Der neue Ashley Cole?

Champions League: FC Bayern - Celtic Glasgow

Kieran Tierney ist das Ausnahmetalent Celtics und könnte den Bayern im Champions-League-Gruppenspiel (Mi., 20:45 Uhr/live im ZDF) richtig weh tun. Das Tragische an der Sache: Um den endgültigen Durchbruch zu schaffen, müsste Tierney seine große Liebe verlassen.

Kieran Tierney (Glasgow Celtic)
Kieran Tierney (Glasgow Celtic) Quelle: reuters

Kolo Toure ist ein gelassener Mann. Der Ivorer hat in seiner bewegten Karriere 354 Spiele in der Premier League bestritten, gehörte einst zu den legendären "Invincibles" von Arsenal London, die in der Saison 2003/04 kein einziges Spiel verloren, und genug Titel hat Toure ebenfalls gesammelt. Und er hat bei Arsenal, Manchester City, Liverpool und Celtic Glasgow eine Menge junge Talente kommen und gehen sehen. Man darf also mit Fug und Recht behaupten: Wenn Kolo Toure einen jungen Spieler über den grünen Klee lobt, dann weiß er, wovon er redet.

Mittlerweile ist Toure Teammanager bei Celtic Glasgow und ließ sich vor kurzem zu bemerkenswerten Worten hinreißen. Dieser 20-jährige Kieran Tierney, der da die linke Abwehrseite Celtics bekleidet, sei vom Potential vergleichbar mit Ashley Cole. "„Er ist in jedem Spiel gut. Er ist nicht der größte, aber ein Kämpfer. Er verteidigt gut, er ist gut in der Offensive, er ist mit jedem Zentimeter ein moderner Außenverteidiger. Kann er Ashley Coles Level erreichen? Absolut. Er hat großartiges Potential." Ashley Cole, das muss man dazu wissen, gilt als der beste Außenverteidiger seiner Generation und machte zwischen 2001 und 2014 107 Länderspiele für England, während er auf Vereinsebene Titel um Titel gewann. Sehr viel größer kann eine Referenzgröße für britische Außenverteidiger nicht mehr sein.

Das Next Big Thing des britischen Fußballs

Allein: Touré ist lediglich der letzte in einer langen und illustren Reihe britischer Fußballgrößen, die Tierneys außergewöhnliches Talent hervorheben. Steven Gerrard, Gary Lineker, John Hartson – sie alle haben Kieran Tierney als das Next Big Thing des schottischen, vielleicht gesamtbritischen Fußballs ausgemacht. Das schöne daran: der schmächtige Junge von der Isle of Man scheint diesen Ansprüchen gerade gerecht zu werden.

Tierney, der im Alter von zehn Monaten nach Glasgow kam, wuchs in einer Celtic-verrückten Familie auf. Nachdem er sämtliche Jugendteams der "Bhoys" durchlaufen hatte – Tierney ist im Verein, seit er sieben Jahre alt ist – debütierte er 2015 in der ersten Mannschaft. Zwei Jahre später ist er bereits eine Stütze des Teams. Dynamisch und mutig im Vorwärtsgang, bissig und kompromisslos in der Defensive, hinzu kommt eine erstaunliche Konstanz, die das Spiel des schnellen Eigengewächses auszeichnet – dem jungen Alter zum Trotz. Seine Klasse zeigt Tierney mittlerweile nicht mehr nur in der vergleichsweise schwachen heimischen Liga, sondern auch in der Champions League, wo er zuletzt gegen Anderlecht eine regelrechte Gala-Vorstellung hinlegte. Glaubt man Gerrard, Toure und Co., schauen die europäischen Top-Klubs bei Tierney derzeit ganz genau hin. Und auch der FC Bayern soll laut "Express.co.uk" bereits 2016 Interesse signalisiert haben.

Führungsspieler und Publikumsliebling gleichermaßen

Was die Top-Klubs in Tierney sehen, liegt auf der Hand: Der Junge ist mehr als nur ein hoffnungsvolles Talent - gerade hat er zweimal nacheinander die Auszeichnung zum besten jungen Spieler Schottlands erhalten - er ist auch noch vielseitig. Für Celtic spielt Tierney auf seiner Stammposition, in der Schottischen Nationalelf, in die er 2016 das erste Mal berufen wurde und bislang achtmal auflief, spielt er teilweise Rechtsverteidiger, auch als Innenverteidiger einer Dreierkette kann er einspringen. Hinzu kommt sein Potential, neben den sportlichen auch seine Qualitäten als Führungsspieler einbringen zu können. Selbst wenn das mitunter wehtut.

Im Pokalfinale gegen Aberdeen im vergangenen Mai brach sich Tierney in einem Luftduell den Oberkiefer und wurde in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht. Nach der Untersuchung blieb Tierney indes nicht in der Klinik, sondern sprintete zurück zum Stadion, um bei der Pokalübergabe dabei sein zu können. "Es war den Schmerz wert", twitterte ein grinsender Tierney anschließend aus der Kabine, den Pokal in den Händen, auch wenn dieses Grinsen ordentlich weh getan haben dürfte. Das ist der Stoff, aus dem Führungsspieler und Publikumslieblinge gleichermaßen gemacht sind.

Auf dem Weg zur Vereinslegende

Ohnehin ist die Beziehung zu den Fans und zu seinem Heimatverein etwas Besonderes, was die Frage erlaubt, ob Tierney überhaupt irgendwann in eine größere Liga wechseln will. 2016 verlängerte er seinen Vertrag bei Celtic um fünf Jahre, sein Trainer Brendan Rodgers, unter dem Tierney nochmals einen riesengroßen Schritt machte, sagte zudem: "Wir sind kein Verein, der verkaufen muss." Für Celtic auf dem Platz zu stehen, und sogar die Kapitänsbinde zu tragen, wie er es im August das erste mal tat, bedeutet für Tierney nicht weniger als seinen Traum zu leben. Er ist derart tief mit diesem großen, emotionalen Klub verbunden, dass sein Mitspieler Patrick Roberts vor Kurzem sagte: "Kieran schläft wahrscheinlich immer noch in Celtic-Bettwäsche. Er liebt diesen Klub."

Dass das nicht übertrieben ist, zeigt auch die Art und Weise, wie Tierney über seinen Heimatverein spricht: "Als Kind träumen viele davon, einmal in der englischen Premier League zu spielen. Aber ich habe immer nur davon geträumt, für Celtic zu spielen. Ich habe immer nur das Celtic-Trikot getragen." In der Geschichte Celtics gibt es einige Spieler, die auf eine noch größere Karriere verzichteten, um zur Vereinslegende dieses sehr besonderen Klubs zu werden, man denke nur an Henrik Larsson. Um der nächste Ashley Cole zu werden, dürfte es für Tierney auf Dauer allerdings nicht reichen, an den Wochenenden gegen Kilmarnock oder Ross County zu kicken und lediglich in den Champions-League-Spielen wirklich gefordert zu werden. Das dürfte auch Tierney bewusst sein. Stellt sich nur die Frage, ob ihm das vielleicht nicht so wichtig ist.

Champions League 2017/18

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