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Lewandowski und die Schatten der Zukunft

In der Königsklasse wartet der Torjäger noch auf seinen großen Auftritt

Für den angestrebten Halbfinal-Einzug gegen den FC Sevilla (20:45 Uhr/ZDF ab 19:20 Uhr) wären Tore von Robert Lewandowski besonders hilfreich. In der Champions League allerdings stößt der umworbene Stürmer des FC Bayern an Grenzen.

Robert Lewandowski
Robert Lewandowski Quelle: dpa

Das Röhren seines Ferraris war auch ein Statement in eigener Sache. Als sich die Spieler des FC Bayern zum kleinen Meisterschmaus in einem Münchner Schickimicki-Lokal trafen, fuhr Robert Lewandowski mit seinem italienischen Sportwagen vor. Anderen, wie Weltmeister Mats Hummels, genügt für Fahrten durch München zuweilen die U-Bahn oder Vespa. Zum Mannschaftsessen am Samstag nach dem amtlichen Gewinn des Ligatitels kam er gar betont zurückhaltend mit dem Fahrrad. Lewandowski dagegen entschied sich für den großen Auftritt. Unprätentiös daherzukommen ist seine Sache eher nicht. Der Stürmer pflegt seinen Status als Star im Ensemble der vielen populären Kicker.

Bislang fünf Treffer in der Champions League

An diesem Mittwoch im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Sevilla (Livestream ab 19:20 Uhr: CL-Magazin, Warm-up, Sendung ab 20:25 Uhr, Anstoß 20:45 Uhr) wäre es für den FC Bayern besonders hilfreich, wenn Lewandowski auch sportlich eine herausgehobene Rolle zukäme. Nach dem 2:1-Sieg der Münchner in Andalusien im Hinspiel könnte er mit Toren schnell die Restzweifel am Einzug ins Halbfinale zerstreuen. Und die Voraussetzungen stehen nicht schlecht, zumal Sevilla der etatmäßige Innenverteidiger und ehemalige Wolfsburger Simon Kjaer fehlen wird. Doch zuletzt schien Lewandowski, anders als in der Bundesliga, in Europas Eliteliga an Grenzen zu stoßen.

26 Mal hat Lewandowski in 26 Bundesligaspielen bereits getroffen, er ist national unangefochten und auf dem besten Weg, die in den beiden vergangenen Spielzeiten erreichten 30 Tore in den verbleibenden fünf Partien noch zu übertreffen. International allerdings sticht der 29-Jährige mit bisher fünf Treffern keineswegs hervor - vor allem im Gegensatz zu Real Madrids Cristiano Ronaldo, 33, der im laufenden Wettbewerb schon 14 Tore angehäuft hat.

Und ewig lockt Real

Dabei ist der Weltstar der Königlichen Lewandowskis Referenzgröße. Weltfußballer, wie der Portugiese aktuell zum fünften Mal, wäre Lewandowski nur zu gerne. Wenigstens einmal in seiner kühl kalkulierten Karriere, in der sein Starimage mit außersportlichen Aktivitäten wie einer eigenen Modelinie gezielt befördert wird.   

Es scheint gerade, als spiele Lewandowski in Europas Eliteliga auch gegen die Schatten seiner Zukunft, um die es immer wieder Spekulationen gibt. Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat den andauernden Meldungen aus Spanien, Real Madrid wolle Lewandowski im Sommer verpflichten, zwar einen Riegel in Form jener Wette vorgeschoben, wonach die bis 2021 gebundene Nummer neun auch in der kommenden Saison garantiert für die Münchner spielen werde. Doch entspricht das auch dem Ansinnen des Spielers, der im August 30 Jahre alt wird und nun womöglich die letzte Chance sieht, zu seinem „Traumverein“ (Rummenigge) mit der noch größeren Strahlkraft zu wechseln?

Seit der Starberater Pinhas Zahavi im Februar Lewandowski unter seine Fittiche nahm, hält sich der Profi mit öffentlichen Äußerungen jedenfalls auffallend zurück. Ob auf Anweisung seines neuen Agenten oder wegen der öffentlichen Mahnung von Jupp Heynckes, ist nicht ganz klar. „Robert wäre gut beraten, sich auf den FC Bayern zu konzentrieren“, hatte Heynckes Anfang März gesagt. Er wisse nicht, „ob das Spekulationen sind oder Träume“, fügte er zu den wiederkehrenden Gerüchten um Real hinzu. Heynckes sieht es jedenfalls so: „Wenn du bei Bayern München spielst, hast du schon den Gipfel erklommen.“ Wäre er an Lewandowskis Stelle, „gäb’s für mich keinen anderen Klub“.

Dass Lewandowski diese Meinung nicht uneingeschränkt teilt, hatte er schon im Sommer in einem Spiegel-Interview verdeutlicht, in dem er die vergleichsweise zurückhaltende Transferpolitik des FC Bayern kritisierte und die gestiegene Macht der Spieler unterstrich. Loyalität, sagte er, zähle im Profifußball nicht, sondern „Erfolg und Geld“, und „wenn ein Spieler wirklich wechseln will, dann kann er das in der Regel auch durchsetzen.“ Voraussetzung, die Leistungen veranlassen Interessenten zum ganz tiefen Griff in die Vereinskasse. Erweichen dürfte das die Bayern aber kaum.

Im Hinspiel so gut wie abgemeldet

Es geht für Lewandowski in dieser Champions-League-Saison nicht nur um sein Ziel, den Wettbewerb einmal zu gewinnen. Sondern auch darum, in den großen Spielen möglichst viele Tore beizutragen, um der Einschätzung vieler Experten und Kollegen gerecht zu werden, „einer der drei besten Stürmer der Welt“ zu sein. Im Hinspiel in Sevilla war der polnische Nationalstürmer allerdings quasi abgemeldet. Er kam auf 28 Ballkontakte, zwei Torschüsse, null Tore und nur 27 Prozent gewonnene Zweikämpfe.

Ähnlich unterdurchschnittlich fiel seine Bilanz im vorherigen Champions-League-Spiel bei Besiktas Istanbul aus (18 Ballkontakte, zwei Torschüsse, null Tore, 50 Prozent gewonnene Zweikämpfe). Was zunächst nach Ausreißern nach unten klingt, bestätigt in Wahrheit den Trend. Seit Lewandowski im Sommer 2014 von Borussia Dortmund zum FC Bayern überlief, hat er auswärts in seinen bisherigen zehn K.o.-Spielen gerade einmal zwei Tore erzielt – jeweils per Elfmeter. Immerhin: Nun empfangen er und die Münchner Sevilla in der eigenen Arena. In den bisherigen vier Heimspielen traf Lewandowski vier Mal. Ein guter Wert, aber kein herausragender. Ronaldo brachte es auf sechs Tore.

FC Bayern - klarer Favorit aufs Halbfinale

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