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Freund hilft nur noch ein Wunder

Sport - Freund hilft nur noch ein Wunder

Die Sieger dieser Traditionsveranstaltung bleiben für immer verbunden mit der Historie des Skispringens. Ein Blick auf die bewegte Geschichte der Vierschanzentournee.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 05.01.2017, 18:37

Severin Freund hat trotz seines zweiten Platzes von Innsbruck den Sieg bei der 64. Vierschanzentournee innerlich wohl schon abgehakt. Der Slowene Peter Prevc ist eine Klasse für sich - und Freund visiert schon die Skiflug-Weltmeisterschaft an.

Severin Freund kümmerte sich am Ruhetag vor allem um seinen sturzgeplagten Körper. Große Gedanken an den Gesamtsieg bei der 64. Vierschanzentournee verschwendete er am Tag des Umzugs von Innsbruck in den Finalort Bischofshofen nicht mehr. "Natürlich werde ich angreifen - das macht man in jedem Wettkampf. Aber Peter hat einen komfortablen Vorsprung und wenn er so weiterspringt, braucht es ein Wunder, dass es für mich reicht“, sagte Freund mit Blick auf das Finalspringen am Mittwoch.

Elf Meter Rückstand auf den Überflieger

19,7 Punkte oder umgerechnet knapp elf Meter beträgt sein Rückstand auf Überflieger Prevc. Blickt man in die Geschichte des Skisprung-Grand-Slams, braucht es tatsächlich außergewöhnliche Umstände, dass Freund tatsächlich noch den ersten deutschen Gesamtsieg seit 14 Jahren (Sven Hannawald) feiern kann.

1994 verwandelte der Norweger Espen Bredesen einmal ein Minus von 12,2 Punkten nach Innsbruck noch in einen Vorsprung von acht Punkten auf den deutschen Dreifach-Olympiasieger Jens Weißflog. Damals wartete allerdings Bredensens Landsmann Lasse Ottesen unfair so lange auf den Balken, bis schlechte Windbedingungen für Weißflog herrschten.

Abreise nicht geplant

Bei der Vierschanzentournee 1971/72 gewann der Japaner Yukio Kasaya die ersten drei Springen des Skisprung-Grand-Slams, war überlegener Gesamtspitzenreiter - und reiste vor dem Finale in Bischofshofen wegen der Vorbereitungen auf die Olympischen Winterspiele in seiner Heimat Sapporo ab. Dass Peter Prevc am Mittwoch nicht antritt, ist freilich nicht zu erwarten. Auch wenn ihn eine Erkältung plagt, die er mit Vitaminen und Zitronen bekämpft. "Severin sieht das schon ganz realistisch. Prevc ist momentan der Meister. Allerdings hat er noch nie etwas Großes gewonnen, diese Barriere muss er noch durchbrechen“, kommentiert ZDF-Experte Toni Innauer. Den Gesamtsieg des Slowenen könnten nur ein grober Fehler, widrige Witterungsbedingungen oder ein Sturz noch verhindern. So ein Sturz, wie in Severin Freund im Probedurchgang von Innsbruck erlebte.

Er stand danach mit einigen blauen Flecken wieder auf ("Für die Schwere des Sturzes geht es mir wahnsinnig gut“) und flog auf einen glänzenden zweiten Platz im Hexenkessel von Innsbruck. Nach dem Sieg von Oberstdorf und Platz drei in Garmisch-Partenkirchen der dritte Podestplatz für den "Sieger der Herzen“ am Bergisel. Und trotzdem nicht genug, um diesen fabulösen Peter Prevc zu gefährden, der mit 11,1 Zählern Vorsprung gewann. Es ist ein Zwiespalt der Gefühle für Freund: Zum einen springt er die beste deutsche Tournee seit dem zweiten Gesamtplatz von Sven Hannawald vor 13 Jahren und die mit Abstand beste seiner Karriere. Zum anderen ist einfach einer "einen kleinen Schritt besser“.
"Prevc war bisher einfach zu gut, als dass man sich ärgern könnte. Es überwiegt ganz klar das Positive: Severin schreibt hier eine tolle Geschichte, ist der erste Verfolger. Vielleicht können wir Prevc in Bischofshofen noch ein bisschen kitzeln, aber die Schanze liegt ihm“, sagt Bundestrainer Werner Schuster. Pech wünscht laut Schuster in diesem faszinierenden Duell keiner dem anderen: "Die beiden duellieren sich nun schon seit drei Jahren auf höchstem Niveau und respektieren sich extrem. Da wünscht keiner dem anderen einen Sturz oder Fehler. Diesmal springt Peter fabulös, dafür hat er letzten Winter gelitten.“ Damals holte Freund zweimal WM-Gold und - punktgleich mit Prevc - den Gesamtweltcup.

Andere Ziele

Deshalb sieht er die Tournee ganz relaxt. "Es ist schön, dass ich diesmal positive Erfahrungen mitnehme, auf denen ich aufbauen kann. Schließlich wird das nicht meine letzte Tournee gewesen sein“, sagt Freund. Er sieht es als wenig zielführend an, bei dem Rückstand noch mit dem Ziel nach Bischofshofen anzureisen, die Tournee gewinnen zu wollen. Stattdessen will er das Niveau in seinen Sprüngen finden, dass er ausgerechnet bei seinem gestürzten Flug in Innsbruck gezeigt hatte. "Wenn ich so springe, dann bin ich nah dran. Denn es gibt ja auch nach der Tournee noch Ziele: Zum Beispiel die Titelverteidigung bei der Skiflug-Weltmeisterschaft.“

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