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Noch immer Hoffnungsträger - auch ohne Trophäen

Champions League | Liverpool - Barcelona

Jürgen Klopp spielt mit dem FC Liverpool eine fantastische Saison und könnte am Ende dennoch mit leeren Händen dastehen. Im Umfeld nimmt ihm das niemand übel, er hat dem Klub schon jetzt viel mehr gegeben.

Jürgen Klopp
Jürgen Klopp

Wenn nichts mehr hilft, hilft vielleicht noch eine Petition. Am Tag nach dem quasi unaufholbaren 0:3 Liverpools in Barcelona hatten ein paar englische Fans auf www.change.org eine Petition gestartet, um nachträglich eine Rote Karte gegen Lionel Messi zu erwirken, wegen eines äußerst zweifelhaften Foulspiels des Argentiniers vor dessen Freistoß zum Endstand.

Die UEFA - da muss man kein Prophet sein - wird der Petition nicht nachkommen, auch wenn bis zum Sonntagabend bereits über 13.500 Fans unterschrieben hatten. Die Initiatoren, das darf man wohl voraussetzen, dürften sich der Aussichtslosigkeit des Unterfangens bewusst gewesen sein. Aber in Zeiten kosmischer Ungerechtigkeit muss man eben zusammenhalten, muss seinen Beitrag leisten und alles versuchen. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt, und die Hoffnung heißt in diesem Liverpooler Jahr: Doch noch einen Titel zu gewinnen.

Die beste Saison der Vereinsgeschichte

Denn eigentlich ist es wirklich hanebüchen: Der FC Liverpool spielt möglicherweise die beste Saison seiner Vereinsgeschichte. 94 Punkte haben die Reds in der Liga gesammelt, bei nur einer einzigen Niederlage – seit 1993 hätte diese Ausbeute in jeder Saison zum Titel gereicht. Trotzdem droht Klopps Mannschaft – auch hier: die vielleicht beste der Vereinsgeschichte – am Ende um einen Punkt hinter Manchester City zu landen. Und in der Champions League hießen die nackten Zahlen nach dem Spiel in Barcelona 0:3. Obwohl Liverpool zeitweise überlegen war und sogar mehr Ballbesitz als die Hausherren hatte, was in Barcelona, in der Heimstatt des Ballbesitzfußballs, höchstens alle paar Jahre mal vorkommt.

Die Frage traf Jürgen Klopp daher überraschend. Ob er verflucht sei, wollte ein Journalist des Guardian wissen. Dreieinhalb Jahre ist es nun her, dass Klopp als großer Erneuerer und Hoffnungsträger nach Liverpool kam und sich dort als „Normal One“ vorstellte. Er hat den Klub wachgeküsst und auf ein neues sportliches Level gehoben, er hat aber auch: Das Europa-League-Finale 2016 und das Champions-League-Finale 2018 verloren und in dieser Saison zeitweise sieben Punkte Vorsprung auf Manchester City verspielt. Dennoch: Verflucht? „So denke ich überhaupt nicht“, sagte Klopp. „Ich bin gesund, meine Familie ist gesund, ich mache den Job, den ich liebe, das alles macht mich zu einer glücklichen Person. Im Fußball gibt es eben Umstände, durch die du verlierst.“ Umstände, die sich in Klopps Falle immer dann häufen, wenn es um Titel geht. Vereinsübergreifend hat er von sieben Finals sechs verloren.

Klopp in Kunstwerk verewigt

Allein: An der Wertschätzung der Fans in Liverpool ändert das nichts. Wer verstehen will, wie viel Jürgen Klopp schon jetzt in Liverpool erreicht hat, muss nur zur Ecke Jordan Street / Jamaica Street im Liverpooler Baltic District gehen. Dort, an einer roten Backsteinwand, fasst sich ein überlebensgroßer Jürgen Klopp auf das LFC-Wappen auf seiner Brust. Ein Kunstwerk des Street-Art-Künstlers Akse. „We are Liverpool. This means more“, steht darunter. Mehr auch als Titel. In anderen Klubs, in anderen Städten wäre das Kitsch oder noch schlimmer: PR. In Liverpool aber, bei diesem großen Klub, der so lange in einem Dornröschenschlaf weilte, ist das genau so gemeint.

Dass Klopp noch ohne Silberware dasteht, nimmt ihm niemand im Umfeld des Klubs übel, eben auch, weil die Entwicklung des Vereins mit Klopp auch ohne Titel auf der Überholspur stattfindet. Als er 2015 einstieg, hechelte der einstige Rekordmeister hinter den Manchester United, Chelsea, Manchester City und Arsenal hinterher. Bis auf Guardiolas City hat Klopp alle überholt. Und vor allem: Er hat mit seiner enthusiastischen Art für neues Leben in und um den Klub gesorgt. Erst vor kurzem hieß es im Liverpool Echo, man habe in dieser Saison eine neue Form der Einheit gespürt. „Einheit in der Mannschaft, im Trainerteam und unter den Fans. Selten hat sich eine LFC-Saison so offen und miteinbeziehend angefühlt, eine Reflektion des Charakters des Trainers. Die Fans weiden sich daran.“

Breitseite von Mourinho

Klopp hat den Klub geeint, nicht weniger. Außerhalb Liverpools ist von dieser Einigkeit naturgemäß nichts zu spüren. José Mourinho ätzte zuletzt, Klopp habe „rein gar nichts gewonnen“, auch Roberto Mancini, ehemals Trainer von Manchester City, meinte, in Italien würde man „erschossen“, wenn man in so langer Zeit keine Titel hole. Im Internet kursiert eine Fotomontage, die sich über Klopps vorgelebten Zusammenhalt mokiert. Während diverse Trainerkollegen mit Trophäen in der Hand zu sehen sind, umarmt Klopp seine Spieler. Der Tenor: Pokale zum Umarmen hat er keine.

In Liverpool interessiert das freilich niemanden. Zumal es ja auch nicht komplett ausgeschlossen ist, das Manchester City vielleicht doch noch patzt und Liverpool gegen Barca einen Sahnetag erwischt und ins Finale einzieht. Klar aber ist ohnehin: Auch ohne einen Titel im Jahr 2019 bleibt Jürgen Klopp das, was er schon 2015 bei seiner Vorstellung war. Ein Hoffnungsträger und Erneuerer.

Sa, 01.06.2019
Sa, 01.06.2019
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