Wengers Denkmal beim FC Arsenal wackelt

Das Titelrennen ist verloren, in der Champions League droht gegen den FC Bayern zum siebten Mal in Folge das Aus im Achtelfinale. Im Sommer könnte passieren, was viele Arsenal-Fans schon lange herbeisehnen: Ein Ende der Ära von Trainer Arsene Wenger.

Arsene Wenger
Seit 1996 im Amt: Arsenal-Coach Arsene Wenger Quelle: dpa

Alex Oxlade-Chamberlain ist ein Publikumsliebling bei den Gunners. Auf Twitter lässt „The Ox“ die Fans an seinem Leben teilhaben und auf dem ohnehin großartigen Klub-Sender „Arsenal TV“ kann man „The Ox“ schonmal beim Kochen oder anderen Blödeleien zusehen. Sein jüngstes Social-Media-Verhalten dürfte bei den Arsenal-Verantwortlichen allerdings nicht gerade für Begeisterung gesorgt haben.


Wunder Punkt

Anfang Februar sorgte der Flügelspieler nämlich für Irritationen, als er auf Twitter einen Anti-Wenger-Tweet eines Arsenal-Fan-Accounts mit „Gefällt mir“ markierte. So sahen die 2,2 Millionen Menschen, die Oxlade-Chamberlain bei Twitter folgen, wie der 23-Jährige augenscheinlich zu seinem Trainer steht: „Wenger muss gehen"", hieß es dort. Alles ein Versehen, beteuerte „The Ox“ im Nachgang und entschuldigte sich bei Wenger, dem Klub und den Fans. Der Schaden war da allerdings schon angerichtet.



Denn die Resonanz auf den harmlosen Fauxpas berührte einen wunden Punkt im Gefühlsleben des Vereins und seiner Anhängerschaft: Die Frage, ob Arsenals ewiger Trainer Arsene Wenger nach bald 21 Jahren als Chefcoach nicht lieber aufhören sollte. „Die Revolution startet mit dir, Alex“, antwortete ein Fan auf Oxlade-Chamberlains Entschuldigungs-Tweet. „Wir sind bei dir“, ein anderer. In den Sozialen Medien zeigte sich, was lange undenkbar schien: Arsene Wengers Denkmal bröckelt. Und das sehr deutlich.


Letzte Meisterschaft war 2004

Seit 1996 ist Wenger nun Chefcoach der Gunners, insbesondere seine ersten zehn Jahre sind eine einzige Aneinanderreihung von Erfolgen. Er gewann das Double 1998 und 2002, 2004 wurden seine sogenannten „Invincibles“ Meister, ohne ein einziges Spiel zu verlieren. Das ist der Stoff, aus dem Legenden sind. Wäre da nicht der Umstand, dass sich Wengers Erfolg seit der letzten Meisterschaft 2004 in engen Grenzen hält.

Zwar konnte der Elsässer mit Arsenal 2005, 2014 und 2015 noch den FA-Cup gewinnen und ist mit den Gunners Stammgast in der Champions League, in der Liga aber ist Arsenals Abschneiden als ewiger Vierter mittlerweile ein Running Gag geworden. Aktuell hat Arsenal bereits zehn Punkte Rückstand auf den FC Chelsea, der Meister wird auch dieses Jahr aller Wahrscheinlichkeit nach nicht Arsenal heißen.

Auch wenn Wenger darauf beharrt, das noch nichts entschieden ist: „Es ist niemals vorbei“. Das dürften die Fans anders sehen. Vor Jahren wurden Arsenal-Fans, die Anti-Wenger-Plakate im Stadion hochhielten, noch von anderen Anhängern angegriffen. Mittlerweile sieht man die Schilder mit dem Schriftzug „Genug ist genug“ immer häufiger.

Verfehlte Transferpolitik

Die Vorwürfe, die die Fans Wenger machen, sind dabei seit Jahren die gleichen: Eine zu geringe taktische Flexibilität und, das vor allem, eine verfehlte Transferpolitik. Während die übrigen Spitzenklubs der Premier League mit internationalen Top-Stars aus ganz Europa aufrüsten, sind Mesut Özil und Alexis Sanchez die einzigen beiden Weltklasse-Spieler, die sich Wenger in den letzten Jahren gegönnt hat. Ansonsten besteht der Kader zumeist aus jungen, entwicklungsfähigen, spielerisch und technisch gut ausgebildeten Spielern, aus denen Wenger aber viel zu selten wirkliche Top-Stars formt. In einer einzelnen Partie kann die junge Mannschaft ihre ganze Klasse abrufen, einen Spieltag später heißt es dann 1:2 gegen Watford. Für die lange Strecke der Meisterschaft ist das zu wenig, und das seit Jahren. Warum Wenger nicht zu seinem einstigen Konzept zurückkehrt und um ein stabiles Korsett aus Weltklasse-Spielern a la Vieira, Bergkamp und Henry eine titelreife Mannschaft formt, bleibt schleierhaft.

Mitten in die Unruhe hinein hat der Arsenal-Vorstand Wenger einen neuen Zweijahres-Vertrag vorgelegt. Aber unterschreibt er ihn auch? Unlängst kursierten Gerüchte, dass der Elsässer am Ende der Saison tatsächlich Schuss macht. Arsenal-Ikone Ian Wright sagte dem BBC Radio nach einem Treffen mit Wenger, dieser habe Andeutungen über seinen Rückzug gemacht. „Ich war mit Arsene ein paar Stunden zusammen. Als ich ihn ansah, hatte ich das Gefühl: Das war's. Er sagte, dass seine Zeit zu Ende gehen wird. Er sieht müde aus.“ Eine Aussage, die Wenger nach dem 2:0-Sieg gegen Hull City umgehend dementierte: „Ich bin nicht müde. Ich glaube, dass Wright mich falsch interpretiert hat. Ich bin noch nicht bereit für mein Karriereende.“

Verhandlungen mit Topstars ziehen sich hin

Nur sind seine Mannschaften eben auch seit Jahren nicht bereit für den Titel. Um die Diskussion nicht vollends entgleisen zu lassen, wäre eine erfolgreiche Saison in der Champions League hilfreich. Dort ist Arsenal aber seit 2011 jeweils im Achtelfinale ausgeschieden, zweimal davon gegen die Bayern. Vor dem Spiel ging Wenger nun in die Offensive und nahm seine Spieler in die Pflicht, insbesondere Mesut Özil: „Er müsste mal wieder treffen. Ich weiß auch nicht, warum er sein Leistungsvermögen nicht abruft.“ Özil hat nach starkem Saisonauftakt zurzeit mit einer veritablen Krise zu kämpfen, dass der Trainer öffentlich seinen Spielmacher anzählt, ist dennoch seltsam. Und auch nicht unproblematisch.

Denn Özil befindet sich, genauso wie Alexis Sanchez, derzeit in Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung mit Arsenal. Diese ziehen sich allerdings seit Monaten hin. Sollten sie erfolglos verlaufen, liefe Arsenal Gefahr, seine beiden besten Spieler zu verlieren. Spätestens dann würde der Arsenal-Anhang vollends gegen Wenger meutern. Und möglicherweise ja auch der ein oder andere Spieler in den sozialen Netzwerken.

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