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Rückkehr zum Wendepunkt

Angelique Kerber - US Open

Sport - Rückkehr zum Wendepunkt

Angelique Kerber ist noch zwei Siege vom Titel bei den US Open entfernt - und von Platz eins der Tennis-Weltrangliste. Für die 28-Jährige würde ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen.

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Angelique Kerber steht zum zweiten Mal in ihrer Karriere im Halbfinale der US Open. Dort begann damals 2011 ihr Aufstieg, doch die Überraschungs-Spielerin von einst ist sie längst nicht mehr. Kerber kämpft in Flushing Meadows um den Titel - und die Nummer eins.

Als Roberta Vinci den Vorhandball ein Stück hinter die Grundlinie schob, da hatte es Angelique Kerber geschafft. Und als der Applaus der knapp 24.000 Fans im größten Tennisstadion der Welt aufbrandete, einige "Angie, Angie"-Rufe durchs Arthur-Ashe-Stadium hallten, kamen bei Kerber die Erinnerungen wieder hoch an ihr letztes Mal im Halbfinale der US Open.

Fünf Jahre ist es mittlerweile her, damals war die heute 28-jährige Kielerin eine ganz andere Spielerin. "Der Kontrast ist ziemlich groß", sagt Kerber, "damals stand ich um Platz 90 in der Welt und war die Überraschung des Turniers. Ich habe einfach gespielt und hatte gar nichts zu verlieren."

Kerber mit neuem Selbstverständnis

Das hat sich geändert, Kerber ist längst nicht mehr Jägerin, sondern die Gejagte. "Es ist wirklich viel passiert, in dieser Zeit", erinnert sich Kerber, "ich bin seit fünf Jahren in den Top Ten, jetzt Nummer zwei und habe einen Grand Slam gewonnen. Als Spielerin habe ich mich sehr viel weiter entwickelt." Dass es so kommen würde, hatten ihr viele nach ihrem ersten Coup bei den US Open gar nicht zugetraut. Sie habe eben bei einem einzigen Turnier mal einen Lauf gehabt, sagte man ihr, das hieße noch gar nichts. "Ich habe aber gedacht: Das ist jetzt die Wende für mich", sagte Kerber, "und ich wollte vor allem mir beweisen, dass es stimmt und sich die harte Arbeit der letzten Jahre auszahlen würde. So kam es auch, es ging bergauf."

So weit sogar, dass Kerber nun in Flushing Meadows die Chance hat, in ihr drittes Grand-Slam-Finale der Saison einzuziehen und nach den Australian Open den zweiten Major-Titel zu gewinnen. 2011 konnte Kerber einfach unbeschwert drauflos spielen, sie hatte als krasse Außenseiterin ja nichts zu verlieren. Sie unterlag dann auch der späteren Turniersiegerin Samantha Stosur. "Jetzt ist es anders", sagte Kerber, "ich versuche alles mehr zu genießen. Und ich weiß, dass ich solche Matches - egal, ob Viertelfinale, Halbfinale - gewinnen kann. Damals war dieser Glaube an mich noch nicht so da."

Aber das Wimbledonendspiel war befreiend für sie gewesen, hat Kerber ein neues Selbstverständnis gegeben. Sie ist noch fokussierter, noch professioneller und vor allem ist die eher introvertierte Norddeutsche endlich selbstbewusster geworden. "Ich weiß, dass ich gerade großartiges Tennis spiele", traut sie sich jetzt zu sagen und spuckt damit keine zu großen Töne. Schließlich steht sie mit fünf Siegen ohne Satzverlust im Halbfinale.

Jetzt knickt Kerber nur noch selten ein

Bis zur letzten Saison hatte Kerber da noch viel öfter gewackelt, sie knickte in ihren Partien immer mal ein und musste so häufig über drei Sätze kämpfen. Das kostete Kraft, körperlich wie mental. Jetzt biegt sie enge Matches noch um, gewinnt in zwei Sätzen. Wie zuletzt im Viertelfinale gegen Vinci, als Kerber dreimal dem Break hinterherlief, viele leichte Fehler produzierte und doch noch die Kurve für einen glatten Sieg bekam. Und diese Energie spart sie sich nun, "ich fühle mich definitiv frischer als vor einem Jahr zu dieser Zeit". Das könnte am Ende ein Vorteil werden, wenn die schwersten Aufgaben warten. Gegen ihre Freundin Caroline Wozniacki muss sie am Donnerstag einen Weg finden. Die ehemalige Weltranglistenerste aus Dänemark hat nach Verletzungen und privaten Problemen in New York wieder zu alter Stärke gefunden.

Und Kerber ist gewarnt. Ihre bisherigen Duelle waren über die Jahre stets eng, doch Wozniackis sehr druckvolle Spielweise kommt Kerber als Konterspielerin weit mehr gelegen. Sie kann wie kaum eine Zweite das Tempo der Gegnerinnen in ihre Rückschläge aufnehmen und so Druck erzeugen. Die taktischen Variationen von Vinci mit Slice und Stoppbällen bereiteten Kerber da weit größere Probleme. "Caroline ist immer eine harte Gegnerin und wir kennen uns sehr gut", sagte Kerber. Doch sie selbst ist eben nicht mehr die Spielerin von vor fünf Jahren. Nicht einmal die von vor einem Jahr. "Ich freue mich auf die Herausforderung gegen sie", sagt Kerber, "aber es spielt gar keine Rolle, gegen wen ich spiele. Ich werde mich sowieso nur auf mich und mein Spiel konzentrieren."

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