Die Könige Europas

Real Madrids historischer Erfolg in der Champions League

Real Madrid hat mit der ersten Titelverteidigung in der Champions League (seit dieser Wettbewerb so heißt) Maßstäbe gesetzt. Das 4:1 gegen Juventus Turin geriet zum Lehrstück des modernen Fußballs. Und dieses Team ist mehr als nur Cristiano Ronaldo.

Real Madrid
Real Madrid Quelle: reuters

Auch hinterher konnte es nur heißen: Real hatte an diesem Abend in der Cardiff Bay alles richtig gemacht. Noch bevor der nächste Platzregen die meisten Fans von der Mary Street rund um den Cardiff Market vertrieb, nahm die siegreiche Delegation nach einem atemberaubenden Champions-League-Finale den Charterflieger aus dem westlichen Teil des Vereinigten Königsreiches zurück in die spanische Hauptstadt, um lieber in der Heimat den Triumph zu feiern.

Schlaflose Nacht

Viel schlafen werde man zwar nicht, verriet Toni Kroos gegen Mitternacht in dem von Neonstrahlern erleuchteten Gängen des Millennium Stadium von Cardiff - und sein drei Jahre alter Sohn Leon gähnte auf dem Weg zum Bus beinahe schon demonstrativ, aber dafür wird die Heimkehr der Helden am Cibeles-Brunnen wohl noch eine Spur euphorischer als sonst zelebriert.

Mit dem 4:1 (1:1) gegen Juventus Turin ist Real Madrid eine Demonstration der Stärke gelungen, die in Fußball-Europa lange nachhallen wird.

Weil der spanische Meister am Ende den italienischen Titelträger, der in diesem Wettbewerb zuvor nur drei Gegentore kassiert hatte, überrollte wie eine Dampfwalze, der sich niemand und nicht mal auf Verteidigung und Torverhinderung spezialisierte Recken wie Giorgio Chiellini oder Gianluigi Buffon in den Weg stellen konnten.

Toni Kroos geht mit erhobenen Händen

"Es ist natürlich etwas Besonderes einen Titel zu verteidigen, den jede Mannschaft in Europa gerne haben will. Wahnsinn", berichtete Kroos, der bei seiner Auswechslung in der 89. Minute mit erhobenen Händen vom Platz marschierte - eine für ihn seltene Geste: "Erste Halbzeit war ausgeglichen, zweite Halbzeit waren wir die bessere Mannschaft. Ich hatte das Gefühl, wir hatten wir mehr Akku im Tank: Nach hinten heraus war es sehr verdient."

Kroos und Co. haben insofern nun eine Ära geprägt, weil sie den Henkelpott 2014 in Lissabon (4:1 nach Verlängerung gegen Atlético) und 2016 in Mailand (6:4 nach Elfmeterschießen wieder gegen den Stadtrivalen) ein drittes Mal binnen vier Jahren gewannen. Vermutlich wird in diesem Jahr nirgendwo sonst mehr besserer Fußball mehr gespielt als Reals zweite Halbzeit im walisischen Nationalstadion.

"Beste Halbzeit der Saison"

Die "beste Halbzeit der Saison“, hatte Real-Trainer Zinedine Zidane gesehen, der mit seinem Stab die optimale Trainingssteuerung hinbekommen hat. "Ich habe die letzten Wochen ja kaum mehr gespielt", erzählte Kroos beispielsweise.

Die gesparten Körner ermöglichten die Krönung für die königliche Garde, die sich noch einmal auf ein höheres Niveau gehoben hat, indem sie Kraft, Kampf und Kunst paart wie kein anderes Team auf dem Kontinent. Und alles bei einer Ballzirkulation in höchster Geschwindigkeit mit enormer Präzision.

Optimale Trainingssteuerung

"Heute ist ein historischer Abend für die ganze Madrid-Familie - Spieler, Trainerstab, Betreuer und die Fans. Es ist das Ende einer spektakulären Saison. Wir hätten uns das kaum besser vorstellen können", flötete „Zizou“ in einem Zelt neben dem walisischen Nationalstadion, "die Verfassung meiner Spieler war fantastisch, aber dahinter steckt harte Arbeit."

Der Stolz stand dem 44-Jährigen ins Gesicht geschrieben, der kahlköpfige Maestro grinste genüsslich, ohne überheblich zu wirken. Und auf die Frage, warum er binnen 17 Monate geschafft hat, was prominenten Vorgängern von José Mourinho, Carlo Ancelotti bis Rafa Benitez verwehrt blieb, entgegnete er ganz bescheiden: "Ich werde jetzt nicht sagen, dass ich gut bin. Ich liebe nur den Fußball." Triumphgeheul überlässt der Gentleman ganz den anderen.

Ronaldo diesmal der entscheidende Faktor

Etwa seinem Superstar Cristiano Ronaldo, dessen Beiträge sich an den Endspielen 2014 und 2016 in bescheidenem Rahmen bewegt hatten: Das eine Mal setzte er nur den Schlusspunkt und entblößte vor der Kamera seinen Oberkörper, das andere Mal trat er den letzten Elfmeter und inszenierte sich ähnlich - aber beide Male war "CR7" nicht der entscheidende Faktor. Anders in der Auflage 2017, die von seinem Doppelpack (20. und 64. Minute) mit entschieden wurde.

Als die Stilikone in seiner lilafarbenen Hose und in einem T-Shirt mit der Zwölf - für den Gewinn von "La Duodecima" - von seinem Lehrmeister Sir Alex Ferguson die Auszeichnung als "Spieler des Spiels" empfing, wirkte Ronaldo mächtig gerührt wie stolz: "Wir sind individuell und als Mannschaft außergewöhnlich gut. Das ist einer der besten Momente meiner Karriere."

Da musste der Beau erst 32 Jahre alt werden, um die K.-o.-Phase zum persönlichen Triumphzug umzudeuten: Fünf Tore im Viertelfinale gegen Bayern, drei im Halbfinale gegen Monaco und nun der Doppelpack gegen Juventus. "Cristiano hat uns seit dem Viertelfinale durch alle Runden geschossen. Du brauchst am Ende den, der die Tore macht", lobte Kollege Kroos im ZDF-Interview.




Cristiano Ronaldo will weiterspielen

Im Gegensatz zum Deutschen aber wird der Portugiese noch nicht die Beine hochlegen. "Zwei, drei Tage frei, dann kommt noch ein WM-Qualifikationsspiel", erklärte Ronaldo, der auch den Confed Cup in Russland fest eingeplant hat. "Es ist eine lange Saison, aber ich bin motiviert. 32 ist nur eine Zahl: Ich fühle wie ein junger Mann."

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