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Jung, gut - aber auch unverzichtbar?

Sport - Jung, gut - aber auch unverzichtbar?

Die Personalsituation entspannt sich im Lager der deutschen Fußball-Nationalmanschaft. Dennoch wird Bundestrianer Löw im Testspiel am Sonntag einige Stammkräfte schonen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.05.2017, 20:08

Trotz ihres Alters sind Julian Brandt (20), Leroy Sané (20), Joshua Kimmich (21) und Julian Weigl (21) für ihre Klubs fast unverzichtbar. Die Frage ist, sind sie das auch für Bundestrainer Joachim Löw und den EM-Kader? Das Länderspiel gegen die Slowakei am Sonntag, 17.45 Uhr (ARD), könnte die letzte Chance sein, das zu beweisen.

Ob Vincente del Bosque ein warnendes Beispiel für Joachim Löw war, ist vorerst nur eine Vermutung. Vom spanischen Nationalcoach und seinem Kader für die WM 2014 in Brasilien aber heißt es, fast ausschließlich Routiniers nominiert zu haben, sei ein entscheidender Fehler gewesen. Der Weltmeister von 2010 und Europameister von 2012 schied sang- und klanglos in der Vorrunde aus. Der personelle Stillstand habe eine entscheidende Rolle gespielt, urteilten Spanien-Experten.

Del Bosques “Fehler“ hin oder her, vor der EM 2016 setzte der Bundestrainer ein Zeichen, das auch als Warnung für die etablierten Spieler verstanden werden kann. Gleich vier der Kicker im vorläufigen deutschen EM-Kader sind kaum 21 Jahre alt.

Quartett unter besonderer Beobachtung

Für die einen hat Löw damit die rasante Entwicklung junger Talente honoriert, für andere war die Berufung der “Rasselbande“ ein Signal an seine Routiniers, es sich nur nicht zu gemütlich zu machen. Im Vorbereitungscamp des deutschen Teams im Tessin jedenfalls stand das junge “Quartett“ aus gutem Grund unter besonderer Beobachtung. Im Test gegen die Slowakei am Sonntag winkt dreien ein Startelfeinsatz.

Seit Monaten haben alle vier für Aufsehen gesorgt. Julian Brandt gilt bei Bayer Leverkusen schon als “Wunderknabe“. Seine Stärken: Kombinationen und dynamisches Spiel nach vorne. Viele staunten bei Bayern München nicht schlecht, als der 1,76 Meter große Joshua Kimmich selbst in wichtigen Spielen als Innenverteidiger auftauchte, zuletzt im Pokalfinale. Manchem gilt er als “zweiter Philipp Lahm“, variabel einsetzbar in Abwehr und defensivem Mittelfeld. Nach Lahms Rücktritt könnte Kimmich bei Löw hinten rechts verteidigen.

Sané mit "Raffinesse"

Julian Weigl spielte bei Borussia Dortmund eine überragende Saison im Mittelfeld.

Ball- und passsicher hat er neben Torgefährlichkeit auch den totalen Überblick. Leroy Sané schließlich sticht aus dem Quartett etwas heraus, da er im vergangenen November, beim Länderspiel in Paris gegen Frankreich, als eine Anschlagserie den Sport in den Hintergrund drängte, schon zu Löws Team gehörte. Alle anderen sind absolute Neulinge. Sané bescheinigte Löw „eine besondere Gabe und Raffinesse“. Gerüchteweise soll Bayern München seine Fühler nach ihm ausgestreckt haben.

Die Frage ist nun, welches Risiko geht Löw ein, wenn er am 31. Mai den endgültigen 23-iger Kader nominiert? Dass alle vier jungen Wilden mit nach Frankreich fahren gilt als ausgeschlossen, hängt aber davon ab, wie schnell die angeschlagenen Routiniers Bastian Schweinsteiger, Mats Hummels und Benedikt Höwedes fit werden.

Schwierige Kader-Entscheidungen

Im Zweifel heißt es, neige der Weltmeistertrainer dazu, den Routiniers den Vorzug zu geben. Kämpfen aber müssen einige arrivierte Spieler im vorläufigen Kader. Julian Draxler ebenso wie Sebastian Rudy und Karim Bellarabi. Dass Löw auf Lukas Podolski, Schweinsteiger, Mario Götze und Andre Schürrle verzichtet ist kaum vorstellbar. Ob einer, zwei oder drei am Ende “durchkommen“ wird sich zeigen. Dass Löws jungen Testkandidaten die Zukunft gehört, steht dagegen schon fest. Im Hinblick auf die WM 2018 in Russland werden sie den Druck erhöhen und dem Bundestrainer die Kader-Entscheidung noch schwerer machen. Schon für Frankreich aber muss er die richtige Kader-Mischung finden.

Dass sie für den deutschen EM-Kader 2016 noch als erste “Streichkandidaten“ gelten und die Rückennummern 24, 25, 26 und 27 tragen, scheint kein besonderes Problem für die vier. Was der Münchner Kimmich nach seiner Nominierung sagte, gilt stellvertretend für alle vier der jungen Herausforderer: „Ich werde alles tun, um endgültig dabei zu sein. Wenn mir aber vor dieser Saison einer gesagt hätte wie es läuft, hätte ich ihm kaum geglaubt.“

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