Atlético Madrid kämpft gegen sein Real-Trauma

Champions-League - Halbfinale live im ZDF

Nobelklub gegen Arbeiterverein: Im Champions-League-Halbfinale kommt es wieder zum Madrider Stadtderby (20.45 Uhr / ZDF ab 20.25). Schaffen es Diego Simeone und Atlético endlich, ihr europäisches Trauma gegen Real zu verarbeiten?

Diego Simeone
Atlético-Trainer Diego Simeone.

Diego Simeone stand der Schmerz ins Gesicht geschrieben. Selbst er, der sich und seinem Anhang immer wieder voller Inbrunst befiehlt, niemals den Glauben an den Erfolg zu verlieren, war ratlos und niedergeschlagen.

„Ich habe versagt und muss das Geschehene erst einmal aufarbeiten. Es wäre falsch von mir, jetzt nicht über meine Zukunft nachzudenken“, sagte der Trainer von Atlético Madrid am 28. Mai 2016, kurz nachdem seine Mannschaft zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren ein Champions-League-Finale gegen den Stadtrivalen Real Madrid verloren hatte. Hinzu kommt noch das Viertelfinal-Aus im April 2015, das in der heutigen Nachbetrachtung etwas im Schatten der traumatischen Endspiel-Niederlagen steht, aber auch nicht vergessen ist.

Rücktritts-Gedanken

Simeone dachte daran, zu kapitulieren. Daran, seine fünf Jahre lang bewährte Rebellion gegen die Obrigkeiten des europäischen Fußballs zu beenden. Er wollte nicht mehr akzeptieren, trotz heroischer Darbietungen wie gegen Bayern oder Barcelona den ganz großen Ruhm doch dem Nachbarn zu überlassen. Dass Real beide Male denkbar knapp -- 2014 erst nach Verlängerung und 2016 sogar erst nach Elfmeterschießen – gewann, tat ihm umso mehr weh. „An den Zweitplatzierten wird sich später niemand mehr erinnern“, erkannte er.

Die bedingungslose Unterstützung des Vereins und der Mannschaft, allen voran in Person von Torjäger Antoine Griezmann, ließen Simeone umdenken. Zwölf Monate nach dem geplatzten Traum vom ersten Champions-League-Titel der Klubgeschichte ist er noch immer der Anführer der „Rojiblancos“ – und auch wieder ganz vorne im Rennen um die Königsklasse. Vollständig rehabilitiert, so bereit und so kampfeslustig wie immer.

„Haben vor niemandem Angst“

Dass es im Halbfinale ausgerechnet gegen Real geht, kommt ihm fast schon gelegen, denn „wer den Titel will, muss früher oder später dieses Team schlagen“. Simeone persönlich hat – abgesehen von den beiden dramatischen Final-Niederlagen und dem Viertelfinal-Aus 2015 – ohnehin viele gute Erinnerungen an die „Königlichen“. Seine größten Siege gegen Real feierte er 2013 im Pokal-Finale und 2014 im Supercup-Finale.

Im letzten Duell Mitte März entführte sein Team mit einem 1:1 einen Zähler aus dem Santiago Bernabéu. „Real ist Real und immer der Favorit. Aber wir haben vor niemandem Angst“, stellte Stürmer-Ikone Fernando Torres, der bisher noch nie ein Europapokal-Duell mit Real gewann, vor dem Hinspiel am Dienstag klar.

Tragische Figur gibt Versprechen ab

„Wir gehören zum dritten Mal in den letzten vier Jahren zu den vier besten Mannschaften Europas“, so Vorstandsmitglied Clemente Villaverde, „allein das ist ein Verdienst und allein deshalb sind wir stolz.“ Simeone will aber mehr. Er will ins Finale und er will diesen Titel.

Seine Spieler denken genauso. Rechtsverteidiger Juanfran, der beim verlorenen Endspiel in Mailand mit seinem verschossenen Elfmeter zur tragischen Figur wurde, schrieb schon kurz darauf in einem offenen Brief an die Fans: „Ich garantiere euch, dass wir wieder ein Finale bestreiten werden. Und wir werden dieses Finale gewinnen.“

Atlético plagen Abwehrsorgen

Der frühere Nachwuchsspieler von Real muss darauf hoffen, dass seine Kollegen sein Versprechen erfüllen. Juanfran fällt mindestens für das Hinspiel im Bernabéu aufgrund einer Oberschenkelverletzung aus. Mit José María Giménez und Šime Vrsaljko müssen zwei weitere Defensivmänner passen.

Beim Kontrahenten fehlt nur Stürmer-Star Gareth Bale, allerdings hat Real-Coach Zinédine Zidane mit 80-Millionen-Mann James Rodríguez, Feinfuß Isco oder Rohdiamant Marco Asensio weitaus mehr Alternativen in der Offensive als sein Gegenüber in der Abwehr. Simeone wäre aber nicht Simeone, hätte er keine Lösung parat: „Egal wer spielt, wir werden alle gemeinsam verteidigen und alle gemeinsam angreifen.“ Bei seiner Motivation käme es wohl nicht überraschend, wenn der Argentinier sich selbst aufstellen würde.

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