Klopps Henne-Ei-Problem

Liverpool startet mit dem wichtigsten Spiel des Jahres in die Saison

Geplatzte Wechsel und umgarnte Spitzenspieler: Die Transferphase läuft für den FC Liverpool alles andere als erfolgreich. Sollte der FC Liverpool den Einzug in die Champions League gegen Hoffenheim verpassen, stünde Jürgen Klopp vor einer schwierigen Saison. Mal wieder.

Jürgen Klopp
Jürgen Klopp Quelle: reuters

Immerhin: Einen wichtigen Neuzugang konnte der FC Liverpool dann doch noch präsentieren. Einen Ersatz für ein echtes Liverpooler Urgestein, das Anfield nach 18 Jahren verlässt. Ein Neuzugang, mit dem man die Hoffnung auf schönes, technisch anspruchsvolles Spiel verbindet. „Die Spieler werden den Unterschied merken", sagte Liverpools Projektmanager Andy Parkinson über den Neuen. Er meinte: Den neuen Rasen, den der Klub in der Sommerpause hatte verlegen lassen.

Auf dem Transfermarkt ohne Glück

Böse Zungen könnten behaupten, die Verlegung des neuen Grüns wäre der einzige Wechsel, den die Reds in den letzten Wochen gut über die Bühne gebracht haben. Denn nach den Verpflichtungen von Mohamed Salah aus Rom – bislang so etwas wie ein Mini-Königstransfer – und den beiden eher als Ergänzungs- bzw. Perspektivspieler geholten Andrew Robertson und Dominic Solanke, verhält sich der LCFC auf dem Transfermarkt gelinde gesagt unglücklich.

Wunschspieler Naby Keita konnte trotz eines 79-Millionen-Euro-Angebots und dem Flehen der Fans – bei Twitter trendete zeitweise der Hashtag #freenaby – nicht von RB Leipzig losgeeist werden. Mit Wunsch-Innenverteidiger, dem holländischen Nationalspieler Virgil van Dijk, soll sich Klopp zwar einig gewesen sein. Allerdings fanden die Verhandlungen ohne Wissen von van Dijks Klub FC Southampton statt. Dieser legte Beschwerde bei der FA ein – und Liverpool musste sich öffentlich entschuldigen. Eine erfolgreiche Transferphase sieht anders aus.

Klopp sieht Liverpool als Titelkandidat

An Jürgen Klopps notorisch guter Laune scheint das derweil nicht zu kratzen. „Wir werden um den Titel spielen. Ich finde, wir haben eine starke Mannschaft“, ließ der gebürtige Frankfurter die Presse unlängst wissen. Unrecht hat er damit nicht, zumindest eine starke erste Elf hat Liverpool ohne Frage. Doch genau dort liegt der Knackpunkt. Unter Klopp hat der LCFC zwar eine deutliche Steigerung hingelegt, wurde im Debütjahr des Deutschen Achter, zuletzt Vierter.

Aber: Im englischen Fußball ist der Termindruck ungleich höher. Die Belastung in FA-Cup, League Cup, Premier League und Champions bzw. Europa League macht eine starke B-Elf genauso wichtig wie eine starke erste Garnitur. Ohne einen tiefen, ausgeglichenen Kader, mit dem sich die zu erwartenden Ausfälle kompensieren lassen, darf zumindest angezweifelt werden, dass Liverpool zum engsten Favoritenkreis gehört. Auch wenn etwa Huddersfield-Coach und Klopp-Trauzeuge David Wagner Liverpool ebenfalls für einen „heißen Titelanwärter“ hält.

Ein Teufelskreis?

Für Klopp muss sich die gegenwärtige Situation anfühlen wie das berühmte Henne-Ei-Problem. Ohne die Aussicht auf Champions-League-Fußball ist es ungleich schwieriger, Spitzenspieler nach Anfield zu lotsen, wie er erst nach dem verpatzten Europa-League-Finale in der Vorsaison leidvoll erfahren musste.

Ohne einen Kader mit einer gewissen Anzahl an Spitzenspielern wird es wiederum schwieriger, in den Titelkampf einzugreifen oder sich zumindest für die Champions League zu qualifizieren, sollte es gegen Hoffenheim nicht klappen. Öbszön viel Geld hat mittlerweile jeder Premier-League-Klub. Die Aussicht auf Champions League nicht.

Champions League als Trumpf auf dem Transfermarkt?

Und so startet Jürgen Klopp mit dem wichtigsten Spiel des Jahres in die Saison. Schaffen die Reds den Einzug in die Königsklasse, dürfte das ein Faktor sein, durch den der zähe Liverpooler Transfersommer noch einmal an Fahrt aufnehmen könnte. Ein Spieler wie Philippe Countinho, möglicherweise der einzige Weltklasse-Kicker im Kader und derzeit heftig von Barcelona umgarnt, könnte zum Bleiben bewogen werden. Anderen Spielern eines ähnlichen Kalibers könnte ein Wechsel mit der Aussicht auf Champions-League-Fußball schmackhaft gemacht werden.

Klopp hat bereits weitere Spielerkäufe angekündigt, ebenfalls ein kategorisches Nein zum Coutinho-Transfer. Lässt er diesen Worten Taten folgen, ist mit Liverpool zu rechnen, andernfalls droht eine Saison unter den Erwartungen. Sicher ist immerhin: Wen auch immer Jürgen Klopp noch verpflichtet, er würde in Anfield auf allerfeinstem Rasen spielen.

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