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Niko Kovac beim FC Bayern - Einsamer Kämpfer

Fußball | Champions League

Mit Spekulationen um seine Ablösung geht Bayern Münchens Trainer Niko Kovac ins Champions-League-Spiel gegen Benfica Lissabon (Dienstag, 21 Uhr). Der Coach gibt sich kämpferisch und versucht, die Fassade so gut wie möglich aufrechtzuerhalten.

Niko Kovac
Niko Kovac steht beim FC Bayern gewaltig unter Druck.
Quelle: dpa

Ganz am Ende der Pressekonferenz schien es, als lausche Niko Kovac dem eben geführten Dialog nach. Den Versuch eines Lächelns hatte der Trainer des FC Bayern dabei am Montag aufgelegt, doch der Gesichtsausdruck passte offensichtlich nicht zu seinen Gedanken. Gefragt worden war er, ob er fürchte, dass das Gruppenspiel der Champions League gegen Benfica Lissabon womöglich sein letztes sein könnte. "Nein", antwortete Kovac knapp. Was ihn positiv stimme, hakte der Fragesteller nach. "Was soll mich negativ stimmen?", fragte Kovac zurück und schob hinterher: "Ich bin immer positiv." Eine beklemmende Stille legte sich danach in den Pressesaal der Münchner Arena. Kovac ließ den Blick mit dem Versuch eines Lächelns schweifen. Einige Sekunden vergingen, dann stand Kovac langsam auf und ging.

Zum Achtelfinaleinzug reicht schon ein Remis

Eigentlich hält die Verabredung mit Benfica eine vergleichsweise komfortable Situation mitten in der Krise bereit. Für die sichere Versetzung ins Achtelfinale genügt schon ein Remis. Bestenfalls könnte sogar der vorzeitige Gruppensieg erreicht werden. Doch übergeordnet befinden sich die Münchner natürlich in einer sehr brenzligen Lage - und ganz besonders gilt das für Kovac.

Vor dem Dialog am Ende hatte er gesagt, dass er schon immer ein Kämpfer gewesen sei und auch bleiben werde. "Aufgeben, die weiße Flagge hissen – das existiert in meinem Wortschatz nicht", ließ er wissen. Angesprochen auf die am Samstag nach dem 3:3 gegen Düsseldorf für die Spieler und den Trainer wenig schmeichelhaften Worte des Präsidenten Uli Hoeneß, der unter anderem "dilettantische, hanebüchene" Slapstick-Einlagen kritisiert und dabei angekündigt hatte, man werde "alles hinterfragen", befand Kovac: "Letzten Endes war es ja auch die Wahrheit." Er schließe sich dem voll und ganz an. Er schaute dabei so professionell freundlich und ungerührt wie möglich.

Seltene Einblicke ins Seelenleben

Einblicke in sein Seelenleben hat Kovac bisher ohnehin höchst selten gewährt, zuletzt aber zwei Mal in schneller Folge. Am Freitag sagte er zu den permanenten Nebengeräuschen: "Es ist sehr viel." Inzwischen sind die Spekulationen um mögliche Nachfolger hinzugekommen, um Arsène Wenger, Zinédine Zidane und Ralph Hasenhüttl. Kovac fragte sich derweil nach dem 3:3 gegen Düsseldorf öffentlich auch ein bisschen selbst, ob es eine Steigerung von sauer gebe. Seine Wut richtete sich auf sein Personal, das seine Vorgaben immer wieder missachtet und ihn zunehmend im Stich lässt. Dem Vernehmen nach sollen mittlerweile Teile der Mannschaft seinen Anweisungen nicht mehr vertrauen, "laut Bild-Zeitung" sollen sich viele Spieler sogar gegen Kovac aussprechen. Der Trainer bestritt dies am Montag. Es war aber wohl vor allem wieder ein Moment, in dem er kämpfte.

Erstmals hatte er den Blick auf sein Befinden vor wenigen Wochen einen Spalt breit freigegeben, als die Krise bereits Einzug gehalten hatte. Damals befand Kovac, man könne darüber diskutieren, ob öffentliche Rückdeckung für ihn durch seine Vorgesetzten sinnvoll sei. Dann lächelte er wieder, wie eigentlich immer bei seinen Mediengesprächen. Höflich, freundlich, beinahe partnerschaftlich tritt Kovac öffentlich stets auf. Und ebenso beständig behauptet er, er empfinde keinen Druck. Wie es wirklich in ihm aussieht, vor allem nachdem Hoeneß erstmals die Möglichkeit einer Beurlaubung des Trainers anklingen gelassen hatte, verhüllt Kovac so gut es geht hinter seiner zuvorkommenden Fassade. Annehmen darf man aber, dass er sich den vermeintlichen Traumjob beim FC Bayern etwas anders vorgestellt hatte.

Auf Kurzkur vom Bundesligaalltag

Dass Kovac nach dem Sommerwechsel schon Ende November ernsthaft zur Disposition steht, hatte Hoeneß gar nicht mehr zu kaschieren versucht. "Wir spielen am Dienstag gegen Benfica, und da wird unser Trainer sicherlich Niko Kovac sein", hatte der Präsident gesagt und angekündigt: "Dann müssen wir mal eine Analyse machen, wo wir stehen." In der Bundesliga wird sich auch bis Mittwochmorgen nichts am fünften Tabellenplatz ändern, ebenso wenig an den neun Punkten Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund. Allenfalls ein souveräner Sieg gegen Lissabon könnte die Lage von Kovac leicht verbessern. Ob ein Erfolgserlebnis noch etwas ändern könnte an der grundsätzlichen Skepsis, mit der sie ihm im Verein zunehmend begegnen, erscheint allerdings sehr fraglich.

Dabei liest sich zumindest die Zwischenbilanz in der Champions League wie in den Vorjahren. Drei Siege und ein Unentschieden wurden bei 7:1-Toren angehäuft. Nur das 1:1 gegen Ajax Amsterdam Anfang Oktober trübt die internationale Bilanz. Abgesehen davon wirkten die Auftritte in Europas Eliteliga auf die Münchner Belegschaft beinahe wie Kurzkuren vom wenig erfreulichen Bundesligaalltag, und auch jetzt hoffen sie auf eine Bestärkung. Ob Kovac davon aber noch profitieren könnte, um auch national mit seiner Mannschaft nachhaltig in die Spur zu finden? "Ich hoffe, dass die Jungs an ihre Leistungsgrenze gehen – und ich bin auch davon überzeugt", sagte Kovac. Das klang weniger nach echter Zuversicht, sondern vor allem kämpferisch.

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