Besuch beim Deutschland-Schreck Conceicao

Fußball - Champions League: FC Porto - RB Leipzig

Sérgio Conceição schoss den DFB bei der EM 2000 in seine tiefste Krise. Inzwischen trainiert er den FC Porto. Mit Erfolg – doch bei Leipzigs Champions-League-Gegner weht seitdem ein rauer Wind, dem sogar Torwartlegende Iker Casillas zum Opfer fiel.

Sergio Conceicao, Trainer FC Porto
Sergio Conceicao, Trainer FC Porto Quelle: epa

Ein Kopfball-Abstauber, ein haltbarer Fernschuss und die perfekte Vollendung eines Konters: Das war der Dreiklang, mit dem Sérgio Conceição den deutschen Fußball aus den Angeln hob. Mit seinen Toren für eine portugiesische B-Elf im abschließenden Gruppenspiel der EM 2000 beförderte Conceição die DFB-Elf nicht nur aus dem Turnier, sondern auch in eine tiefe Identitätskrise – und damit in jene Reformdebatte, aus der letztlich Fußballinternate und moderne Spielsysteme erwuchsen.

„Konfliktiv, autoritär, aggressiv“

17 Jahre später darf sich Deutschland als amtierender Weltmeister und Confed-Cup-Sieger wieder auf dem Fußball-Gipfel fühlen – und Conceição, 42, trainiert den FC Porto, der an diesem Mittwoch RB Leipzig in der Champions League empfängt. Es ist der bisher wichtigste Job einer Karriere, die ihn in sechs Saisons schon zu sechs verschiedenen Vereinen geführt hat. Womit gleich klar wird: so ein richtig einfacher Typ ist der fünffache Familienvater und gläubige Katholik nicht.

Das war schon als Aktiver so: In der Spätphase seiner Karriere wurde er bei Standard Lüttich mal für vier Monate gesperrt, weil er einen Gegenspieler bespuckt und dem Schiedsrichter das Trikot ins Gesicht geworfen hatte. Als Trainer klassifizieren sie ihn bei seinen Ex-Klubs als nachgerade cholerisch. Sporting Braga warf ihm im offiziellen Trennungsschreiben vor, er sei „konfliktiv, autoritär und aggressiv“.

Benfica im Zaum halten

Wo er sich früher gern mit den Vorgesetzten anlegte, trägt er seine Scharmützel jetzt eher mit den Medien aus. Im französischen Nantes, das er vorige Saison als Retter noch von Platz 19 auf Platz sieben der Ligue 1 führte, stritt er sich mit den Reportern sogar mal um die Definition von Pressefreiheit. Auch in Porto hat er sich natürlich schon wieder über dieses und jenes aufgeregt oder Interviewpartner einfach stehengelassen. Aber das ist bisher kein Problem: zu gut ist seine Arbeit.

Mit neun Siegen und einem Remis aus zehn Spielen führt Porto in der Ligatabelle zwei Punkte vor Sporting und fünf vor dessen Lissabonner Lokalrivalen Benfica. Das ist besonders wichtig, denn Benfica hat die letzten vier Meisterschaften gewonnen. Fünf am Stück aber gelangen bisher nur Porto (1995-1999). Dabei soll es unbedingt bleiben im ewigen Prestigeduell der Großklubs aus dem Norden und Süden Portugals. Die Champions League, in der gegen Leipzig eine Vorentscheidung um den zweiten Platz hinter dem wohl bereits enteilten Besiktas fallen dürfte, ist dagegen fast zweitrangig.

Jeder kennt seine Aufgabe

Beim 2:3 im Hinspiel wurde Porto teilweise überrollt – dabei macht das Conceição eigentlich selbst gern so. Porto erdrückt die Gegner eher mit seiner Physis, als dass es sie subtil ausspielt, aber wie am Samstag beim 3:0 im Derby bei Boavista sieht man eine Mannschaft mit viel Teamgeist, in der jeder weiß, was er zu tun hat. Was ja immer für die Handschrift eines Trainers spricht. „Bei uns spürt man enorme Lust auf die Arbeit miteinander“, sagt dieser selbst. „Wir haben ein fantastisches Ambiente.“

Mit einem harten Hund vorneweg, wie Conceição zuletzt an einem spektakulären Exempel statuierte. Nach der letzten Länderspielpause setzte er den einzigen Star seines Kaders, den spanischen Ex-Welttorwart Iker Casillas, 36, ohne erkennbaren Grund auf die Bank. „Ich muss kohärent bleiben“, sagt er, denn Ersatzmann José Sa, 24, habe einfach besser trainiert. Dass die Ausbootung der Legende ein Risiko ist, weiß er natürlich. Aber Kritik hat einen wie Sérgio Conceição noch nie gestört.

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