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Verschworen und betagt

Reals Goldene Generation im vierten Finale nacheinander

In praktisch unveränderter Zusammensetzung hat der Champions-League-Titelverteidiger drei der letzten vier Ausgaben gewonnen. Doch die Achse dieses großen Teams ist klar jenseits der 30 Jahre. Wie lange lässt sich die Erneuerung noch aufschieben?

Betagtes Real-Trio: Ramos, Ronaldo, Modric

In den letzten Tagen gab es bei Real Madrid ein klares Trendwort. Es lautete: Hunger. „Wir kommen mit großem Hunger nach Kiew“, sagte Toni Kroos. „Das ist mein viertes Finale, und ich habe noch mehr Hunger als beim ersten“, ergänzte Dani Carvajal. „Wir weniger Hunger als andere?“, fragte Trainer Zinédine Zidane: „Wie kann man so etwas behaupten?“

Auf dem Sprung zu Legenden

Genau genommen hatte das so konkret niemand behauptet. Wäre ja auch wirklich eine Premiere, dass eine Mannschaft in ein Europapokalfinale mit nur mäßig ausgeprägtem Siegeswillen gehen würde. Zumal, wenn sie ein Rendezvous mit der Geschichte hat. Als erstes Team seit Ajax Amsterdam und Bayern München in den 1970er Jahren könnte Real ein Hattrick gelingen, mehr Titel am Stück hätte dann nur noch das mythische „Weiße Ballett“ aus eigenem Hause in der Anfangszeit des Europacups geschafft. „Wir haben“, so Sergio Ramos feierlich, „die einzigartige Chance, zu Legenden zu werden.“

Ramos ist Kapitän einer im Vergleich zu 2016 und 2017 quasi unveränderten Elf. Bis auf Kroos und Torwart Keylor Navas standen alle Schlüsselspieler sogar beim Titel 2014 bereits im Kader. Jürgen Klopp, Trainer von Liverpool, sieht in dieser Kontinuität die „wohl große Stärke“ des Finalgegners am Samstag.

Platz 31 bei den Transferausgaben

Es ist schon ironisch: Da war Real seit Beginn des Milleniums für die kühnes Transfergebaren bekannt, doch die größten Erfolge fallen in eine Zeit geringer Einkaufstätigkeit.

Als „Galaktische“ wurden Spieler wie Luís Figo, Zidane selbst, Ronaldo (der Ältere) oder David Beckham einst bezeichnet. Noch 2009 investierte der Klub über 250 Millionen Euro in einem Sommer für Stars wie Cristiano Ronaldo, Karim Benzema und Kaká, 2013 sprengte er mit dem Einkauf von Gareth Bale als erster die 100-Millionen-Grenze. Real gewinnt auf dem Spielermarkt, die anderen, lange insbesondere Barcelona, auf dem Platz – so lautete noch vor wenigen Jahren eine Weisheit in Spanien. Über die letzten drei Sommer zusammen jedoch gab dieses Real Madrid weniger Geld für neue Profis aus als 30 andere Klubs, darunter Wolfsburg, Leverkusen, Leipzig oder Hebei Fortune aus China.

Selbst der vormals hyperaktive Präsident Florentino Pérez, der Königstransfers schon aus strategischen Gründen zum Einmaleins der Klubfibel zählte, erkannte die Vorzüge einer ruhigen Hand. Um Ramos und Ronaldo, Marcelo und Modric formte sich eine verschworene Gruppe. „Wir hatten immer viele Stars ... aber auch komplizierte Zeiten mit einer zerstrittenen Kabine“, erinnerte Ramos gerade. „Jetzt gibt es einen sehr, sehr guten Teamgeist“. Auch Zidane sieht darin den Schlüssel: „Sonst kannst du nicht dauerhaft Titel gewinnen.“

„Die besten Spieler sind schon hier“

Wo Trainer sonst immer neue Spieler fordern, bat Zidane vorigen Sommer nach dem Gewinn von Meisterschaft und Champions League darum, die Harmonie nicht zu riskieren. Real verzichtete so etwa auf den letzten Schritt im Werben um Kylian Mbappé. Derlei Zurückhaltung wird sich nun kaum wiederholen. Dafür hat die Mannschaft ihren Hunger in der abgelaufenen Saison dann doch zu selektiv eingesetzt. Bereits zu Weihnachten war die Liga verloren, am Ende betrug der Rückstand auf Barcelona sagenhafte 17 Punkte, so viele wie seit 1985 nicht. Im Pokal erfolgte das Aus gegen das kleine Leganés.

Ramos und Modric sind 32, Ronaldo 33. Noch wird zwar an keinem gerüttelt. „Die besten Spieler sind schon hier“, erklärte Ronaldo jüngst auf eine Frage nach Reals Transferziel Neymar. Doch es dürfte nicht schaden, diese These am Samstag noch einmal zu untermauern.

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