Sie sind hier:

FC Sevilla: Leidenschaft und klare Philosophie

Bayerns Gegner im Porträt

Bayerns Champions-League-Gegner Sevilla ist der Außenseiter im Konzert der europäischen Megaklubs. Mit wenig Geld erreicht er großen Erfolg. Möglich machen das eine klare Definition als Verkaufsklub – und sehr viel Leidenschaft.

Spieler des FC Sevilla
Spieler des FC Sevilla

Womöglich gibt es mit Ausnahme von Liverpools berühmter Anfield Road kein Stadion in der Champions League, das schon vor dem Anpfiff so vibriert. Wenn im Ramón Sánchez Pizjuán die Vereinshymne des Sevilla Fútbol Club erklingt, dann erheben sich rund 40.000 Menschen und schmettern aus voller Kehle: „Hier stehen wir mit dir, Sevilla / Wir teilen den Ruhm in deinem Wappen / Stolz des Fußballs unserer Stadt.“

Das Publikum im zentrumsnahen Stadtteil Nervión ist ekstatisch und leidenschaftlich. Hätte Sevilla nicht diese starke Identität, der Klub hätte es kaum zu einem der erfolgreichsten des Kontinents gebracht.

Beim Umsatz nicht mal unter den Top 30

Fünfmal – 2006, 2007, 2014, 2015, 2016 (Rekord) – gewannen die Südspanier die Europa League (früher Uefa-Cup), nun stehen sie erstmals seit 1958 im Viertelfinale der Champions League (Europapokal der Landesmeister). Dabei verfügen sie wahrlich nicht über ausufernde Mittel. Die Region Andalusien gehört zu den wirtschaftsschwächsten in Spanien, einen Mäzen gab es nie, die TV-Gelder sind überschaubar. In der „Deloitte Money League“, dem Ranking der umsatzstärksten Vereine Europas, liegt Sevilla nicht mal unter den Top 30.

Viel Passion also, ein „pochendes Herz“, wie es in der Hymne heißt. Aber auch ein kühler Kopf und gute Arbeit. Die goldene Epoche begann mit diesem Jahrtausend. Damals kickte Sevilla vorübergehend in der zweiten Liga, konnte nicht mal die Trainingsbälle bezahlen und hatte außer einer Meisterschaft von 1946 und der ältesten Ultra-Gruppe Spaniens – den bis heute im Pizjuán tonangebenden „Biris“ – wenig zu bieten. „Der Klub war ein Desaster“, erinnerte sich „Monchi“ Rodríguez mal, der Sportdirektor, unter dem fortan alles anders werden sollte – und der Sevilla vorigen Sommer zum AS Rom verließ.

Überlebt die Klubphilosophie ihren Erfinder?

Monchi, zuvor Torwart des Klubs und diesem so verbunden, dass er die Spiele auf der Fantribüne schaute, definierte Sevilla als Scouting- und Weiterbildungsklub. Von Dani Alves über Ivan Rakitic bis Vitolo reicht die Liste der Talente, Schnäppchen oder anderswo Gescheiterten, die im Pizjuán zu Stars reiften und deren Verkäufe das Boxen über der eigenen Gewichtsklasse gegenfinanzierten. Ob dieses System auch ohne Monchi unter seinem Nachfolger Óscar Arias funktionieren wird, ist die Zukunftsfrage des Vereins.

Bisher kann sie nicht klar beantwortet werden. Mit dem teuersten Kader der Klubgeschichte gelang zwar der ersehnte Viertelfinaleinzug, auch das nationale Pokalendspiel (21. April gegen den FC Barcelona) ist erreicht. In der Liga allerdings liegt man 16 Punkte hinter einem Champions-League-Rang und muss sich sogar auf Augenhöhe mit dem ungeliebten Lokalrivalen Betis herumschlagen. Dazu war die Entlassung von Trainer Eduardo Berizzo kurz nach Rückkehr von einer Prostatakrebsoperation kein menschliches Ruhmesblatt. Hinter den Kulissen tobt ein erbitterter Streit um die Aktienmehrheit zwischen der Gruppierung von Präsident Pepe Castro und der seines Vorgängers José María del Nido. Dieser hatte zusammen mit Monchi die Erfolgsära aufgebaut – wurde allerdings wegen Korruption in seinem Anwaltsberuf zu Gefängnis verurteilt und verlor darüber auch sein Amt.

„Es heißt, du gibst nie auf“

Sevillas Erfolge mögen einem kleinen Märchen gleichkommen – aber glatt läuft es also auch hier nicht immer. Doch die pathosgeladene Vereinshymne beschwört ja nicht umsonst die Kämpfernatur des Vereins: „Es heißt, du gibst nie auf.“

Fakten zur Königsklasse

Tippcenter

Das ZDF-Tippcenter

Mit Bundesliga, Champions League und der Weltmeisterschaft 2018

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.