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Aus dem Schatten von Sven Hannawald

Sport - Aus dem Schatten von Sven Hannawald

Es war aus deutscher Sicht ohne Zweifel die beste Vierschanzentournee seit 13 Jahren. Auch der Zweiplatzierte Severin Freund fühlte sich nicht als Verlierer, denn Sieger Prevc war einfach zu stark.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 06.01.2017, 13:58

Vier Podestplätze bei vier Springen, Platz zwei in der Gesamtwertung hinter dem überragenden Slowenen Peter Prevc: Severin Freund führte die deutschen Skispringer zur besten Vierschanzentournee-Bilanz seit 14 Jahren.

Das glückliche Lächeln von Severin Freund nach der Siegerehrung sagte alles. „Letztes Jahr musste ich zu diesem Zeitpunkt erklären, warum es wieder nicht geklappt hat. Diesmal hat die Tournee wirklich extrem viel Spaß gemacht. Wenn man in vier Springen viermal aufs Podest fliegt, hat man viel richtig gemacht. Das macht Freude auf mehr“, sagte Freund und küsste seine Freundin Caren. Er fühlte sich zurecht als zweiter Sieger der 64. Vierschanzentournee, nicht als erster Verlierer hinter dem überragenden Triumphator Peter Prevc.

Severin Freund auf Platz Zwei
Severin Freund (l.) Quelle: dpa


Kein Grund traurig zu sein
Auch Bundestrainer Werner Schuster fand, dass es überhaupt keinen Grund gibt, traurig zu sein: „Severin kann stolz sein. Er hat eine starke Tournee gesprungen wie das ganze deutsche Team.“ Vor der 64. Vierschanzentournee hatte der Chefcoach vor allem einen Wunsch geäußert. Severin Freund und die anderen deutschen Flieger sollten trotz aller Enttäuschungen der letzten Jahre diesen Skisprung-Grand-Slam endlich lieben lernen.

Die „Kuppelei“ des Chefcoachs ist gelungen – Deutschlands Adler haben die überzeugendste Tournee-Vorstellung seit dem legendären Grand-Slam-Sieg von Sven Hannawald vor 14 Jahren gezeigt.

Wir können auch Tournee
Natürlich war Severin Freund der große Vorflieger – aber in seinem Schatten flog ein weiteres Trio in die Weltspitze. Richard Freitag und Andreas Wank landeten auf Gesamtplatz neun und zehn, Andreas Wellinger wurde Zwölfter. „Das wichtigste Signal ist: Wir können auch Tournee. Das deutsche Skisprung-Team hat gezeigt, dass es dieser Veranstaltung gewachsen ist. Die Mannschaft mit Severin Freund an der Spitze hat großes Potenzial“, bilanziert der viermalige Weltmeister Martin Schmitt.

Als Sven Hannawald im Jahr 2003 bei seinem zweiten Gesamtplatz als bis dato letzter Deutscher um den Tournee-Gesamtsieg mitgesprungen war, war er im deutschen Team allein auf weiter Flur. Das war bei diesem Skisprung-Grand-Slam ganz anders. Beim ersten deutschen Tournee-Auftaktsieg in Oberstdorf seit 13 Jahren durch Überflieger Freund segelten fünf Deutsche in die Top 15. Beim Neujahrsspringen platzierten sich sogar sechs Springer aus dem Gastgeberland unter die besten 17 – darunter das bis dato völlig unbekannte Talent David Siegel (19). Auch in Innsbruck sorgte Freund als Zweiter für den Podestplatz – und insgesamt vier Deutsche schafften es in die Top Ten. In Bischofshofen schließlich platzierten sich vier Deutsche unter den besten 16.

Knoten gelöst

„Unser starker zweiter Durchgang in Oberstdorf hat den Knoten gelöst  - danach haben vier eine tolle Geschichte bei dieser Tournee geschrieben. Natürlich mit Severin an der Spitze, der erster Verfolger des überragenden Peter Prevc war“, kommentierte Chefcoach Schuster. Der Österreicher hatte im vergangenen Winter nach dem schwächsten deutschen Tournee-Auftakt aller Zeiten noch viel Prügel einstecken müssen. Er ging neue Wege, simulierte in einem Lehrgang mit seinem Team im September die komplette Tournee mit allen vier Schanzen und änderte das Hotelkonzept.

Dass dieser Plan aufging, verschafft im „tiefe Befriedigung: Wir sind bei der Tournee einen bedeutenden Schritt weitergekommen. Dem ganzen Trainerteam ist es gelungen, das Level des Teams anzuheben.“ Und dabei zeigten einige seiner Adler noch nicht einmal die absolute Topform. Mixed-Weltmeister Richard Freitag, der mit seinem Tagessieg in Innsbruck schon im vergangenen Winter  „einen ganz wichtigen Befreiungsschlag für das deutsche Skispringen“ gelandet hatte, zeigte nur in Einzelsprüngen sein großes Leistungsvermögen. „Er war eine Spur zu ungeduldig und wollte die Lücke mit Gewalt schließen“, analysierte Schuster.

Emanzipation

Auch Team-Olympiasieger Andreas Wellinger hatte sich selbst zu viel Druck gemacht und kam erst am Ende der Tournee so richtig in Fahrt. Schuster: „Andreas dachte, dass die Tournee seine Bühne wird. Aber das kann künftig noch so werden. Ich bin mit seinem Weg sehr zufrieden.“ Team-Olympiasieger Andreas Wank sprang dagegen die beste Tournee ihrer Karriere. Allen zusammen gelang etwas, dass Schuster ganz besonders wichtig ist: „Wir wollten uns von der Vorgängergeneration mit Schmitt und Hannawald emanzipieren.“

Nach dem Team-Olympiasieg, den Goldmedaillen bei der Skiflug-WM und der Nordischen Ski-WM sowie dem Gesamtweltcup-Sieg allesamt durch Severin Freund ist das nun auch bei der Vierschanzentournee gelungen. Zweifellos dem für die Öffentlichkeit wichtigsten Event im Skispringen. Schmitt: „Das deutsche Team  hat in diesem Jahr einen tollen Schritt gemacht. Es wird in den nächsten Jahren schon noch mit dem Tournee-Gesamtsieg klappen. Und Severin ist sicher der erste Kandidat dafür.“

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