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Liverpool - ManCity: Duell auf Augenhöhe

Champions League - Viertelfinale, Hinspiel

Wenn Liverpool heute (20.45 Uhr) in der Champions League auf Manchester City trifft, ist das mehr als nur ein Viertelfinale. Es ist das Duell der beiden zurzeit aufregendsten englischen Teams – und möglicherweise das Premier-League-Spitzenspiel der kommenden Jahre.

Jürgen Klopp (l.) und Pep Guardiola
Jürgen Klopp (l.) und Pep Guardiola Quelle: action images

Die gute Nachricht zuerst: Liverpools Mo Salah wird auch im nächsten Jahr Fußball spielen, die ägyptische Präsidentschaftswahl hat er nämlich leider verloren. Amtsinhaber Abdel Fattah Al-Sisi wurde mit erstaunlichen 92 Prozent wiedergewählt, Liverpools Offensivspieler kam auf lediglich fünf Prozent, lag damit aber immerhin auf Platz zwei, noch vor Al-Sisis Herausforderer Moussa Mustafa Moussa. Ein achtbares Ergebnis. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Salah gar nicht zur Wahl stand.

Salah und Co. machen Hoffnung auf mehr

Dass dennoch mehr als eine Million Ägypter Salahs Namen auf die Wahlzettel schrieben, sagt einerseits natürlich etwas über den Zustand der ägyptischen Demokratie aus. Andererseits aber auch über den Stellenwert Salahs. Seit seinem Wechsel zu Liverpool im vergangenen Sommer ist Salah quasi aus dem Stand zum Weltklassespieler gereift. Seine Heimat schoss Salah im entscheidenden Qualifikationsspiel zur WM in Russland, in 42 Pflichtspielen in England erzielte er darüber hinaus 37 Treffer, zuletzt gleich vier im Spiel gegen den FC Watford. Wenn in Liverpool demnächst Wahlen anstünden, hätte Salah wohl auch hier keine schlechten Karten. Denn auch an der Anfield Road genießt der Mann mittlerweile Kultstatus.

Das liegt bei einem Spieler, der derart viele Tore schießt und gemeinsam mit seinen Sturmpartnern Roberto Firmino und Sadio Mané teilweise spektakulären Fußball auf den Rasen zaubert, freilich in der Natur der Sache. Aber bei Salah und Kollegen ist es doch ein wenig mehr als nur das schöne Spiel: Sie geben den Fans des FC Liverpool Hoffnung, demnächst wieder mehr zu sein als ein Anwärter auf die europäischen Plätze. Mit diesem Team könnte Liverpool in naher Zukunft wieder ein Titelanwärter sein.

Citys Spielweise lässt staunen

Das ist Manchester City unter Pep Guardiola sowieso schon. Am kommenden Wochenende kann City die fünfte Meisterschaft der Vereinsgeschichte klarmachen, und das sechs Spieltage vor Schluss. Die Citizens enteilen ihrer Konkurrenz wie hierzulande die Bayern. Doch nicht nur ergebnistechnisch liegen Pep und sein Team voll und ganz auf Kurs, es ist vor allem die Art und Weise, mit der City seine Gegner auseinandernimmt, die auf der Insel für Staunen sorgt.


City sei aktuell das beste Team des Weltfußballs, sagte zuletzt Ex-City-Raubein Joey Barton. Englands Sturmlegende Alan Shearer ging sogar noch einen Schritt weiter: „Sie sind eines der besten Teams aller Zeiten.“ Auch wenn derlei Urteile noch ein wenig verfrüht scheinen: Guardiola hat es geschafft, Manchester City sein ballbesitzorientiertes Spiel zu implementieren. Das Spielgerät zirkuliert oft minutenlang in den eigenen Reihen, bevor dann Leroy Sané, Gabriel Jesus oder Sergio Aguero, Citys ganz eigenes Top-Sturmtrio, blitzschnell hinter die Abwehr des Gegners und so zum Erfolg kommt.

Liverpool muss defensiv zulegen

Das dominante Spiel des einst biederen Arbeiterklubs erinnert an jenes des FC Barcelona unter Guardiola. Kaum ein Gegner findet ein adäquates Mittel, um City auf Augenhöhe zu begegnen. Außer der FC Liverpool. In vier Spielen als Liverpool-Coach hat Klopp sieben Punkte gegen Guardiolas Manchester geholt, zuletzt drei beim spektakulären 4:3-Sieg seiner „Reds“ im Januar. „Man muss gegen sie mutig sein und Fußball spielen“, sagte Klopp anschließend, und meinte damit sein bereits zum Markenzeichen gewordenes Gegenpressing, das die Engländer mittlerweile als „gegenpress“ in ihren Wortschatz integriert haben. Guardiola adelte diese Taktik seines Gegenübers: Klopps Gegenpressing sei „von einem anderen Planeten.“ Und er muss es wissen: Bislang trafen die beiden Star-Trainer zwölfmal aufeinander, Klopp hat mit sechs Siegen die Nase im direkten Vergleich vorn.

Dass Liverpool in der Liga achtzehn Punkte hinter Manchester City liegt, ist auf eine im Vergleich nur unzulänglich besetzte Defensive zurückzuführen, ebenso auf (noch) fehlende Konstanz. Dem berauschenden 4:3 gegen City folgte beispielsweise ein ernüchterndes 0:1 beim damaligen Tabellenletzten aus Swansea. Was erzielte Tore angeht, liegt Liverpool als einziges englisches Team in Schlagdistanz zu City (75 Treffer, Manchester 88), hat allerdings die meisten Gegentore der ersten fünf Teams kassiert (35, Manchester lediglich 21). Kriegt Klopp diese Probleme in den Griff, kann er mit seinem Team kurz und mittelfristig erster Herausforderer Citys werden. Für die Langstrecke mag es noch nicht reichen, aber in einem oder zwei Spielen, wie nun in der Champions League, kann Liverpool Manchester City bereits jederzeit schlagen.

Machtverschiebung in der Premier League

Für die Premier League bedeutet diese Entwicklung eine leichte Verschiebung der Machtverhältnisse. Auch weil sämtliche Konkurrenten aktuell mehr mit sich selbst beschäftigt scheinen. Manchester United, Englands dominanter Klub der letzten zwei Dekaden, droht unter Jose Mourinhos trostlosem Ergebnisfußball eine veritable Identitätskrise, dem zweiten Tabellenplatz zum Trotz. Der FC Chelsea droht auf einem enttäuschenden fünften Platz die Qualifikation zur Königsklasse zu verpassen und bereitet sich auf die Ära nach dem in dieser Saison glücklosen Meistertrainer Antonio Conte vor. Und der FC Arsenal? Ist der FC Arsenal.

Für das anstehende Champions-League-Viertelfinale verspricht Jürgen Klopp: „Es wird brennen.“ Das könnte auch für die nächste Premier-League-Saison gelten, in die sowohl Liverpool als auch Manchester City mit Schwung, einer klaren Spielphilosophie und bewährtem Personal starten können. Es sei denn, Mo Salah entscheidet sich doch noch für eine Polit-Karriere.

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