Franck Ribery - König auf Zeit

Fußball - Champions League

Vor dem Champions-League-Spiel des FC Bayern gegen Paris (20:45 Uhr) schwingt auch die Frage mit, ob Franck Ribéry mittelfristig wieder die erste Wahl auf dem linken Flügel vor Kingsley Coman werden wird – und ob er tatsächlich noch einmal über den Sommer hinaus verlängern darf.

Franck Ribéry
Franck Ribéry Quelle: dpa

Der Singsang mit dem französischen Einschlag klang so vertraut wie ungewohnt. "Egal, wie viele Minüt‘ isch habe gespielt, ist wichtig, isch war wieder mit Mannschaft. Zwei, drei Minüt‘ auf dem Platz ist immer gut", sagte Franck Ribéry, nachdem er am Samstag sein Kurzcomeback nach zwei Monaten Verletzungspause wegen eines Außenbandrisses im Knie gegeben hatte. Ungewohnt bescheiden klang das vor allem im Vergleich zu jenen Momenten, in denen er in der Frühphase der Saison unter anderem mit einen wütenden Trikotwurf nach einer Auswechselung mehrfach gegen den damaligen Trainer Carlo Ancelotti aufbegehrt hatte. Doch offenbar sieht Ribéry vor der Verabredung mit Paris Saint-Germain in der Champions League bei allem Ehrgeiz, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist, Ansprüche zu erheben. Zumal so kurz nach seiner Rückkehr.

Der alte Held kommt für den neuen

"Ich freue mich für ihn, er hat gut gespielt, das ist super", sagte er über seinen Landsmann Kingsley Coman, der mit einem Tor, einem erzwungenen Foulelfmeter und vielen Dribblings im TGV-Tempo auf der linken Seite des FC Bayern beim 3:1 gegen Hannover 96 herausgeragt hatte. Doch als der Mann des Tages in der 89. Minute ging, wurde nicht dieser ausgiebig gefeiert, sondern Ribéry, der für ihn eingewechselt wurde. "Oh, Franck Ribéry. Er is nicht groß, is eher klein. Er soll unser König sein. Von unserem Rekordverein. Franck Ribéry", sangen die Münchner Fans in Anlehnung an Joe Dassins Chanson "Aux Champs-Élysées" von 1969.

Es waren jene Momente, in denen die Verehrung und Wertschätzung für Ribéry zum Ausdruck kamen. Und es wirkte zugleich, als könne der Rollenwechsel auf dem linken Flügel schon weit vorangeschritten sein. Nicht Coman löste ja Ribéry ab, sondern der alte Held den neuen für ein paar Minuten. So ähnlich könnte das auch gegen PSG aussehen. Für den FC Bayern geht es dabei weniger um die Minichance auf den Gruppensieg, für den ein Erfolg mit vier Toren Unterschied nötig wäre. Sondern vor allem darum, sich mit einem Sieg zu vergewissern, dass die 0:3-Niederlage in Paris im letzten Spiel unter Jupp Heynckes‘ Vorgänger Ancelotti ein Ausrutscher war und es die Mannschaft mit den finanzstärkeren Schwergewichten wie PSG sportlich aufnehmen kann.

Im Herbst der Karriere

Wenngleich Ribéry gerade erst und sogar früher als erwartet genesen ist, so schwingt nun schon auch die Frage mit, ob er mittelfristig überhaupt wieder die erste Wahl vor Coman werden wird. Und ebenso, ob er seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag tatsächlich noch einmal verlängern darf. Ribéry wird im April 35 Jahre alt, und er weiß, dass es im Herbst seiner Karriere langsam eng wird für ihn. Auch, weil sich Coman immer stabiler präsentiert. Über seine Zukunft sei noch nicht gesprochen worden, sagt Ribéry, er brauche erst einmal Spielrhythmus. Und er weiß sowieso, dass erst 2018 darüber befunden wird, ob und wie es weitergeht mit ihm.

Gegen PSG rechnet Ribéry selbst nicht damit, schon wieder zur Anfangsformation zu gehören. "Ich glaube nicht, das ist nicht die Frage“, sagt er. Für ihn scheint es vorerst tatsächlich wichtiger, überhaupt wieder seinem Beruf im Rampenlicht nachgehen zu können. Vielleicht ist Ribérys Gelassenheit auch von der Sicherheit getragen, dass er um sein Standing bei Heynckes weiß. "Wenn der fit ist, funktioniert der bei mir, davon bin ich felsenfest überzeugt“, hatte sein aktueller Trainer schon kurz nach seiner dritten Rückkehr zum FC Bayern im Oktober gesagt und bald darauf den Vereinsgranden gar empfohlen, mit beiden langjährigen Flügelspielern zu verlängern. Also nicht nur mit Arjen Robben, der im Januar 34 Jahre alt wird, sondern ausdrücklich auch mit Ribéry.

Nächste Station China, Katar oder USA?

Letzterer war rasch nach seinem Wechsel von Olympique Marseille im Sommer 2007 für die damalige Bundesliga-Rekordablöse in Höhe von 25 Millionen Euro zum König von Bayern erhoben worden. Auf einem riesigen Werbeplakat war er damals an der Münchner Theatinerkirche in einem blauen Hermelinmantel als Ludwig II. zu bestaunen. Doch wie das auch mit Märchenkönigen so ist: Sie regieren immer nur auf Zeit. Für Franck I. steht schon lange fest, dass der FC Bayern sein "letzter Klub in Europa“ sein wird. Aber, so sagte er es im März: "Es kann passieren, dass du mit 34, 35 Jahren Platz für einen anderen machen musst.“ Und dann seien "China, Katar oder die USA eine Option“. Besingen, zumindest das ist sicher, werden die Fans Ribéry in jedem Fall noch oft.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.