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In der Komfortzone des Außenseiters

Champions League | Borussia Dortmund - FC Barcelona

Borussia Dortmund will im Showdown mit dem FC Barcelona (Dienstag, 21 Uhr) ein großes Ding drehen. Warum nicht? Gegen Top-Gegner kommen die BVB-Stärken oft besser zum Tragen.

Borussia Dortmund
Borussia Dortmund ist gut drauf und will den Favoriten ärgern.
Quelle: imago

Die Konzentration hat gestimmt: "Wir haben nicht eine Sekunde an Barca gedacht", lobte BVB-Trainer Lucien Favre jüngst nach der 4:0-Gala seiner Elf über Bayer Leverkusen. Brauchten die Spieler von Borussia Dortmund aber auch nicht, denn günstige Terminplanung bescherte dem Vizemeister ein perfektes Sparring für den Königsklassen-Kracher gegen Barcelona. Im Liga-Duell mit Bayer-Coach Peter Bosz, als bekennender Cruyff-Jünger mit Barca-Denke versehen, konnte der BVB en passant proben, wie es sich gegen viel Ballbesitz und Angriffswucht anspielen lässt.

Volle Offensiv-Power beim FC Barcelona

Natürlich ist Barcelona eine andere Hausnummer. Zumal Lionel Messi wohl rechtzeitig fit wird zum Champions-League-Auftakt der Gruppe F und Gäste-Coach Ernesto Valverde beim ersten Showdown in Dortmund auf die geballte Offensiv-Power mit Topstürmer Luis Suarez, Weltmeister Antoine Griezmann und Wunderkind Ansu Fati setzen kann. Trotzdem ist die Ausgangslage für die Westfalen nicht hoffnungslos. Gerade gegen starke Gegner stehen sie oft gut, weil es ihrem Spielsystem entgegenkommt und sie in ihre Komfortzone rücken können.

So war gegen Leverkusen nicht der wiedererstarkte Marco Reus der Mann des Spiels, trotz seines Doppelpacks. Nicht Jadon Sancho, der trotz mäßiger Partie noch für zwei Assists gut war. Selbst Paco Alcacer nicht, der sein Trefferkonto inklusive Länderspiele auf stolze 10 in acht Pflichtspielen schraubte und nun zeigen will, dass sein Ex-Klub Barcelona ihn besser nicht verschmäht hätte.

Matchwinner Delaney

Vielmehr war es Thomas Delaney, der dänische Dynamo im defensiven Mittelfeld und einer der Garanten für die grandiose Hinrunde der Vorsaison. Weil er dem BVB half, endlich wieder ohne Gegentor zu bleiben. Das sah wohl nicht nur Sportdirektor Michael Zorc so: "Thomas hat gefühlt 200 Zweikämpfe geführt und 210 gewonnen."

Delaney verbaute strategisch die Räume für Bayers Angriffe und drängte den Gegner immer wieder nach außen in ungefährliche Zonen. "Wir hatten lange Phasen ohne Ball, aber wir haben gut verschoben. Das kann auch gegen Barcelona wichtig werden", analysierte der 28-Jährige. Wissend, dass sich die Katalanen noch ausgeprägter durch die Mitte Richtung Strafraum kombinieren.

Gerade gegen spielstarke Gegner läuft Delaney regelmäßig zu großer Form auf. Gerade gegen sie kann er an der Seite von Axel Witsel seine volle Kraft entfalten. Auch gegen die Spanier dürfte er die bessere Variante sein als der etwas ballsichere Julian Weigl. Zwischen all den Hochbegabten und Offensivstars braucht es für die Balance eben auch ein robusteres Element. Selbst für die Ballzauberer aus Barcelona gilt das, selbst wenn Ivan Rakitic aktuell nicht mehr erste Wahl ist.

Ultrahohes Pressing

Ein hoher eigener Anteil beim Ballbesitz bleibt Dortmunds, insbesondere Favres Anspruch. Aber zum Credo des Trainers gehört seit jeher auch, dass seine Teams ohne ultrahohes Pressing effizient kontern. Mit Raketen wie Reus oder Sancho, Thorgan Hazard oder Außenverteidiger Achraf Hakimi funktioniert das selbst bei Ballgewinn tief in der eigenen Hälfte.

Zumal Abwehrchef Mats Hummels stets für öffnende Pässe zu haben ist. Ebenso Manuel Akanji, der sich nach schwachem Saisonstart jüngst stark verbessert zeigte: Sein geistesgegenwärtiger Longline-Ball vorm zweiten BVB-Treffer gegen Leverkusen war alleine den Eintritt wert.

Vorsicht bei Freistößen im Zentrum

In der vergangenen Saison, sowie zuletzt gegen Außenseiter wie Köln oder Union Berlin, war der BVB oft damit überfordert, wenn sich extrem körperlich spielende Gegner gallig und mit Härte an der Grenze des erlaubten in die Zweikämpfe warfen.

So dürfte es dem Team entgegenkommen, dass Barca selbst kniffligste Situationen spielerisch lösen will. Fehlende Motivation dürfte für das Highlight gegen den großen Favoriten ohnehin kein Thema sein und ein emotionaler Wirbelwind an der Seitenlinie, den so mancher BVB-Fan vermisst, ist bei dieser speziellen Aufgabe vielleicht noch am ehesten entbehrlich.

Selbst bei Standards, Dortmunds Dauerbaustelle, droht realistisch betrachtet eher eingeschränkt Gefahr. So viele Kopfball-Ungeheuer stehen nicht in Diensten der Katalanen, abgesehen von Hüne Gerard Pique, den es vor allem bei Ecken im Blick zu halten gilt. Die große Ausnahme - klar - bleiben Freistöße im Zentrum, die der BVB um jeden Preis vermeiden sollte. Messi braucht nun mal keine Abnehmer für seine Zauberbälle, die fallen meist ganz von selbst ins gegnerische Tor.

von Patrick Brandenburg

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