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Das besondere Wiedersehen

Champions-League-Finale Juventus Turin - Real Madrid

Real Madrid kann im Champions-League-Finale gegen Juventus Turin (Samstag 20:45 Uhr/ZDF live ab 20:25 Uhr) etwas Historisches schaffen. Für Trainer Zinedine Zidane wird es ein doppelt bedeutsames Ereignis.

Zinedine Zidane
Zinedine Zidane
Quelle: reuters

Vermutlich hat Zinedine Zidane noch nie Speisen wie Cawl, Welsh rarebit oder Welsh lamb probiert. Der Eintopf, Käse auf Toast oder Lamm walisischer Art stehen gemeinhin nicht auf dem Speisezettel eines Weltstars, der auch als Trainer auf ein schlankes Erscheinungsbild großen Wert legt. Und mag der Franzose in seiner Karriere noch so viel herumgekommen sein: Cardiff mit seinem etwas eigenartigen Geschmack liegt selten auf der Reiseroute eines global operierenden Fußball-Unternehmens, wie Real Madrid nun einmal eines ist.

In der Hafenstadt im Süden von Wales tritt das Starensemble mit seinem Startrainer nun im Champions-League-Finale gegen Juventus Turin an (Samstag 20:45 Uhr/live ZDF) an. Für Zidane ist es eine besonders bedeutsame Begegnung: Elf Mal ging der Henkelpott bereits an Real, und 2002 war die Stilikone mit einem spektakulären Kunstschuss gegen Bayer Leverkusen (2:1) selbst maßgeblich am Gewinn beteiligt.

Es braucht keinen zusätzlichen Ansporn

Um das nächste Mal diese Trophäe zu empfangen, musste er erst Trainer werden: Im Showdown gegen den Stadtrivalen Atlético feierte Zidane im Vorjahr seinen größten Erfolg der jungen Trainerkarriere, trotzdem ging ihm hernach auf der Pressekonferenz im San Siro in Mailand jedes Triumphgeheul ab.

Am Freitag nun wird er im Millennium Stadion von Cardiff wieder vor der Weltpresse sitzen, um über sein zweites Endspiel aus dieser Perspektive zu sprechen – und er wird wohl wieder leise Worte wählen, obwohl Historisches ansteht: An der Mission Titelverteidigung hat sich die geballte Fußballlehrer-Prominenz bis heute verhoben. „Die Motivation existiert einfach nur, weil wir erneut ein Champions-League-Finale spielen“, sagte der 44-Jährige in einem UEFA-Interview.

„Zizou“ gibt die große Klammer

Der meist erhaben im Maßanzug mit Händen in den Taschen in der Coaching Zone stehende Cheftrainer liefert die große Klammer, die das Duell zwischen dem spanischen und italienischen Renommierklub überwölbt wie das verschließbare Dach das walisische Nationalstadion. Denn bevor der dreimalige Weltfußballer mit dem instinktsicheren Gefühl für Ball, Raum und Zeit ein halbes Jahrzehnt für das weiße Ballett tanzte, hatte er genauso lange für Juventus gespielt.

In dieser Phase (1996 bis 2001) stieg er zum Weltstar – und zum Welt- und Europameister auf. „Ein großer Klub, der mir half, mich weiterzuentwickeln. Ich habe unendlich viel gelernt, ich bin als Spieler wie auch als Mensch gereift“, sagt „Zizou“ zum Wiedersehen. 24 war er damals, als er von Girondins Bordeaux kam, „ich war nicht richtig integriert, alle sagten, ich sei ein Fehleinkauf“, erinnert sich Zidane an diese prägende Zeit. Die „Alte Dame“, damals noch von Marcello Lippi befehligt, werde immer einen Platz in seinem Herzen haben, „doch wenn das Finale beginnt, werde ich nur an meine Mannschaft denken.“

Real-Trainer wirken austauschbar

Besser wäre es: Sein Arbeitgeber hat ganz im Gegensatz zum Erzrivalen FC Barcelona zuletzt eher wenig Rücksicht auf die Verdienste seiner Trainer genommen. Eine Ära prägen, so wie es Johan Cruyff, Pep Guardiola und auf seine Art auch Luis Enrique bei den Katalanen schafften, ist bei den Königlichen fast ein Ding der Unmöglichkeit. Zumindest so lange Präsident Florentino Pérez das Sagen hat.

Immerhin: Pérez vertraut Zidane, den der mächtige Boss im Januar 2016 nach der Trennung von Rafa Benitez befördert hat. Vielleicht weil der Unternehmer gespürt hat, wie der Sohn algerischer Einwanderer sich für den Rollenwechsel im Reserveteam von Real präpariert hat. „Fußball ist eine meiner großen Leidenschaften“, betont Zidane. „Ich habe hart an mir gearbeitet, bis ich Trainer werden konnte. Das ist sicher kein leichter Job.“

Die Ergebnisse stimmen

Dabei geht der fünffache Familienvater mit kühlem Kopf vor. Die jähzornige Seite, die sich ja nicht nur im Kopfstoß im WM-Finale 2006 gegen Italien, sondern in 14 Platzverweisen zeigten, ist einer bemerkenswerten Selbstkontrolle gewichen. Seine Öffentlichkeitsarbeit taugt selten zu Schlagzeilen, weil sie von höflichen Manieren und wiederkehrenden Floskeln geprägt ist. Da weiß einer, was zu tun ist, um in diesem komplexen Fußball-Unternehmen, in dem sich vielfältige Einflüsse bündeln, nicht anzuecken. Das gelingt, weil sein Team die gewünschten Ergebnisse abliefert.

Allein vier Titel, kürzlich gerade erst die 33. Meisterschaft, hat Zidane seit Amtsantritt geholt - und in dem für einen global operierenden Sport- und Unterhaltungskonzern wichtigsten Wettbewerb im Frühjahr erst seinen früheren Lehrmeister Carlo Ancelotti bezwungen, dann den unbeugsamen Widersacher Diego Simeone gezähmt.

Feinabstimmung stimmt

Allein der Hype um Torgarant Cristiano Ronaldo verhinderte die angemessene Würdigung, dass Real auch mannschaftstaktisch überzeugte. Die tatendurstigen Außenverteidiger Daniel Carvajal und Marcelo oder das taktsichere Dreier-Mittelfeld mit Abräumer Casemiro, Genius Luka Modric und Passmaschine Toni Kroos; sie alle stiegen speziell gegen den FC Bayern zu heimlichen Helden auf und hätten nicht so geglänzt, wenn ihr Trainer in der Feinjustierung wesentliche Dinge falsch gemacht hätte.

Es heißt, Zidane verstehe es meisterhaft, schwer zu steuernde Einzelspieler auf Kurs zu halten – und bei gelegentlichen Rückschlägen die Haltung zu wahren, in dem er zu gewissen Themen einfach schweigt. Vielleicht weil er weiß: Das Wichtigste im Fußball liegt jenseits der Worte.

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