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"Wölfinnen" wollen Revanche

Frauenfußball - Champions League: VfL Wolfsburg - Lyon

Der VfL Wolfsburg kann gegen den Titelverteidiger Olympique Lyon heute (Anstoß: 18 Uhr) zum dritten Mal die Champions League gewinnen. Es wäre nicht nur ein Ausrufezeichen für den deutschen Frauenfußball, sondern auch die Begleichung einer offenen Rechnung mit den Französinnen.

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Beim letzten Aufeinandetreffen mit Lyon in einem Champions League-Finale mussten sich die Frauen des VfL Wolfsburg 2016 denkbar knapp im Elfmeterschießen geschlagen geben. Quelle: imago/Insidefoto

Schon das Vorprogramm im altehrwürdigen Walerij-Lobanowskyj-Stadion von Kiew soll Appetit machen. "A dream come true" - ein Traum wird wahr - soll die ukrainische Popsängerin Tayanna schmettern, wenn sich die zwei besten Vereinsmannschaften im Frauenfußball um die europäische Krone streiten: Eine bessere Konstellation als VfL Wolfsburg gegen Olympique Lyon gibt es für ein Finale der Women’s Champions League gerade nicht.

Beide haben auf ihre Art ihre Ligen dominiert: Wolfsburg ist gerade zwei Spieltage vor Schluss Meister der Frauen-Bundesliga geworden und nebenbei seit einem halben Jahr ohne Gegentor. Auch Lyon hat den Titel in der Division 1 Féminine schon sicher, blieb ohne Niederlage und weist einen Spieltag vor Schluss ein Torverhältnis von 98:5 auf. Zwei Trendsetter treffen damit in der ukrainischen Hauptstadt unweit vom Bogen der Völkerfreundschaft aufeinander.

Spannung garantiert

Das verspricht eine Spannung wie beim letzten Aufeinandertreffen vor zwei Jahren. Damals hatte die Dachorganisation Uefa das Finale der weiblichen Königsklasse von Mailand ins 160 Kilometer entfernte Reggio Emilia verlegt. Eine absurde Idee. Wenn Nationaltorhüterin Almuth Schult jetzt sagt, alle würden "nach der Champions League lechzen", um eine offene Rechnung zu begleichen, hat das mit der schmerzhaften Erinnerung an das Endspiel 2016 zu tun. Es wurde unglücklich im Elfmeterschießen verloren.

Ansonsten spricht die Historie jedoch für den zweimal auf dieser Bühne jubilierenden Werksverein: 2013 krönten sich die VfL-Fußballerinen gegen das Starensemble aus Lyon - bestehend aus dem Kern der französischen Frauen-Nationalmannschaft - nämlich erstmals zu den Königinnen Europas.

An der Stamford Bridge, der Heimstätte des FC Chelsea, nutzte Wolfsburg seine Außenseiterrolle perfekt: Die für das Finale wieder einsatzfähige Nationalspielerin Alexandra Popp half als Außenverteidigerin aus, ihre Mannschaft lieferte eine beherzte Abwehrschlacht - und am Ende verwandelte Martina Müller einen Handelfmeter zur 1:0-Sensation. "2013 waren wir krasser Außenseiter, aber jetzt sind wir deutlich näher herangerückt: Wenn ich die beiden Mannschaften sehe, sind wir komplett auf Augenhöhe", beteuert Ralf Kellermann, der Sportliche Leiter und langjährige Trainer.

Lyon macht vieles richtig

Sein erst 33 Jahre alter Nachfolger Stephan Lerch ("Wir müssen versuchen, aggressiv in die Zweikämpfe zu gehen: Das kennt Lyon aus der heimischen Liga so nicht") kann gleich in seinem ersten Jahr das Triple gewinnen. "Eine grandiose Sache. Es würde dem Verein sehr viel bedeuten", weiß Lerch.

Dzsenifer Marozsan
Die deutsche Nationspielerin Dzsenifer Maroszan ist Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Französinnen. Quelle: dpa

Der Etat für die Wolfsburger Frauen wird auf rund vier Millionen Euro geschätzt – das ist deutlich weniger als in Lyon, wo die deutsche Nationalmannschaftskapitänin Dzsenifer Marozsan nicht die einzige ist, die einen fünfstelligen Monatslohn kassieren soll. "Lyon hat seit Jahren alles richtig gemacht. Präsident Jean-Michel Aulas hat ein neues Trainingszentrum bauen lassen, das ausschließlich von den Männern und der ersten Frauenmannschaft genutzt wird. Nirgendwo anders wird diese Symbiose so extrem gelebt", lobt Kellermann.

England und Spanien holen auf

Der 49-Jährige beobachtet genau, was sich international tut: Dass die englischen Vereine - auch mit Unterstützung des Verbands FA - die Professionalisierung mit Siebenmeilenstiefeln vorantreiben und die Strukturen, aber auch die Finanzkraft von Klubs wie Manchester City, FC Arsenal oder FC Chelsea nutzen, was nun mal immens hilft, die Ladies konkurrenzfähig zu machen. "Wir werden international gerade in vielen Bereichen überholt", warnt Kellermann, der aber nicht nur die Anstrengungen in England auf der Agenda hat.

Auch in Spanien hat sich viel getan, seitdem Klubs wie FC Barcelona oder Atletico Madrid das weibliche Segment für sich entdeckt haben. Gerade erst am Pfingstwochenende hat Spanien die U17-EM gewonnen. Mit einem 2:0 im Finale gegen die deutschen Nachwuchsfußballerinnen.

Wolfsburg vereint eine Europa-Auswahl

Immerhin hat Kellermann am Mittellandkanal einen Kader zusammengebaut, der das vereinte Europa verkörpert. In der Startelf des VfL Wolfsburg, die am Pfingstsamstag gegen den FC Bayern das vierte Mal in Folge den DFB-Pokal gewann, standen gerade noch drei deutsche Spielerinnen: Almuth Schult im Tor, Lena Goeßling und Anna Blässe in der Verteidigung.

Ansonsten verkörperte der deutsche Doublesieger in Köln seine funktionierende Vielfalt: Die Abwehr hielt die Schwedin Nilla Fischer zusammen, im Mittelfeld zogen die Isländerin Sara Björk Gunnarsdottir und die Portugiesin Claudia Neto die Fäden und den Angriff bildeten die Polin Ewa Pajor, die Norwegerin Caroline Hansen und die Dänin Pernille Harder.

"Es geht für uns ohne ausländische Topspielerinnen nicht, zumal wir solche Spielertypen hier aktuell nicht haben", sagt Kellermann. Für Thomas Wörle, den Trainer des FC Bayern, beschäftigt der VfL Wolfsburg aktuell "die beste Mannschaft Europas". Warum? "Sie haben eine unglaubliche Mischung vorne. Das ist ganz hohe Qualität und sucht seinesgleichen."

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