Sie sind hier:

Firmino - das Herzstück Liverpools

Fußball - Champions League: Halbfinale AS Rom - FC Liverpool

Wenn heute der FC Liverpool beim AS Rom (20:45 Uhr) im Champions-League-Halbfinal-Rückspiel antritt, wird wie so oft Mohamed „Mo“ Salah im Fokus des Interesses stehen. Doch das eigentliche Herz des Klopp-Fußballs in Liverpool ist nicht der Ägypter, sondern der Ex-Hoffenheimer Roberto Firmino.

Roberto Firmino
Roberto Firmino Quelle: imago

Wenn Ehrungen von Spielern an Spieler vergeben werden, sollte man meinen, dass das Ergebnis stets fair und ausgewogen ist. Und prinzipiell kann man der FPA (Football Players Association), der englischen Spielergewerkschaft, kaum einen Vorwurf machen. Liverpools brillanter Mo Salah wurde von der FPA zum besten Spieler, Leroy Sané zum besten jungen Spieler des Jahres gewählt. Auch die Mannschaft des Jahres strotzt nur so vor illustren Namen: Kevin de Bruyne, Sergio Aguero, Harry Kane. Ein Name aber fehlt, dabei wäre eine Nominierung mehr als verdient gewesen: Der von Liverpools Roberto Firmino.

Firminos Wert hat sich verdoppelt

Als Roberto Firmino 2015 von der TSG Hoffenheim für satte 41 Millionen Euro zu Liverpool wechselte, war das Erstaunen über die exorbitante Summe groß. „Ist er wirklich die kolportierten 41 Millionen Euro wert?“, fragte der „Spiegel“, nur um die Frage direkt selbst zu beantworten: „Natürlich nicht.“ Knapp drei Jahre später lässt sich sagen: Selten haben die Kollegen des „Spiegel“ so sehr daneben gelegen.

2015 mögen 41 Millionen Euro obszön viel gewesen sein. Im Jahre 2018 dürfte für einen Weltklasse-Spieler mindestens das Doppelte, eher das Dreifache fällig werden. Und Weltklasse ist Firmino unter Trainer Jürgen Klopp längst geworden. Erst im Februar sagte Klopp über sein furioses Sturm-Trio: „Mo Salah ist Weltklasse, aber nicht jeden Tag. Sadio Mané ist Weltklasse, aber nicht jeden Tag. Roberto Firmino? Weltklasse, und das eigentlich jeden Tag.“

Wechsel in die Mitte war ein Volltreffer

Dass das so ist, liegt vor allem auch am deutschen Trainer. Die steile Entwicklung des in seinen vier Hoffenheimer Jahren oft noch unkonstant daherkommenden Firmino ist eng mit dem Namen Jürgen Klopp verbunden. Geholt wurde der Brasilianer noch von Klopps Vorgänger Brendan Rodgers, der ihn allerdings vornehmlich als Außenspieler einsetzte – eine Rolle, die der Mann aus der Küstenstadt Maceio zwar bekleiden kann, in der sein volles Potenzial aber nicht zur Geltung kommt. Klopp, der im Oktober 2015 für Rodgers übernahm, zog Firmino ins Sturmzentrum, wo dieser seither als falsche Neun agiert. Mit zehn Treffern wurde Firmino in seiner Debüt-Saison so direkt bester Torschütze der „Reds“. Am Ende stand dennoch ein enttäuschender achter Platz in der Liga.

Aus der Rodgers-Ära ist nicht viel übrig geblieben, Jürgen Klopp hat den altehrwürdigen FC Liverpool in eine seiner aufregenden Gegenpressing-Maschinen verwandelt – und Roberto Firmino zu deren Herzstück gemacht. In seiner zentralen Rolle kommt Firminos Torgefahr viel besser zur Geltung, gegenwärtig steht er wettbewerbsübergreifend bei 27 Toren und 16 Vorlagen. Viel interessanter, weil wichtiger für den Hochgeschwindigkeitsfußball Klopps sind aber all die anderen Statistiken, in denen Firmino herausragt. Denn so extrovertiert und lässig der Mode-Freak mit den blitzweiß gebleichten Zähnen im Privaten auftritt, so selbstlos und arbeitsam ist er auf dem Platz.

Heat Map offenbart Firminos Fleiß

Erst im Ligaspiel gegen Stoke City am vergangenen Wochenende war Firmino der Spieler mit den meisten abgespulten Kilometern auf dem Platz – als Stürmer, wohlgemerkt. In der gesamten Premier-League-Saison hat Firmino über sechzigmal erfolgreich gegrätscht – von den Top-Teams der Liga ist nur Chelseas Verteidiger César Azpilicueta noch engagierter im Defensivzweikampf. Ligaweit ist er der Stürmer mit den meisten Ballgewinnen. Weil er sich immer wieder tief fallen lässt, sieht seine Heat-Map nach den Spielen oft aus wie jene eines zentralen Mittelfeldspielers.

Mit seinem engagierten Spiel gegen den Ball ist Firmino der erste und oft wichtigste Verteidiger im System Klopp, das darauf ausgerichtet ist, einen verlorenen Ball möglichst schnell zurückzuerobern, um die Unordnung des Gegners für einen eigenen Angriff zu nutzen. Wenige Spieler sind darin so effektiv wie Firmino, der in der laufenden Saison bereits über sechzig Chancen kreiert hat. Nicht umsonst adelte Jürgen Klopp den Brasilianer unlängst in einem Interview: „Was für ein Spieler. Wenn er den Ball verliert, kämpft er darum, ihn zurückzugewinnen. Wenn er ihn wieder verliert, kämpft er erneut. Er ist der Motor des Teams.“

"Unterbewertung" kein Thema im Team

Ein Motor, dessen unaufhörliche Arbeit derzeit ein wenig im Hype um Mo Salah untergeht. Salah hat in allen Wettbewerben 43 Tore erzielt und gilt aktuell als legitimer Nachfolger Cristiano Ronaldos und Lionel Messis. Es sind aber auch Roberto Firminos Fleiß und seine selbstlose Art zu spielen, die Salahs unglaubliche Debütsaison bei den „Reds“ erst möglich machen. Die FPA scheint das übersehen zu haben, immerhin aber wissen sie in Liverpool, was sie an Firmino haben.

„Diese ständige Diskussion darüber, ob ihn die Öffentlichkeit unterbewertet, findet hier im Klub und im Team nicht eine Sekunde statt“, so Klopp am vergangenen Wochenende. Der Anlass des Statements war denn auch ein freudiger: Roberto Firminos Vertragsverlängerung bis 2023. „Ich bin froh, dass Roberto bei uns ist. Er ist auch in der Kabine ein wichtiger Typ. Dass er verlängert hat, sind großartige Neuigkeiten“, so Klopp. Und genug Zeit, es doch noch einmal in die FPA-Mannschaft des Jahres zu schaffen, bleibt Firmino nun auch noch.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.