Wie gut passt Wagner zu den Bayern?

Wagner als Back-up zu holen scheint für den FC Bayern der Königsweg

Vor der Gruppenpartie beim RSC Anderlecht (Mittwoch, 20:45 Uhr live im ZDF) geht es bei den Münchnern auch um die mögliche Verpflichtung von Hoffenheims Wagner. Zu klären ist nicht nur dessen Ablöse, sondern auch, wie gut der Angreifer als Back-up für Lewandowski geeignet wäre.

Sandro Wagner
Hat derzeit gut lachen: Sandro Wagner Quelle: dpa

Zu Beginn ein kleines Gedankenspiel: Gut vorstellbar wäre es gewesen, dass sich Sandro Wagner mit auf den Weg zum RSC Anderlecht gemacht hätte. Das vorletzte Gruppenspiel des FC Bayern in der Champions League an diesem Mittwoch (20:45 Uhr live im ZDF) wäre nach der bereits erreichten Qualifikation fürs Achtelfinale geradezu prädestiniert für die angedachte Rolle, die der Angreifer der TSG Hoffenheim in der zweiten Saisonhälfte bei den Münchnern einnehmen soll. Robert Lewandowski hätte zumindest phasenweise vom Dauerdienst befreit werden können. Er hätte sich vom erholsamen Bankplatz angeschaut, wie Wagner seine Rolle beim belgischen Rekordmeister ausfüllt. Vielleicht wäre dabei für den "Back-up" ein Tor abgefallen, das ihn ein Stück näher zur WM 2018 in Russland bringt. Am Samstag im Ligatopspiel bei Borussia Mönchengladbach hätte sich Lewandowski dann wieder in der Startelf eingefunden und sich dem Gewinn der Torjägerkanone ein Stück weiter genähert.

Win-Win-Szenario?

Ein paar Wagner-Festspiele und damit Verschnaufpausen für den unangefochtenen ersten Angreifer Lewandowski, garniert von Joker-Einsätzen Wagners, in denen er weitere Beiträge leisten kann zu den Erfolgen der Bayern und seinen eigenen – so ungefähr sieht der Plan wohl idealerweise aus. Dieser impliziert, gewappnet zu sein für einen möglichen Ausfall Lewandowskis. In der Vorsaison hatte seine Schulterverletzung zum Aus im Viertelfinale gegen Real Madrid beigetragen. Und noch immer gibt der Kader keinen echten Ersatz her.

Wagner zählte am Dienstag selbstredend nicht zur Reisegruppe des FC Bayern, präsent war der bald 30 Jahre alte Nationalstürmer vor dem Abflug nach Brüssel dennoch. „Bekanntermaßen macht der Transfermarkt am 1. Januar auf. Wir haben viel Zeit und Ruhe, um zu überlegen und die richtige Entscheidung zu finden“, sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge auf dem Münchner Flughafen zum längst öffentlich gewordenen Poker mit Hoffenheim und dem Spieler. „Es ist gleichzeitig vereinbart worden, dass man keine Wasserstandsmeldungen abgibt. Wir werden das intern diskutieren und dann wird man weitersehen“, sagte Rummenigge.

Wagner in aller Munde

Nach den Einschätzungen der Branche geht es dabei nur noch um die Höhe der Ablöse für Wagner, der seinen Vertrag in Hoffenheim erst kürzlich bis 2020 verlängert hatte und für den offenbar rund 15 Millionen Euro aufgerufen werden. Und die Branche findet überwiegend auch, dass die Münchner einen sinnvollen Transferplan für die Winterpause verfolgen. „Sandro ist ein klasse Spieler“, urteilte sein früherer Hoffenheimer Teamkollege Sebastian Rudy, „er wäre auf jeden Fall eine Verstärkung.“

Trainer Jupp Heynckes findet, Wagner habe „sich sehr gut entwickelt“. Sein aktueller Coach Julian Nagelsmann attestierte dem Spätstarter Wagner, sich im Kombinationsspiel deutlich verbessert zu haben. In einer Zeitungskolumne waren ihm zwar einmal „die technischen Möglichkeiten eines Vorschlaghammers“ bescheinigt worden. Doch sogar die Expertise des Fußball-Ästheten Joachim Löw kommt wie eine Empfehlung daher. Der Bundestrainer findet, wie übrigens auch Wagner, dieser bringe durch seine Wucht neue Elemente ein. „Er bindet die Gegner im Zentrum und ist bei Flanken enorm gefährlich“, lobte Löw zuletzt.

Alles scheint zu passen, oder?

Die Bayern scheinen durchaus überzeugt zu sein, dass Wagner ins Gefüge passt. Nicht nur wegen seiner Verbundenheit zu seinem Heimatverein und zur Stadt München, in deren Vorort Unterhaching seine schwangere Frau mit den beiden bisherigen Kindern und ein paar Schildkröten lebt. Sondern auch, weil er als körperbetonter und kopfballstarker Wand- und Stoßstürmer die Offensive um einen Stil erweitern könnte, der nicht zur Kernkompetenz Lewandowskis oder seines bisherigen Vertreters Thomas Müller zählt, aber zuweilen hilfreich sein könnte. Gegen Wagner könnte sprechen, dass sich die Mannschaft in ihrer Spielweise wohl auch auf ihn einstellen müsste, nicht nur umgekehrt.

Wagner sieht darin kein Problem. Er setzt bei seinem Wechselwunsch, wie schon im Nationalteam, auf die positiven Effekte durch die versierten Kollegen. „Je besser deine Mitspieler sind, desto besser bist auch du“, sagte er jüngst. Als Stürmer sei er ja „total abhängig. Ich bin wie ein Fisch im Aquarium, ich brauche Essen von oben. Ohne Essen stirbt der Fisch, ohne Flanken gehe ich vorne ein.“ Gefüttert werden soll er bald in München. Sofern der "Back-up-Wagner" nicht zu teuer wird. Und sofern sich nicht jene Vorbehalte durchsetzen, die auch von Wagners früheren Weggefährten bei der zweiten Mannschaft des FC Bayern zu vernehmen sind. Sein ehemaliger Trainer Hermann Gerland, jetzt Assistent von Heynckes, hatte jedenfalls einmal festgestellt, Wagner habe immer das Gegenteil von dem gemacht, was man ihm gesagt habe. Gut vorstellbar wäre es aber auch, dass sich das inzwischen geändert hat.

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