Ein besonderes Ambiente

Champions-League-Finale Juventus Turin - Real Madrid

Im Zeichen der Sicherheit steht das diesjährige Champions-League-Finale zwischen Real Madrid und Juventus Turin (Samstag 20.45 Uhr/live ZDF). Die walisische Hauptstadt Cardiff bietet den Fußball-Fans die abgespeckte, aber atmosphärische Version eines Endspiels.

Das Fußball-Stadion in Cardiff vor dem Champions-League-Finale
Rund um das Stadion sollen am Final-Abend 15.000 Sicherheitskräfte im Einsatz sein. Quelle: reuters

Es ist mehr als nur eine höfliche Verbeugung vor dem Fußball-Heiligen von Wales, dass Gareth Bale gerade über Cardiff schwebt. So sieht das gigantische, an einem Hochhaus platzierte Plakat des Real-Reservisten zumindest vom Cardiff Castle aus, auf dessen uralte Türme die Touristen über abgewetzte, steile Treppenstufen klettern können. Sofern sie vorher elf Pfund Eintritt gezahlt haben.

Doch die Investition ist lohnend, denn von kaum einem Punkt der Hafenstadt im Süden von Wales, ist gerade so gut zu erkennen, wie sich die Austragungsstadt und das Fußballevent begegnen. Zwischen Bale-Konterfei und Römerkastell ragen die fast 100 Meter hohen Masten des Millennium Stadium hervor, dessen malerische Lage am River Taff nicht nur die Jogger bewundernswert finden, die gemeinhin auf einem Steg vorbeilaufen können.

Ein Fanschal kostet zehn Pfund

Derzeit aber kann niemand passieren – Polizei wacht Tag und Nacht an den Zugängen. Das Champions-League-Finale zwischen Real Madrid und Juventus Turin (Samstag 20.45 Uhr/live ZDF) stellt nicht erst seit den Attentaten in Manchester ein immenses Hochrisikospiel dar. Die ganze Gegend ist weiträumig abgesperrt, in der Fußgängerzone waren noch am Freitag mehr Sicherheitskräfte mit Maschinenpistolen als Fußballanhänger mit Fanschals zu erspähen.

So richtig viel zu tun hatte der fliegende Händler auf der St. Mary Street nicht, der sein Wägelchen mit Erinnerungsstücken durch die Fußgängerzone von Cardiff schob. Zehn Pfund, umgerechnet knapp 11,50 Euro, kosten bei ihm die Schals der Finalisten. Doch wohl erst am Samstag wird das Bierviertel („Brewery Quarter“) mit seinen unzähligen Pubs wirklich von König Fußball und der Königsklasse dominiert.

Am Spieltag sollen es 170.000 Fans sein

„Echo South Wales“, die walisische Tageszeitung, rechnet mit 170.000 Fußball-Touristen am Spieltag. Viele der Anhänger werden erst nach und nach am Samstag ankommen, und sie nächtigen auch gar nicht in der walisischen Hauptstadt mit seinen gerade 350.000 Einwohnern, sondern fahren mit Schnellzügen nach Spielschluss bis in den Morgengrauen weiter nach Swansea, Newport oder Bristol, weil es in Cardiff schlicht zu wenige Unterbringungsmöglichkeiten gibt.

Wer erlebt hat, wie sich 2015 Berlin dem Endspiel zwischen Juventus und Barcelona seine Gäste empfing oder 2016 Mailand vor dem Stadtduell zwischen Real und Atlético am Dom eine spanische geprägte Party feierte, der erlebt nun 2017 das abgespeckte Vorprogramm. Motto: Manchmal ist weniger wieder mehr. Zumal der Lack an etlichen Stellen rund um Cardiff Central Market oder Queen Street ab ist, aber das macht es nicht gleich weniger angenehm.

Das Thema Sicherheit dominiert

Ian Rush (r.) und Carwyn Jones mit dem Champions-League-Pokal
Ian Rush (r.) und Carwyn Jones mit dem Champions-League-Pokal Quelle: dpa

In der Cardiff Bay hat Endspiel-Botschafter Ian Rush am Donnerstag im Schlauchboot über den River Taff gefahren, um den Henkelpott abzuliefern, mit dem sich Anhänger für Selfies knipsen können, aber ein Public Viewing wird es auch hier nicht geben. Angeblich auch aus Sicherheitsgründen. Sonst wären nach Angaben britischer Medien auch nicht 15.000 Sicherheitskräfte im Einsatz. Trotzdem wird die besondere Atmosphäre bestimmt durch die Freundlichkeit vieler junger feierfreudiger Bewohner, sich noch herumsprechen.

„Es ist ein massives Ereignis für uns“, sagt die in Cardiff geborene Sängerin Cerys Matthews, „Events wie diese helfen uns, dass Leute unsere Gegend besuchen und sich für Wales interessieren – und dass sie wissen, dass wir existieren.“

Rugby gleichauf mit Fußball

Die nicht immer einfache Beziehung zum großen Bruder im Vereinigten Königreich tut da ein Übriges, und wie gerne sich die Waliser von den Engländern speziell über den Sport emanzipieren, war ja gut bei der EM 2016 zu beobachten, als die tapferen Kicker im Zeichen des Drachens bis ins Halbfinale stürmten und die ganze Nation mitfieberte, während Three Lions sich lieber im Achtelfinale gegen Island blamierte. Wales hat darüber lauthals gelacht.

Ansonsten werden solche Erfolge leichter im Rugby gefeiert, und es gibt eine nette Klammer, dass die 1999 fertiggestellte Austragungsstätte ja eigentlich als Nationalstadion für die walisische Rugby-Nationalmannschaft dient. In den verschlungenen Katakomben hängen denn auch unzählige Bilder mit Heroen, die sich um ein Ei balgen. Diese alle abzuhängen, hätte auch die für ihre Regelungswut bekannte UEFA überfordert.

Das Dach bleibt zu

Dafür ist aber drinnen schon alles für den Fußball angerichtet. Die dem Juve-lager zugeteilte Fankurve ist mit dem Slogan „the time ist now“ (Die Zeit ist jetzt) überspannt, die gegenüberliegende Seite für die Madridistas ziert eine Zeile aus der Hymne „Hala Madrid y nada mas“ (Auf Madrid und sonst nichts). Das Dach ist übrigens geschlossen – und wird auch nicht aufgemacht. Natürlich auch aus Sicherheitsgründen, damit beispielsweise keine Drohnen hineinfliegen. Wie findet das eigentlich ein Nostalgiker wie Torwart-Legende Gianluigi Buffon?

„Wenn man ein Dach gebaut hat, sollte man es auch nutzen. Ich habe schon in Amsterdam oder bei der WM 2002 in Japan in solchen Stadien gespielt. Das macht keinen Unterschied“, versicherte der 39-Jährige am Freitagabend auf der Pressekonferenz. Dann kann es ja losgehen.

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