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Bayern beschwören Beharrlichkeit für Pflichtaufgabe

Champions League: Besiktas Istanbul - FC Bayern live im ZDF

Auch wenn es dem FC Bayern an sportlichen Herausforderungen mangelt, treiben sich die Münchner an, weil sie wissen, dass ein Nachlassen im Alltag ihre Chancen in den großen Spielen mindert. Zu spüren bekommen soll das nun auch Besiktas (ab 17:25 Uhr live im ZDF).

Training des FC Bayern

Es könnte die angenehmste Auswärtsreise seit Jahren werden. Allein schon wegen der Stadt Istanbul, dieser spannende Schmelztiegel der Kulturen am Bosporus, der auch noch eines der stimmungsvollsten Fußballstadien der Welt bereithält. Doch für den FC Bayern geht es auf dem Diensttrip zum Achtelfinal-Rückspiel der Champions League bei Besiktas Istanbul trotz des eigentlich schon sicheren Viertelfinal-Einzugs nach dem 5:0 aus der ersten Verabredung vor drei Wochen nicht um die touristischen Attraktionen der eurasischen Metropole, sondern vielmehr um eine Art Selbstbestätigung. „Wir wollen genießen, was wir uns im Hinspiel erarbeitet haben. Genießen heißt dabei nicht Sightseeing. Wir gehen das tausendprozentig seriös an“, sagt Thomas Müller.

Hoeneß frohlockt

Der Genuss soll sich dabei durch das eigene sportliche Zutun einstellen, ganz ähnlich wie in der Bundesliga, in der die Münchner konkurrenzlos auf die 17 anderen Vereine herabblicken. Mit fünf Punkten Rückstand auf den damaligen Tabellenführer Borussia Dortmund übernahm Trainer Jupp Heynckes die Münchner im Oktober. Nun steht der FC Bayern mit 20 Punkten Vorsprung auf den Zweiten FC Schalke kurz vor seinem 28. Meistertitel und dem sechsten in Serie. Bereits nach dem kommenden Ligaspiel am Sonntag bei RB Leipzig könnte dieser feststehen, so früh wie bisher nur beim Rekord unter dem damaligen Münchner Trainer Pep Guardiola am 25. März 2014. Kalendarisch wären die Bayern diesmal sogar eine Woche früher dran. Zudem steht nun in Aussicht, den Rekord von 25 Punkten Vorsprung aus der Saison 2012/13 zu überbieten. „Eine Meisterschaft, die schon verloren schien, kann noch zu einem großen Triumph werden“, frohlockt Präsident Uli Hoeneß.

Ein nachhaltiges Nachlassen ist bisher nicht zu erkennen, wenngleich sich die Münchner in der Liga den Schongang locker leisten könnten. Auch die Ablenkung durch die vielen Zukunftsfragen, insbesondere rund um den Trainer, macht sich bisher nicht bemerkbar. Der befürchtete Spannungsabfall durch den Mangel an sportlichen Herausforderungen ist ebenfalls nicht zu erkennen. „Jupp Heynckes ist der Schlüssel von allem, er hat die Initialzündung gegeben und macht einen super Job“, sagt Hoeneß, „da gibt es keinen Dienst nach Vorschrift. Jupp gibt Gas ohne Ende und unterbindet jeden Schlendrian.“ Das Wort Schlendrian, ergänzt der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge gar, „kennen unsere Spieler höchstens aus dem Duden“.

Zeit der Mahner

Ganz so ist es sicher nicht, sondern eher so, dass sich die kickende Belegschaft auch gegenseitig antreibt, weil sie weiß, dass ein Nachlassen im Alltag ihre Chancen in den großen Spielen mindert. Heynckes setzt dafür den Rahmen und erinnert immer wieder an die Pflicht zum Arbeitseifer. Zur Not betätigen sich Führungsspieler wie Mats Hummels als Korrektiv. Nach dem lockeren 6:0 gegen den Hamburger SV beklagte der Innenverteidiger „eine Phase, in der wir nachlässig waren, 20, 25 Minuten lang. Spätestens in der Halbzeit haben wir gemerkt, dass es so nicht weitergehen kann.“ 

Es ist ein Ehrgeiz aus schlechter Erfahrung. In den vergangenen Jahren waren die Münchner in der Champions League ja auch oft ein Opfer ihrer nationalen Dominanz und des Spannungsabfalls geworden. Nach dem Triple-Gewinn 2013 unter Heynckes war unter seinem Nachfolger Guardiola in der Bundesliga stets früh alles klar, in Europa aber ebenso zuverlässig im Halbfinale Schluss – unter Carlo Ancelotti in der Vorsaison sogar schon im Viertelfinale. Auch deshalb fordert Arjen Robben nun, dass Besiktas den Ehrgeiz der Bayern zu spüren bekommen soll: „Das ist das Gleiche wie in der Bundesliga: Wir müssen weitermachen und das Spiel angehen, als ob es 0:0 steht.“

Ein Sieg für das Selbstvertrauen

Stürmer Robert Lewandowski hatte den Ehrgeiz schon unmittelbar nach dem klaren Erfolg im Hinspiel zum Ausdruck gebracht. In Istanbul gehe es darum, mit einem Sieg die mäßige Auswärtsbilanz in Europa aufzubessern, um sich weiteres Selbstvertrauen fürs Viertelfinale zu holen, sagte der Pole. Der Ertrag der Dienstreisen ist in der Tat ausbaufähig: In dieser Saison setzte es das krachende 0:3 bei Paris Saint-Germain, nach dem Ancelotti gehen musste. In der Vorsaison verloren die Bayern in der Gruppenphase bei Atlético Madrid und FK Rostow sowie im Viertelfinale bei Real Madrid. In der Saison 2015/16 waren es auswärts je zwei Niederlagen und Remis, 2014/15 gar drei Niederlagen und ein Remis. Und 2013/14 folgte auf die 0:1-Halbfinalniederlage bei Real Madrid das Aus durch ein 0:4 in der Münchner Arena.

Müller hat all diese Erfahrungen mitgemacht, auch aus diesen speist sich der aktuelle Ehrgeiz. „Der Trainer macht uns Beine, wir lassen nicht nach. Dafür ist er im Amt, dass er uns zu Höchstleistungen kitzelt“, sagt der Nationalspieler, „und für uns ist es ganz wichtig, dass wir uns weiter selbst fordern.“ Weil es sonst gerade keiner kann.

Übertragung aus Istanbul
Reporter: Béla Réthy
Moderation: Jochen Breyer
Experte: Oliver Kahn

Verlängerung und Elfmeterschießen möglich

Hinweis:
Über die LOTTO Ziehung am Mittwoch
informiert ein Laufband ab ca. 18.54 Uhr

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