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Die königliche Kneifzange

Marcelo und Carvajal sind Schlüsselspieler bei Real Madrid

Real Madrid kann sich im Champions-League-Endspiel gegen FC Liverpool (Sa., 20:45 Uhr/ZDF ab 20:25 Uhr) zum dritten Male in Folge den Henkelpott holen. Der königliche Erfolg hat viel mit den Qualitäten auf den Außenbahnen zu tun: Daniel Carvajal und Marcelo verkörpern als rechter und linker Verteidigung Weltklasse.

Football UEFA Super Cup 2016 Real Madrid Sevilla Lerkendal Stadium Trondheim Norway 9 august 201
Bilden zusammen das vielleicht beste Außenverteidiger-Duo der Welt: Dani Carvjal und Marcelo. Quelle: imago/Digitalsport

Mitunter genügt ja der Blick aufs Siegerfoto des Vorjahres, um den Stellenwert gewisser Protagonisten zu ermitteln. Abertausende Schnappschüsse sind schließlich entstanden, als sich die Stars von Real Madrid vor fast genau einem Jahr im Millennium Stadium von Cardiff im Konfettiregen unter einer Art Triumphbogen stellten. Zum kollektiven Jubeln. Die Trophäe, den begehrten Henkelpott, hielt damals Sergio Ramos, der unumstrittene Anführer und Kapitän. Gleich rechts daneben stand Marcelo, der Linksverteidiger mit der Starkstromfrisur. Und nicht viel weiter Daniel Carvajal, der Rechtsverteidiger mit dem Vollbart.

So als wollten die beiden damals nach dem zwölften Gewinn der Champions League sagen: Reicht doch, dass wir im Spiel brav die Außenbahnen besetzen. Bei den Feierlichkeiten drängte es sie vielleicht auch symbolisch ins Zentrum, denn dass die Königlichen mit dem 30 Jahre alten brasilianischen Nationalspieler und dem 26-jährige spanischen Internationalen über eine besondere Waffe verfügen, die nun auch den FC Liverpool (Samstag, Anstoß 20:45 Uhr/live im ZDF ab 20:25 Uhr, Livestream ab 19:20 Uhr) wie eine Kneifzange in die Mangel nehmen kann, ist unbestritten.

Marcelo hat die Anarchie als Verteidiger erfunden

Jeder ist auf seine Art stilprägend. Wenn Liverpools Teammanager Jürgen Klopp sagt, bei Real seien elf Weltklassespieler am Werk, klingt das zwar nicht übertrieben, aber die Besetzung der Außenbahnen unterscheidet die Königlichen vom Rest ganz besonders. Jeder interpretiert den Posten in der Viererkette auf seine Weise: Marcelo ist ein wieselnder Dampfmacher, der sich gar nicht darum schert, die defensive Pflicht über alles zu stellen.

„Wenn Anarchie im Fußball einen Namen hätte, lautete er wohl Marcelo“, stellte das Fachmagazin „Kicker“ mal sehr treffend fest. Der am Strand und dann beim Futsal in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro ausgebildete Instinktfußballer erklärte das so: „Als ich 2007 zu Real kam, war Fabio Capello der Trainer, aber ich hatte keine Ahnung wie ein Außenverteidiger in Europa agiert.

Für jeden Gegner lästig

Real Madrid
Marcelo (Mitte) erzielt im CL-Halbfinale in München den wichtigen Ausgleichstreffer zum 1:1 Quelle: dpa

Aus Brasilien war ich ein 3-5-2 gewohnt, bewegte mich praktisch immer im Mittelfeld.“ Was er im Grunde heute noch tut. Mit seiner Power und Penetranz ist der offensiv beste Linksverteidiger der Welt für jeden Gegner lästig. Dabei ist seine Spielweise nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen. Im Halbfinale gegen den FC Bayern vernachlässigte er weit aufgerückt seine defensiven Pflichten, was Joshua Kimmich damals im Hinspiel prompt das 1:0 ermöglichte.

Doch dann legte Reals Nummer 12 wieder den Vorwärtsgang ein und erzielte mit einem glasharten Schuss prompt das 1:1. Es war nach Toren gegen Paris St. Germain und Juventus Turin schon sein dritter Treffer in dieser Champions-League-Saison. Marcelo stand übrigens in 43 der 66 Pflichtspiele auf dem Feld. 

Am Freitag wurde ihm die Ehre zuteil, gemeinsam mit Ramos im Kiewer Olympiastadion zur letzten öffentlichen Pressekonferenz zu erscheinen. Er weiß nicht nur, was auf dem Platz zu tun ist, sondern auch, was er der Presse zu sagen hat: „Dinge ändern sich über die Jahre, aber dass wir gewinnen wollen, wird nie vergehen. Madrid will immer gewinnen, wir wollen alles gewinnen.“ Da hat einer die königlichen Gene implantiert. Denn er ist auch der Ausländer, der gemeinsam mit Roberto Carlos und Alfredo di Stefano die meisten Spielzeiten das Real-Trikot trägt. Elf Jahre schon.

Carvajal tat Umweg über Leverkusen gut

Identifikation stiftet allerdings auch sein Pendant auf rechts. Der aus der Madrider Vorstand Leganés stammende Carvajal trägt ebenfalls das Prädikat unverzichtbar. Bei ihm stechen Technik und Dynamik hervor, seine Körperlichkeit tut ein Übriges. Flausen im Kopf im übertragenen Sinne wie bei Marcelo sind seinem Spiel nicht zu entnehmen; er verteidigt auf alle Fälle seriöser und zuverlässiger. Auch er spielt im Grunde alle wichtigen Partien. Bei ihm sind 40 Pflichtspiele notiert.

Dani Carvajal und Alex Sandro
Dani Carvajal im Zweikampf Turins Alex Sandro Quelle: reuters

Dabei hat die heutige Nummer 2 erst den Umweg über Bayer Leverkusen nehmen müssen, um zur heutigen Reife zu erlangen. Unter dem Bayer-Kreuz wurde der spanische Profi zur Saison 2012/13 als Hoffnungsträger für die Zukunft vorgestellt, ausgestattet mit einem Fünfjahresvertrag. Er spielte eine starke Bundesligasaison mit 32-Einsätzen, und die „Bild“-Zeitung wählte ihn in die „Elf der Saison“. Real blieben die Leistungen nicht verborgen, und nach nur einer Spielzeit zog Madrid die bis 2015 vereinbarte Rückkaufsoption.

Ein kluger Schachzug. Als die „Galaktischen“ 2014 in Lissabon nach langer Durststrecke gegen Lokalrivale Atletico erstmals wieder die Champions League gewannen, war Carvajal mittendrin. Das atemberaubende Flair hat er nicht vergessen, „Die Champions League ist die Essenz für den Madridismo. Diese europäischen Abende sind schwer zu erklären, aber sie haben etwas Magisches.“ Jedem Siegerfoto der Real-Helden ist das ja auch anzusehen.

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