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Mit Pulisic-Power zur Aufholjagd

Champions League - Achtelfinale Dortmund - Benfica

Youngster Christian Pulisic dürfte wohl Borussia Dortmunds erste Option sein, um dem Ausfall von Marco Reus zu trotzen und gegen Benfica Lissabon (Mi., ab 19:20 Uhr im ZDF und im zdfsport.de-Livestream) den Einzug ins Viertelfinale der Champions League zu schaffen.

Christian Pulisic (Borussia Dortmund)
Christian Pulisic (Borussia Dortmund)
Quelle: imago

Als das Verletzungspech am Wochenende wieder mal bei Marco Reus zuschlug, war das Mitgefühl für Dortmunds Seuchenvogel groß. Um die Borussia selbst aber hatte keiner Angst, obwohl ein 18-Jähriger den Nationalspieler gegen Bayer Leverkusen ersetzte. Warum auch? Denn eben jener junge Joker Christian Pulisic bewies mit dem vorentscheidenden Treffer zum 4:2 sowie einer Tor-Vorlage zum 6:2-Endstand seinen Wert für die Westfalen. Sehr gut möglich, dass der Amerikaner diesen auch im Achtelfinale der Königsklasse zeigen darf, wenn der BVB gegen Benfica Lissabon seinen aktuellen Aufwärtstrend fortsetzen und das ärgerliche Hinspiel-0:1 wettmachen will.

Zeichen höchster Wertschätzung

Reus fällt mit Muskelfaserriss wohl den ganzen März aus, und so drängt sich der freche Youngster auf, mehr Spielminuten zu sammeln als ohnehin schon diese Saison. Zumal die Champions League Pulisics Wettbewerb zu sein scheint. In allen sieben Partien spielte er bislang mit und stand dabei fünf Mal in der Startelf. Ein Zeichen höchster Wertschätzung durch Thomas Tuchel. Der BVB-Trainer hält große Stücke auf die Nummer 22 bei Schwarz-Gelb, auch wenn er Pulisic in der Liga immer wieder, wie auch zuletzt, schöpferische Pausen gönnt.


Besonders augenfällig war das zu Beginn der Saison, als Pulisics steiler Karriere sogar ein erster Knick drohte. Nach Dortmunds wildem Transfersommer mit Neueinkäufen für über 100 Millionen Euro hatte der Shooting-Star der Rückrunde 2015/16 auf den prall gefüllten Außen plötzlich nicht nur Supertalente wie Ousmane Dembélé und Emre Mor vor der Nase, sondern auch die beiden Weltmeister Mario Götze und André Schürrle. Erst das BVB-Verletzungspech spülte den variablen Flügelflitzer wieder so regelmäßig ins Team, dass er nun auf 27 Einsätze kommt, davon 15 von Beginn an. Der dynamische, mutige und trickreiche 1,73-Meter-Mann, der meist auf Rechtsaußen seine Power entfaltet, dankt es bislang mit drei Toren und acht Vorlagen in allen Wettbewerben.

Der Himmel als Grenze

Wie gegen Leverkusen dürfte Pulisic als Reus-Ersatz auch für den Showdown mit Benfica die besseren Karten haben im Vergleich zu Schürrle: Den 30-Mio-Euro-Mann sieht Tuchel eher als Alternative für Pierre-Emerick Aubameyang. Oder im Vergleich zur etwas defensiveren Variante mit dem Duo Raphael Guerreiro/Marcel Schmelzer auf links. Tuchel weiß, dass er sich auf den mannschaftsdienlichen und nervenstarken Pulisic auch auf der großen Bühne verlassen kann. Denn der wirkt in jeder Hinsicht erstaunlich reif, obwohl er erst seit einigen Monaten volljährig ist.

Der Mittelfeldspieler weiß genau, was er will und hatte immer schon große Ziele. Mit 15 Jahren zog der US-Boy aus Hershey/Pennsylvania mit seinem Dad ins Ruhrgebiet, noch bevor er überhaupt für die Borussia spielberechtigt war. Gemeinsam mit seinem Kumpel Felix Passlack, der zeitgleich in den Profikader aufstieg, prägte er den goldenen Nachwuchsjahrgang des BVB, der B-, und A-Jugendmeister wurde. Seit dem Profi-Debüt Anfang 2016 sprang das heute europaweit begehrte Talent in diverse Rekordlisten: etwa als jüngster ausländischer Torschütze der Bundesliga oder als jüngster Torschütze in der WM-Qualifikation der USA. „The sky is the limit - der Himmel ist die Grenze“ - dieses uramerikanische Motto hat Pulisic ganz offenbar verinnerlicht.

Pulisic-Hype in den USA

Deutlich mehr noch als beim BVB steht er damit in den Vereinigten Staaten im Fokus. Schon jetzt wird er als der kommende US-Fußballer gehandelt. Die Bundesliga-Berichterstattung jenseits des Atlantiks dreht sich stark um das „american wunderkind“. Der Sender Fox titelte zuletzt: „Pulisic beendet Durststrecke.“ Als seien zwölf Spiele ohne Tor für einen Youngster eine fürchterliche Krise. Vermutlich ist es für Pulisic ganz gut, dass er fern der Heimat Karriere macht und erstmal nur bei seinen elf Länderspielen eine Ahnung von dem Hype bekam, der längst um ihn entstanden ist.

Das wird sich spätestens in einem Jahr ändern: mit einer möglichen WM-Teilnahme, und wenn der BVB danach zur ersten Marketing-Tour in die USA aufbricht. Natürlich setzten die Dortmunder auch auf das Werbe-Potenzial ihres Vorzeige-Lehrlings, als sie dessen Vertrag im Januar vorzeitig bis 2020 verlängerten - obwohl der FC Liverpool angeblich 13 Millionen Euro Ablöse bot.

Eckpfeiler der Zukunft

Von Pulisics Fußballkünsten sind sie beim BVB ja ohnehin überzeugt. Sportdirektor Michael Zorc drückte es kürzlich so aus: „Christian nimmt bereits jetzt einen hohen Stellenwert innerhalb der Mannschaft ein und kann, genau wie Julian Weigl, zu einem Eckpfeiler unserer Zukunft heranwachsen.“

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