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Abschied durchs ganz große Tor

Beim FC Bayern beginnt die Nach-Hoeneß-Ära

Nach fast 50 Jahren beim FC Bayern und 40 Jahren als führender Kopf gibt Uli Hoeneß seinen Ausstand. Begleitet wird seine Ämterübergabe von den Fragen, wie es mit seinem Lebenswerk weitergeht - und wie er darauf noch Einfluss nehmen wird.

10.11.2019, München, Basketball-Bundesliga, FC Bayern München - Alba Berlin: Uli Hoeneß, Vereinspräsident vom FC Bayern, klatscht.
Uli Hoeneß, Vereinspräsident des FC Bayern, hier beim Basketball
Quelle: Matthias Balk/dpa

Heute wird Uli Hoeneß wieder im Mittelpunkt stehen, und man darf davon ausgehen, dass sein Ausstand auf der Jahreshauptversammlung triumphal wird. Das wünscht ihm auch Karl-Heinz Rummenigge. Hoeneß sei der "Architekt" und "Spiritus Rector" des FC Bayern und habe "rauschenden Beifall" verdient, sagte der Vorstandschef. Anders als 2018, als Hoeneß ausgebuht wurde.

Letzte freie Rede

Derartiges muss er nun wohl kaum fürchten in der Olympiahalle. Vorgesehen ist ein Abschied durchs ganz große Tor mit ebensolchen Emotionen. Die dürfte Hoeneß liefern, ebenso wie eine letzte freie Rede als Präsident voller Wucht. Und dann, als künftig einfaches Mitglied im Aufsichtsrat bis 2023? "Ich bin nicht so ehrgeizig, dem Verein jetzt weiter meinen Stempel aufzudrücken", sagte der 67-Jährige jüngst, "ich sehe mich in Zukunft als Elder Statesman, der seinen Rat anbietet, aber nicht aufdrängt".

Ob sich Hoeneß wirklich zurücknehmen kann, ist eine der spannenden Fragen, die seinen Ausstand begleiten. Eine andere ist, wie es ohne den Patriarchen an der Spitze nach fast 50 Jahren im Verein und mehr als 40 als Manager und Präsident weitergehen wird.

Wirtschaftlich: Tendenz steigen

Und ob Hoeneß die Zukunft in seinem Sinne wirklich weise geregelt hat. Mit seinem Freund, dem ehemaligen adidas-Vorstandschef Herbert Hainer (65) als Präsident und Aufsichtsratschef. Mit dem früheren Bayern-Torwart Oliver Kahn (50) der vom 1. Januar an eingearbeitet wird und von Rummenigge (64) Ende 2021 ganz übernehmen soll. Und mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic (42) der kritisch gesehen wird.

Die Infrastruktur und Wirtschaftszahlen sprechen dafür, dass Hoeneß' Lebenswerk zukunftssicher aufgestellt ist. Als er 1979 mit 27 Jahren als Manager anfing, standen zwölf Millionen D-Mark Umsatz und sieben Millionen Schulden in der Bilanz. Nun liegen der Umsatz bei 750 Millionen Euro und der Gewinn nach Steuern bei 52,5 Millionen. Das Eigenkapital beträgt fast eine halbe Milliarde.

Sportlich Tendenz fallend

Sportlich ist es zuletzt eher bergab gegangen. Unter Trainer Niko Kovac, von dem man sich gerade trennte, reichte es in der Vorsaison knapp zum Double. In der Champions League war im Achtelfinale Endstation. Kovac war wie Salihamidzic ein Kompromiss, weil sich Hoeneß und Rummenigge nicht auf andere Kandidaten verständigen konnten.

Nun wird ein Nachfolger des Übergangstrainers Hansi Flick gesucht. Kahn hat sich dazu schon geäußert und teils benannt, was der ebenfalls frühere Bayern-Kapitän Philipp Lahm schon vor zehn Jahren kritisiert hatte und was viele auch an Hoeneß' Wirken seit Pep Guardiolas Abschied 2016 bemängeln, nämlich die Entwicklung einer sportlichen Identität verschleppt zu haben.

Spekulationen um Guardiola

Es fehle eine klare Philosophie von den Profis bis zum Nachwuchs, eine übergeordnete Idee, hatte Lahm 2009 gesagt. Kahn sagte nun: "Man muss sich Gedanken machen, für welchen Fußball Bayern München steht, welcher Trainer dazu passt." Sehnsüchtig wird auch über Guardiolas Rückkehr spekuliert.

Das Gerangel zwischen Hoeneß und Rummenigge war prägend, nachdem Hoeneß nach seiner Haft wegen Steuerhinterziehung Ende 2016 wieder ins Präsidentenamt zurückgekehrt war. Jene Glaubwürdigkeit, die Hoeneß über Jahrzehnte für sich nutzte, ließ sich nach der Haft nicht wieder herstellen. Wenn er nun poltert, polarisiert er nicht nur wie immer, sondern erntet auch unter Wohlmeinenden vermehrt Kopfschütteln.

Erfolgreicher Familienklub

Heute Abend aber wird er gefeiert werden, auch für das, wofür sein Lebenswerk FC Bayern bewundert wird. Als erfolgreicher Familienklub, bei dem Hoeneß oft seine soziale Kompetenz nachwies. Dieser Teil seines Wesenskerns soll erhalten bleiben, das wünschen sich wie Hoeneß viele im Klub.

Aber er ahnt oder fürchtet, dass der FC Bayern ohne ihn an der Spitze "ein anderer Verein" werden könnte. Es soll aber in seinem Sinne weitergehen. Hoeneß hat erst vor wenigen Tagen deutlich gemacht, dass er darüber wachen werde "wie eine Glucke". Auch ohne Spitzenamt.

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