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Dortmunds unermüdlicher Dynamo

Champions League - Gruppenphase: FC Brügge - BVB

Nach einer holprigen Debütsaison etabliert sich Mo Dahoud bei Borussia Dortmund als Konstante in der Schaltzentrale. Die Dortmunder spielen heute in der Champions League beim FC Brügge (21 Uhr).

Mahmoud Dahoud

Schräg durch die Luft fliegend, in Rücklage, Torschütze per Kopf - Mo Dahouds Treffer beim Liga-Auftakt gegen Leipzig war spektakulär. Doch seine Torpremiere für Borussia Dortmund nach über einem Jahr Anlauf war nur halb so wichtig fürs Selbstvertrauen wie die Tatsache, dass er auch am jüngsten Spieltag gegen Eintracht Frankfurt wieder in der Startelf stand.

Dahoud hat erst vier von insgesamt 390 Spielminuten der aktuellen Saison verpasst. Der 22-Jährige entwickelt sich unter Lucien Favre immer mehr zur Konstante. Ob in der vom neuen BVB-Trainer favorisierten 4-3-3-Grundordnung auf der Position des defensiv ausgerichteten Sechsers, hinter den Spitzen als ballverteilender Zehner oder wie zuletzt in der Zwischenform als offensiver Achter.

Favres Vertrauen

Der Coach hatte dem Mittelfeldmotor schon in gemeinsamen Gladbacher Zeiten zum Profi-Debüt verholfen und scheint auch nun auf ihn zu setzen. "Lucien Favre vertraut mir, das tut gut. Ich bin vom Temperament her eher einer, der Vertrauen spüren muss", sagte Dahoud jüngst in einem sehr offenen Interview mit den "Ruhr Nachrichten".

Dortmunds Nummer 19 hat nicht Götzes Technik, Shinji Kagawas Wendigkeit, die Passpräzision von Julian Weigl, geschweige denn das Talent seines Vorbilds Zinedine Zidane. Aber Dahoud wirft andere Fähigkeiten in die Waagschale. Allen voran: unermüdlichen Einsatz.

Mit der Laufleistung von 13 Kilometern pro Partie lädt Dortmunds Dynamo das Spiel der Borussia mit Energie auf wie kein Zweiter. In der Bundesliga übertrifft das nur Gladbachs Jonas Hofmann. "Ich muss mich bewegen, sonst fühle ich mich nicht im Spiel", sagt Dahoud, der zudem in den "Ruhr Nachrichten" dem Eindruck entgegentritt, er sei ein ruhiger Vertreter seiner Zunft: "Ich liebe es, laut zu sein auf dem Platz. Mich zu pushen, die anderen mitzureißen. Wenn du leise bist, gewinnst du nichts."

Flexibilität als Schlüssel

Dahoud geht beherzt in Zweikämpfe, er erobert Bälle wenn nötig weit hinten in der Schaltzentrale, und treibt sie dynamisch Richtung Tor. "Mo versteckt sich nicht und fordert den Ball auch in schwierigen Situationen", lobte BVB-Sportdirektor Michael Zorc bereits vor Monaten. Zudem ist Dahoud flexibel einsetzbar, ein Schlüsselfaktor im Favre-Fußball.

"Jeder von uns kann den Sechser, Achter oder Zehner spielen", sagt Thomas Delaney über das neue Allzweck-Trio im Mittelfeld des BVB, das dieser mit Dahoud und Axel Witsel bildet. In der hitzigen Atmosphäre in Brügge, im engen Jan-Breydel-Stadion des Spitzenreiters der belgischen Jupiler League, könnten exakt diese Qualitäten gefragt sein, um erfolgreich in die Königsklasse zu starten und das Brügge-Trauma zu besiegen. Frühere Duelle sind dem BVB in keiner guten Erinnerung.

Doch auch das ist Dahoud: Selbst während eines Spiels wechseln Phasen mit toller Präsenz und Dynamik mit Schludrigkeit und unerklärlichen Fehlpässen. Beizeiten wirkt der U21-Europameister von 2017, der seit der U18 alle DFB-Teams durchlaufen hat, etwas ungestüm. Zu oft übersieht er beim Vorwärtsdrang den Nebenmann und verzettelt sich in Dribblings. Passquote und Kopfbälle bleiben ebenso ausbaufähig wie Präzision und Wucht der Distanzschüsse. Es gibt noch einiges zu verbessern, bis sich der Sohn syrischer Flüchtlinge den Traum vom Einsatz in der deutschen A-Nationalmannschaft erfüllen kann.

Gladbach-Zeit als Orientierungspunkt

Immerhin stimmt die Tendenz des Youngsters. Schon zum Ende der holprigen BVB-Debütsaison, die Dahoud "einige Kopfschmerzen" bereitete, kam der 12-Millionen-Einkauf viel besser zurecht und heimste etwa nach dem Auftritt in Leipzig ein Sonderlob von Sportdirektor Zorc ein. "Mo wird immer mehr zum Taktgeber."

Die Zeit in Gladbach bleibt Orientierungspunkt, auch was Statistik und Rolle im Team angeht. Dahoud kam am Niederrhein in den Spielzeiten 15/16 plus 16/17 auf 8 selbst erzielte Treffer und 16 Torvorlagen und war ein Antreiber. "In Gladbach hatte ich große Verantwortung, da habe ich viel geredet und dirigiert. Hier in Dortmund will mich wieder dahin entwickeln und stärker vorangehen."

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