurf-Fall" betonte: "Die Anklage ändert nicht das Geringste an unserer Überzeugung der vollkommenen Legalität unserer Handlungen in diesem und anderen Prozessen. Die Justizorgane werden Benficas guten Namen säubern."

Parolen aus der Wagenburg

Tatsächlich hat Portugals Fußball schon so manchen Korruptionsfall ohne gravierende Folgen vorbeiziehen sehen. Und zumindest in sportlicher Hinsicht soll die dunkle Stunde Benficas sowieso keine Auswirkungen haben.

"Wir in der Kabine sind auch Menschen, wir haben Augen, Ohren und einen Kopf", erklärt Trainer Rui Vitória: "Wir nehmen wahr, was passiert, aber das gibt uns die Fähigkeit, intelligent mit der Situation umzugehen." Derweil Präsident Vieira mit klassischer Wagenburgrhetorik verspricht: "Je mehr man uns abseits des Platzes angreift, desto stärker sind wir auf ihm."

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